Schloss Krumau (Státní hrad a zámek Český Krumlov)

Hoch über der Moldau und den verwinkelten Gassen von Krumau an der Moldau (Český Krumlov) erhebt sich das Schloss Krumau (Státní hrad a zámek Český Krumlov). Mit seinen zahlreichen Gebäuden, fünf Schlosshöfen, dem farbenprächtigen Schlossturm und dem weitläufigen Schlossgarten prägt die Anlage das Stadtbild wie kein anderes Bauwerk.

Das Schloss gilt nach der Prager Burg als zweitgrößter Burg- und Schlosskomplex Tschechiens. Seine Architektur erzählt von mehreren Jahrhunderten böhmischer Adelsgeschichte. Gotische Bauteile treffen auf reich bemalte Renaissancefassaden, barocke Prunkräume und Rokokoausstattung. Zu den außergewöhnlichsten Bereichen gehören der Maskensaal, die Mantelbrücke und das nahezu vollständig erhaltene barocke Schlosstheater.

Auch ohne eine Führung lohnt sich ein Besuch. Große Teile der Schlosshöfe, die Mantelbrücke und mehrere Aussichtspunkte sind frei zugänglich. Für das Schlossmuseum, den Schlossturm und die historischen Innenräume benötigst du dagegen jeweils eine Eintrittskarte.

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Vom mittelalterlichen Herrschaftssitz zum repräsentativen Schloss

Die Anfänge des Schlosses reichen bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Die ursprüngliche gotische Burg wurde vermutlich von den Herren von Krumau errichtet, die zu einem Zweig des südböhmischen Adelsgeschlechts der Witigonen gehörten.

Nach dem Aussterben der Herren von Krumau ging die Burg an die verwandten Rosenberger (Rožmberkové) über. Unter ihrer Herrschaft entwickelte sich Krumau zu einem bedeutenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum Südböhmens.

Vor allem im 16. Jahrhundert veränderten die Rosenberger das Erscheinungsbild der mittelalterlichen Burg grundlegend. Die Anlage wurde zu einer repräsentativen Renaissance­residenz ausgebaut. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche bemalte Fassaden, Arkaden und Teile der historischen Schlossgemächer.

Nach dem Ende der Rosenberger Herrschaft gelangte Krumau zunächst in den Besitz der Habsburger. Im 17. Jahrhundert übernahmen die Eggenberger die Anlage. Unter ihnen entwickelte sich das Schloss zu einer bedeutenden barocken Residenz.

Im Jahr 1719 fiel der Besitz an die Schwarzenberger. Sie ließen die Schlossräume modernisieren und im Stil des Barocks und Rokoko ausgestalten. Besonders Josef Adam von Schwarzenberg prägte das heutige Erscheinungsbild des Schlosses. In seiner Zeit entstanden unter anderem der Maskensaal, die barocke Ausstattung des Schlosstheaters und wesentliche Teile der Mantelbrücke.

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts befindet sich die Anlage in staatlichem Besitz. Heute gehört sie zu den wichtigsten staatlich verwalteten Kulturdenkmälern Tschechiens.

Beleuchtetes Schloss und Altstadt im warmen Abendlicht

Eine Schlossanlage mit fünf Höfen

Das Schloss erstreckt sich über einen langen und schmalen Felssporn oberhalb der Moldau. Mehr als 40 historische Gebäude und Paläste gruppieren sich um fünf aufeinanderfolgende Schlosshöfe.

Wenn du aus dem Stadtteil Latrán zum Schloss hinaufgehst, erreichst du zunächst den ersten Schlosshof. Dieser Bereich wurde früher überwiegend von Wirtschaftsgebäuden, Stallungen, Werkstätten und Verwaltungsräumen genutzt.

Zwischen dem ersten und zweiten Hof liegt der historische Burggraben. Dahinter beginnt der älteste Teil der Schlossanlage mit dem Kleinen Schloss und dem weithin sichtbaren Schlossturm.

Der dritte und vierte Schlosshof werden von den Gebäuden des Oberen Schlosses umgeben. Hier fallen besonders die reich bemalten Renaissancefassaden auf. Ihre illusionistischen Malereien stellen Säulen, Figuren, Nischen und architektonische Elemente dar, die teilweise nur aufgemalt sind.

Über die Mantelbrücke gelangst du schließlich zum fünften Schlosshof. In diesem Bereich befinden sich unter anderem das barocke Schlosstheater und der Weg zum Schlossgarten.

Der Schlossturm als Wahrzeichen von Krumau

Der farbenprächtige Schlossturm gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Er steht auf einem schmalen Felssporn zwischen dem ersten und zweiten Schlosshof und ist aus vielen Teilen der Altstadt sichtbar.

Die unteren Bauteile des Turms stammen vermutlich aus dem 13. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert wurde er im Stil der Renaissance umgestaltet und mit einer umlaufenden Galerie versehen. Die farbigen Fassadenmalereien zeigen illusionistische Architektur, Figuren und dekorative Motive.

Über zahlreiche Treppenstufen kannst du die Aussichtsgalerie erreichen. Von oben blickst du auf die roten Dächer der Altstadt, die St.-Veit-Kirche, die Moldauschleife und die umliegende Landschaft.

Der Aufstieg ist aufgrund der schmalen Treppen und vieler Stufen körperlich anspruchsvoller als ein Spaziergang durch die Schlosshöfe. Für die Aussicht solltest du dennoch ausreichend Zeit einplanen.

Schlossmuseum im Kleinen Schloss

Unterhalb des Schlossturms befindet sich das Schlossmuseum. Die Ausstellung widmet sich der Geschichte der Schlossanlage und ihrer früheren Besitzer.

Zu sehen sind historische Möbel, Kunstwerke, Porträts, Waffen, religiöse Gegenstände und persönliche Erinnerungsstücke. Die Ausstellung vermittelt einen Überblick über die Rosenberger, Eggenberger und Schwarzenberger, die Krumau über mehrere Jahrhunderte prägten.

Das Museum kannst du normalerweise selbstständig und ohne Führung besuchen. Es lässt sich gut mit dem Aufstieg auf den Schlossturm verbinden. Diese Kombination eignet sich besonders, wenn du keinen längeren Rundgang durch die Schlossgemächer buchen möchtest.

Renaissancefassaden im Oberen Schloss

Zu den eindrucksvollsten frei zugänglichen Bereichen gehören der dritte und vierte Schlosshof. Die Fassaden des Oberen Schlosses sind großflächig mit Renaissance­malereien verziert.

Auf den ersten Blick wirken viele Flächen wie dreidimensionale Architektur. Säulen, Gesimse, Steinquader, Statuen und Nischen wurden jedoch mit illusionistischen Maltechniken auf die Wände übertragen.

Neben dekorativen Elementen sind mythologische Figuren und Motive aus der griechischen und römischen Geschichte zu erkennen. Die bemalten Innenhöfe verdeutlichen, welchen repräsentativen Anspruch die Rosenberger beim Umbau ihrer Residenz verfolgten.

Da die Höfe frei zugänglich sind, kannst du dir für die Fassaden und ihre zahlreichen Details ausreichend Zeit nehmen.

Historische Schlossgemächer

Die Innenräume des Oberen Schlosses können nur im Rahmen geführter Rundgänge besichtigt werden. Dabei stehen verschiedene Bereiche und historische Epochen im Mittelpunkt.

Ein Rundgang führt durch die Renaissance- und Barockgemächer. Du siehst repräsentative Säle, private Wohnräume, historische Möbel, Wandteppiche, Gemälde und die Schlosskapelle St. Georg.

Ein weiterer Rundgang konzentriert sich stärker auf die Zeit der Schwarzenberger. Die Räume vermitteln einen Eindruck davon, wie das Schloss während des 18. und 19. Jahrhunderts genutzt und ausgestattet war.

Welche Bereiche geöffnet sind, hängt von der Jahreszeit und dem gewählten Rundgang ab. Die historischen Innenräume sind nicht vollständig barrierefrei, da Treppen, Schwellen und schmale Durchgänge zur ursprünglichen Bausubstanz gehören.

Der Rokoko-Maskensaal

Der Maskensaal zählt zu den bekanntesten Innenräumen des Schlosses. Seine Wände wurden im 18. Jahrhundert mit einer illusionistischen höfischen Festgesellschaft bemalt.

Zu erkennen sind maskierte Damen und Herren, Musiker, Diener sowie Figuren aus der italienischen Commedia dell’arte. Die dargestellten Personen scheinen sich auf Balkonen, hinter Balustraden und in gemalten Nischen zu bewegen.

Die Malereien erzeugen den Eindruck eines lebhaften Maskenfestes, das den gesamten Raum umgibt. Durch die Verbindung aus Architektur, Malerei und höfischer Inszenierung gehört der Saal zu den Höhepunkten der Schlossführungen.

Schlosskapelle St. Georg

Die Schlosskapelle St. Georg befindet sich im Oberen Schloss. Eine Kapelle an dieser Stelle wurde bereits im 14. Jahrhundert erwähnt. Der heutige Raum wurde jedoch mehrfach umgebaut und erhielt seine prägende Ausstattung während der Barockzeit.

Die Kapelle diente den Schlossbesitzern und ihrem Hofstaat als privater Gottesdienstraum. Altäre, Skulpturen, Malereien und dekorative Elemente bilden ein geschlossenes barockes Ensemble.

Die Schlosskapelle ist Bestandteil ausgewählter Führungen durch die Renaissance- und Barockgemächer.

Die monumentale Mantelbrücke

Die Mantelbrücke (Plášťový most) verbindet das Obere Schloss mit dem fünften Schlosshof und dem anschließenden Schlossgarten. Sie überspannt einen tiefen ehemaligen Burggraben und gehört zu den markantesten Bauwerken der Anlage.

Die heutige mehrgeschossige Konstruktion entstand überwiegend im 17. und 18. Jahrhundert. Mächtige Steinpfeiler tragen mehrere Ebenen mit offenen und überdachten Verbindungsgängen.

Ein Gang verband die Schlossräume mit dem barocken Schlosstheater. Eine weitere Verbindung führte in Richtung Schlossgarten. Dadurch konnten sich die Mitglieder des Hofes zwischen den wichtigsten Bereichen bewegen, ohne die öffentlich zugänglichen Höfe betreten zu müssen.

Von den frei zugänglichen Bereichen der Mantelbrücke hast du einen besonders schönen Blick auf die Altstadt, die St.-Veit-Kirche und die Dächer entlang der Moldau.

Das barocke Schlosstheater

Das barocke Schlosstheater gehört zu den wertvollsten Teilen des gesamten Schlosskomplexes. Es zählt zu den am vollständigsten erhaltenen historischen Barocktheatern der Welt.

Neben dem Zuschauerraum und der Bühne blieben auch große Teile der ursprünglichen Bühnenmaschinerie erhalten. Dazu kommen historische Kulissen, Requisiten, Kostüme, Beleuchtungselemente, Noten und Theatertexte.

Mithilfe der hölzernen Bühnenmechanik konnten Kulissen schnell gewechselt und verschiedene Szenenbilder erzeugt werden. Landschaften, Paläste, Wälder oder militärische Lager ließen sich während einer Aufführung innerhalb kurzer Zeit auf die Bühne bringen.

Da nahezu die gesamte Ausstattung aus empfindlicher historischer Originalsubstanz besteht, ist der Zugang stark begrenzt. Das Theater kannst du nur im Rahmen spezieller Führungen und meist in kleinen Gruppen besichtigen.

Das historische Schlosstheater darf nicht mit dem drehbaren Zuschauerraum im Schlossgarten verwechselt werden. Dabei handelt es sich um eine moderne Freilichtbühne des Südböhmischen Theaters.

Der Bärengraben

Zwischen dem ersten und zweiten Schlosshof befindet sich der bekannte Bärengraben. Die Haltung von Bären ist bereits seit mehreren Jahrhunderten mit der Schlossgeschichte verbunden.

Die Tradition geht auf die Rosenberger zurück. Sie stellten eine symbolische Verbindung zum italienischen Adelsgeschlecht Orsini her, dessen Name vom italienischen Wort für Bär abgeleitet wird. Der Bär wurde dadurch zu einem Bestandteil der höfischen Repräsentation.

Der Graben wurde im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut und an unterschiedliche Anforderungen angepasst. Die heutige Haltung der Tiere wird teilweise kritisch betrachtet und eignet sich daher auch für eine sachliche Auseinandersetzung mit historischen Traditionen und modernem Tierschutz.

Der weitläufige Schlossgarten

Hinter dem fünften Schlosshof beginnt der rund elf Hektar große Schlossgarten. Er wurde im 17. Jahrhundert angelegt und in den folgenden Jahrhunderten mehrfach verändert.

Der Garten besteht aus verschiedenen Terrassen, Alleen, Rasenflächen und landschaftlich gestalteten Bereichen. Zu seinen auffälligsten Elementen gehört die mehrstufige Kaskadenfontäne mit Skulpturen und Wasserbecken.

Im oberen Bereich steht das Lustschloss Bellarie. Das kleine Gebäude wurde für höfische Feste, Erholung und Theaterveranstaltungen genutzt. In der Nähe befindet sich heute der drehbare Zuschauerraum des Südböhmischen Theaters.

Der Garten endet an einem größeren Schlossteich. Durch seine Ausdehnung wirkt er deutlich ruhiger als die häufig stark besuchten Schlosshöfe und die Altstadt.

Für einen Spaziergang durch den gesamten Garten solltest du zusätzliche Zeit einplanen. Der Zugang ist saisonabhängig und kann während Veranstaltungen teilweise eingeschränkt sein.

Kostenlose und kostenpflichtige Bereiche

Die Schlosshöfe, der Weg über die Mantelbrücke und mehrere Aussichtspunkte kannst du grundsätzlich ohne Eintritt besuchen. Auch der Durchgang vom Stadtteil Latrán in Richtung Schlossgarten ist während der jeweiligen Öffnungszeiten frei zugänglich.

Für das Schlossmuseum, den Schlossturm, die historischen Gemächer und das barocke Schlosstheater benötigst du separate Eintrittskarten. Die Angebote unterscheiden sich nach Jahreszeit, da viele Innenräume während der Wintermonate geschlossen oder nur eingeschränkt zugänglich sind.

Wenn du wenig Zeit hast, lohnt sich bereits der kostenlose Spaziergang durch die fünf Schlosshöfe und über die Mantelbrücke. Für einen umfassenden Eindruck solltest du zusätzlich das Schlossmuseum, den Turm oder einen der geführten Rundgänge besuchen.

Wie viel Zeit solltest du einplanen?

Für einen Spaziergang durch die frei zugänglichen Höfe, über die Mantelbrücke und zu den Aussichtspunkten solltest du ungefähr eine bis eineinhalb Stunden einplanen.

Mit dem Schlossmuseum und dem Aufstieg auf den Schlossturm verlängert sich der Besuch auf etwa zwei bis drei Stunden. Eine Führung durch die historischen Gemächer dauert zusätzliche Zeit.

Möchtest du auch das barocke Schlosstheater und den gesamten Schlossgarten kennenlernen, kannst du problemlos einen halben Tag auf dem Schlossgelände verbringen.

Die schönsten Aussichtspunkte und Fotomotive

Zu den beliebtesten Aussichtspunkten gehört die Galerie des Schlossturms. Von dort überblickst du fast die gesamte historische Innenstadt und die markante Moldauschleife.

Auch von der Mantelbrücke öffnet sich ein weiter Blick auf die Altstadt und die St.-Veit-Kirche. Weitere interessante Motive findest du in den bemalten Innenhöfen, an der Kaskadenfontäne und entlang der Alleen im Schlossgarten.

Von der Altstadt und den gegenüberliegenden Moldauufern kannst du wiederum den gesamten Schlosskomplex mit Schlossturm, Palastgebäuden und Mantelbrücke fotografieren.

Am frühen Morgen sind die Höfe meist ruhiger. Das weiche Licht am späten Nachmittag hebt dagegen häufig die farbigen Fassaden, Dächer und Türme besonders gut hervor.

Schloss Krumau als Teil des UNESCO-Welterbes

Das Schloss ist ein wesentlicher Bestandteil des historischen Zentrums von Krumau an der Moldau, das seit 1992 zum UNESCO-Welterbe gehört.

Besonders außergewöhnlich ist das Zusammenspiel aus mittelalterlicher Stadtstruktur, Moldauschleife, steilen Felshängen und der darüberliegenden Schlossanlage. Die Stadt und das Schloss bilden dadurch ein geschlossenes historisches Ensemble.

Ein Besuch des Schlosses lässt sich ideal mit einem Spaziergang durch den Stadtteil Latrán, die Altstadt und entlang der Moldau verbinden. Erst aus den unterschiedlichen Perspektiven wird deutlich, wie stark die Schlossanlage die Entwicklung und das Erscheinungsbild Krumaus geprägt hat.

Kurzinfos

  • Deutscher Name: Schloss Krumau
  • Tschechischer Name: Státní hrad a zámek Český Krumlov
  • Ort: Krumau an der Moldau (Český Krumlov)
  • Region: Südböhmische Region
  • Entstehung: Ursprüngliche Burganlage aus dem 13. Jahrhundert
  • Prägende Adelsgeschlechter: Rosenberger, Eggenberger und Schwarzenberger
  • Baustile: Gotik, Renaissance, Barock und Rokoko
  • Größe: Mehr als 40 Gebäude, fünf Schlosshöfe und rund elf Hektar Schlossgarten
  • Bekanntestes Wahrzeichen: Schlossturm
  • Besondere Höhepunkte: Maskensaal, Mantelbrücke und barockes Schlosstheater
  • Frei zugänglich: Große Teile der Schlosshöfe, Mantelbrücke und ausgewählte Aussichtspunkte
  • Empfohlene Aufenthaltsdauer: Zwei bis drei Stunden, mit Schlossgarten bis zu einem halben Tag
  • Geeignet für: Kulturreisende, Geschichtsinteressierte, Architekturfreunde und Fotografen
  • UNESCO-Welterbe: Bestandteil des historischen Zentrums von Krumau seit 1992
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