Theresienstadt (Terezín) ist eine außergewöhnliche Festungsstadt in Nordböhmen, nur wenige Kilometer von Leitmeritz (Litoměřice) entfernt. Der Ort verbindet eindrucksvolle Militärarchitektur aus dem 18. Jahrhundert mit einer besonders schweren Geschichte während der nationalsozialistischen Herrschaft. Heute gehören die Große Festung, die Kleine Festung, mehrere Museen und zahlreiche Gedenkorte zu einem weitläufigen historischen Erinnerungsraum.
Die barocke Festungsstadt
Theresienstadt wurde ab 1780 als planmäßig angelegte Garnisons- und Festungsstadt errichtet. Gerade Straßen, symmetrische Häuserblöcke, ehemalige Kasernen, massive Wälle und sternförmig angeordnete Bastionen prägen das Stadtbild. Bei einem Rundgang kannst du viele Bereiche der ursprünglichen Festungsanlage bis heute erkennen.
Die Kleine Festung
Die Kleine Festung (Malá pevnost) liegt außerhalb des eigentlichen Stadtzentrums. Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie als Gefängnis der Prager Gestapo genutzt. Erhaltene Zellen, Gefängnishöfe, Arbeitsbereiche und die Hinrichtungsstätte vermitteln einen unmittelbaren Eindruck von den Haftbedingungen. Vor dem Eingang befindet sich der Nationalfriedhof.
Das Ghetto Theresienstadt
In der Großen Festung richteten die Nationalsozialisten 1941 das Ghetto Theresienstadt ein. Zehntausende jüdische Menschen wurden hier festgehalten und später in andere Lager und Vernichtungsstätten deportiert. Das Ghettomuseum, die Magdeburger Kaserne und weitere erhaltene Orte dokumentieren den Alltag, die Verfolgung und die Schicksale der Gefangenen.
Kunst und Kultur im Ghetto
Trotz Hunger, Enge und ständiger Bedrohung entstand im Ghetto ein bemerkenswertes kulturelles Leben. Gefangene organisierten Konzerte, Theateraufführungen, Vorträge und Lesungen. Erhaltene Zeichnungen, Gedichte und Musikstücke erinnern besonders eindrücklich an die Kinder, Künstler und Musiker von Theresienstadt.
Gedenkorte im Stadtgebiet
Zu den wichtigsten Erinnerungsorten gehören das Krematorium, der Jüdische Friedhof, das Kolumbarium, die ehemalige Leichenhalle und der jüdische Gebetsraum. Auch ein erhaltenes Eisenbahngleis und der Gedenkort an der Eger (Ohře) erinnern an Deportationen, Tod und die Versuche der Nationalsozialisten, Spuren ihrer Verbrechen zu beseitigen.
Festungswälle und unterirdische Gänge
Neben der Geschichte des Zweiten Weltkriegs lohnt sich die Beschäftigung mit der ursprünglichen Festungsarchitektur. Spazierwege führen entlang der Bastionen und Gräben, während geführte Rundgänge ausgewählte unterirdische Verteidigungsgänge erschließen. Dadurch wird sichtbar, wie aufwendig Theresienstadt als militärische Anlage geplant wurde.
Gedenkstätte und NS-Geschichte
- Kleine Festung (Malá pevnost)
- Ghetto Theresienstadt in der Großen Festung
- Nationalfriedhof Theresienstadt
- Krematorium und Jüdischer Friedhof
- Kolumbarium, Leichenhalle und Zeremonienräume
Museen und historische Ausstellungen
- Ghettomuseum (Muzeum ghetta)
- Magdeburger Kaserne (Magdeburská kasárna)
- Jüdischer Gebetsraum und Dachbodenunterkunft
- Ehemaliges Eisenbahngleis von Theresienstadt
- Gedenkort an der Eger (Ohře)
Festungsstadt und Militärarchitektur
- Große Festung von Theresienstadt
- Festungswälle und Bastionen
- Unterirdische Gänge von Theresienstadt
- Kavalier 2 (Kavalír 2)
- Festungsmuseum im Retranchement 5
Stadtbild und Sehenswürdigkeiten
- Platz der Tschechoslowakischen Armee (náměstí Československé armády)
- Kirche der Auferstehung Christi (Kostel Vzkříšení Páně)
- Historische Kasernen von Theresienstadt
- Planstadt und Straßennetz der Festung
- Spaziergang durch die Festungsstadt
Menschen, Kultur und Erinnerung
- Kinder im Ghetto Theresienstadt
- Kunst und Zeichnungen aus Theresienstadt
- Musik und Komponisten im Ghetto
- Kinderoper Brundibár in Theresienstadt
- Gavrilo Princip in der Kleinen Festung
Besuch, Anreise und Umgebung
- Theresienstadt an einem Tag
- Anreise nach Theresienstadt
- Führungen durch Theresienstadt
- Theresienstadt mit Kindern und Schulklassen
- Theresienstadt und Leitmeritz (Litoměřice) verbinden
Theresienstadt entdecken: Lerne die Stadt kennen
Theresienstadt (Terezín) gehört zu den geschichtlich bedeutendsten Orten in Nordböhmen. Die planmäßig angelegte Festungsstadt liegt nahe der Mündung der Eger (Ohře) in die Elbe, nur wenige Kilometer von Leitmeritz (Litoměřice) entfernt. Massive Festungswälle, sternförmig angeordnete Bastionen, ehemalige Kasernen und unterirdische Verteidigungsgänge prägen das Stadtbild bis heute.
International bekannt ist Theresienstadt jedoch vor allem als Ort der nationalsozialistischen Verfolgung. Während des Zweiten Weltkriegs richteten die Nationalsozialisten in der Großen Festung ein jüdisches Ghetto und Durchgangslager ein. Die außerhalb des eigentlichen Stadtkerns gelegene Kleine Festung wurde als Gefängnis der Prager Gestapo genutzt. Zahlreiche Museen, Ausstellungen und erhaltene Originalschauplätze erinnern heute an die Gefangenen und Opfer.
Ein Besuch in Theresienstadt ist deshalb kein gewöhnlicher Stadtbummel. Die Stadt ist Festungsdenkmal, historischer Lernort und Gedenkstätte zugleich. Für die Besichtigung solltest du ausreichend Zeit und Ruhe einplanen.
Eine barocke Festungsstadt aus dem 18. Jahrhundert
Die Geschichte von Theresienstadt begann lange vor dem Zweiten Weltkrieg. Kaiser Joseph II. ließ die Festung ab 1780 errichten, um die nördlichen Gebiete der Habsburgermonarchie gegen mögliche Angriffe aus Preußen zu schützen. Benannt wurde die neue Stadt nach seiner Mutter, Kaiserin Maria Theresia.
Die Anlage bestand aus zwei voneinander getrennten Festungsbereichen. Die Große Festung umfasste die eigentliche Garnisonsstadt mit Wohnhäusern, Kasernen, Verwaltungsgebäuden und einem regelmäßig angelegten Straßennetz. Die kleinere, östlich davon gelegene Festung diente unter anderem als militärisches Gefängnis.
Bastionen, Gräben, Kasematten und ein ausgeklügeltes Wassersystem bildeten eine moderne Verteidigungsanlage. Teile des umliegenden Geländes konnten im Angriffsfall geflutet werden. Zu einer großen Belagerung kam es allerdings nie. Ende des 19. Jahrhunderts verlor Theresienstadt seine offizielle Funktion als Festung, blieb aber weiterhin Garnisons- und Gefängnisstadt.
Das außergewöhnliche Stadtbild
Der historische Stadtkern unterscheidet sich deutlich von gewachsenen böhmischen Altstädten. Die Straßen verlaufen geradlinig und bilden ein nahezu geometrisches Raster. Dazwischen stehen lang gestreckte Kasernen, niedrige Bürgerhäuser und ehemalige Militärgebäude.
Das Zentrum bildet der große Hauptplatz, der heute Platz der Tschechoslowakischen Armee (náměstí Československé armády) heißt. Über die überwiegend niedrige Bebauung erhebt sich die Garnisonskirche der Auferstehung Christi (Kostel Vzkříšení Páně). Sie wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtet und gehört zu den markantesten Bauwerken der Stadt.
Die eigentliche Größe der Festungsanlage wird erst bei einem Spaziergang entlang der Wälle sichtbar. Breite Grünflächen, gewaltige Erdwälle, Bastionen und tiefe Gräben umschließen den Stadtkern. Aus der Luft ist die charakteristische sternförmige Struktur besonders gut zu erkennen.
Die Kleine Festung und das Gestapo-Gefängnis
Die Kleine Festung (Malá pevnost) ist einer der wichtigsten Erinnerungsorte in Theresienstadt. Sie liegt östlich der Großen Festung und wurde bereits seit dem 19. Jahrhundert als Gefängnis genutzt. Zu den bekanntesten Häftlingen gehörte Gavrilo Princip, der 1914 das Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand verübte. Princip starb 1918 während seiner Haft in Theresienstadt.
Ab Juni 1940 nutzte die Prager Gestapo die Kleine Festung als Polizeigefängnis. Hier wurden vor allem politische Gegner, Mitglieder des Widerstands, Geistliche und andere vom NS-Regime verfolgte Menschen inhaftiert. Die Bedingungen waren von Gewalt, Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und willkürlichen Hinrichtungen geprägt.
Beim Rundgang siehst du ehemalige Gefängnishöfe, Gemeinschaftszellen, Einzelzellen, Waschräume, Verwaltungsbereiche und Teile des Krankenreviers. Auch die Hinrichtungsstätte und ein langer unterirdischer Festungsgang gehören zum Besichtigungsbereich.
Über dem Eingangstor steht der zynische Schriftzug „Arbeit macht frei“. Er erinnert daran, wie die Nationalsozialisten Sprache und Symbole zur Täuschung und Demütigung der Gefangenen einsetzten.
Der Nationalfriedhof
Direkt vor der Kleinen Festung befindet sich der Nationalfriedhof. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg angelegt und zählt zu den sichtbarsten Gedenkorten von Theresienstadt. Tausende Gräber, Gedenksteine und ein großes Kreuz erinnern an Menschen, die in der Kleinen Festung, im Ghetto oder während der letzten Kriegsmonate ums Leben kamen.
Der Friedhof bildet einen stillen Übergang zwischen der heutigen Stadt und dem ehemaligen Gestapo-Gefängnis. Besucher sollten sich hier besonders respektvoll verhalten und auf laute Gespräche oder unangemessene Fotoinszenierungen verzichten.
Das Ghetto in der Großen Festung
Im November 1941 richteten die Nationalsozialisten in der Großen Festung das Ghetto Theresienstadt ein. Die ersten jüdischen Gefangenen trafen am 24. November 1941 ein. Zunächst lebte noch ein Teil der ursprünglichen Bevölkerung in der Stadt. Im Verlauf des Jahres 1942 mussten jedoch sämtliche Zivilbewohner Theresienstadt verlassen.
Danach wurde die gesamte Große Festung zum abgeschlossenen Ghetto. Menschen aus Böhmen und Mähren, Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Dänemark und weiteren europäischen Ländern wurden hierher deportiert. Unter den Gefangenen befanden sich viele ältere Menschen, Kriegsveteranen, Künstler, Musiker, Wissenschaftler und bekannte Persönlichkeiten.
Theresienstadt diente vor allem als Sammel- und Durchgangslager. Zehntausende Gefangene wurden von hier aus weiter in Ghettos, Konzentrationslager und Vernichtungsstätten im besetzten Osteuropa deportiert. Viele andere starben bereits in Theresienstadt an Hunger, Krankheiten, mangelnder medizinischer Versorgung und den katastrophalen Lebensbedingungen.
Das Ghettomuseum
Das Ghettomuseum (Muzeum ghetta) gehört zu den wichtigsten Stationen eines Besuchs. Es befindet sich in einem ehemaligen Schulgebäude, das während der Ghettozeit als Unterkunft für jüdische Jungen genutzt wurde.
Die Ausstellung vermittelt die Geschichte der Judenverfolgung in den böhmischen Ländern, die Errichtung des Ghettos und den Alltag der Gefangenen. Dokumente, Fotografien, persönliche Gegenstände, Zeichnungen und Zeitzeugenberichte verdeutlichen, wie stark das Leben von Enge, Hunger, Angst und Deportationen bestimmt war.
Ein besonderer Bereich erinnert an die Kinder von Theresienstadt. Tausende Kinder wurden in das Ghetto verschleppt. Ihre erhaltenen Zeichnungen und Gedichte zählen zu den eindrücklichsten Zeugnissen des Ortes. Sie zeigen Erinnerungen an das frühere Leben, Alltagsszenen aus dem Ghetto, Ängste und Hoffnungen.
Die Magdeburger Kaserne
Die Magdeburger Kaserne (Magdeburská kasárna) war während der Ghettozeit Sitz der jüdischen Selbstverwaltung. Diese musste organisatorische Aufgaben übernehmen, blieb jedoch vollständig den Anweisungen und der Kontrolle der SS unterworfen.
Heute befinden sich in dem Gebäude Ausstellungen über das kulturelle Leben im Ghetto. Thematisiert werden Musik, Theater, Literatur, bildende Kunst und Vorträge. Außerdem kannst du die Rekonstruktion eines überfüllten Schlafsaals sehen.
Die Ausstellung zeigt, welche Bedeutung kulturelle Aktivitäten für viele Gefangene hatten. Konzerte, Aufführungen, Gedichte und Zeichnungen boten für kurze Zeit Ablenkung, stärkten den Zusammenhalt und halfen dabei, ein Stück menschlicher Würde zu bewahren. Gleichzeitig missbrauchte die SS Teile dieses Kulturlebens später für ihre Propaganda.
Kunst und Musik unter unmenschlichen Bedingungen
Theresienstadt nahm im kulturellen Leben der jüdischen Gefangenen eine besondere Stellung ein. Zahlreiche Musiker, Komponisten, Maler, Schriftsteller und Schauspieler waren hier inhaftiert. Sie schufen trotz Hunger, Krankheit und permanenter Lebensgefahr neue Werke oder führten bekannte Kompositionen auf.
Zu den in Theresienstadt entstandenen oder aufgeführten Werken gehörten Opern, Kammermusik, Kabarettprogramme, Theaterstücke und Kinderaufführungen. Besonders bekannt wurde die Kinderoper „Brundibár“ des Komponisten Hans Krása.
Viele Künstler hielten in ihren Bildern heimlich die tatsächlichen Lebensbedingungen fest. Solche Darstellungen standen im deutlichen Gegensatz zu den geschönten Bildern, welche die Nationalsozialisten nach außen verbreiten wollten. Zahlreiche beteiligte Künstler und Musiker wurden später deportiert und ermordet.
Die nationalsozialistische Propaganda
Die Nationalsozialisten stellten Theresienstadt zeitweise als angeblich bevorzugten Aufenthaltsort für ältere oder prominente jüdische Menschen dar. Tatsächlich herrschten auch hier Überbelegung, Hunger, Krankheiten und ständige Angst vor Deportationen.
Besonders deutlich wurde die Täuschung im Jahr 1944. Vor dem Besuch einer Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz ließ die SS Teile der Stadt verschönern. Grünanlagen wurden angelegt, Gebäude gestrichen und Geschäfte sowie kulturelle Einrichtungen inszeniert. Gleichzeitig wurden viele Gefangene deportiert, um die sichtbare Überbelegung zu reduzieren.
Der Besuch sollte den Eindruck eines geordneten jüdischen Siedlungsgebiets vermitteln. Auch ein Propagandafilm entstand in dieser Zeit. Nach Abschluss der Aufnahmen wurden viele der daran beteiligten Gefangenen nach Auschwitz deportiert.
Der jüdische Gebetsraum
In einem Gebäude nahe des Stadtzentrums blieb ein kleiner jüdischer Gebetsraum erhalten. Seine Wände sind mit hebräischen Inschriften und religiösen Texten versehen. Der Raum vermittelt einen unmittelbaren Eindruck vom religiösen Leben der Gefangenen.
In demselben Gebäude ist eine Dachbodenunterkunft rekonstruiert. Solche Mansarden wurden genutzt, weil die regulären Unterkünfte für die große Zahl der Gefangenen nicht ausreichten. Die niedrigen Räume waren im Sommer heiß, im Winter kalt und boten kaum Privatsphäre.
Kolumbarium, Leichenhalle und Zeremonienräume
Zu den bedrückendsten Erinnerungsorten gehören das Kolumbarium, die zentrale Leichenhalle und die ehemaligen Zeremonienräume. Aufgrund der hohen Zahl an Todesfällen ließ die Lagerverwaltung die Verstorbenen ab 1942 in einem eigens errichteten Krematorium verbrennen.
Die Asche wurde zunächst in Urnen im Kolumbarium aufbewahrt. Gegen Ende des Krieges versuchten die Nationalsozialisten, Spuren ihrer Verbrechen zu beseitigen. Tausende Urnen wurden aus dem Kolumbarium entfernt und die Asche in die Eger geschüttet.
Die erhaltenen Räume und Ausstellungen erinnern heute an den Umgang mit den Toten und an die Versuche, den Opfern selbst nach ihrem Tod ihre Identität zu nehmen.
Das Krematorium und der Jüdische Friedhof
Das Krematorium liegt außerhalb des befestigten Stadtkerns in der Nähe des Jüdischen Friedhofs. Es wurde 1942 errichtet und besitzt vier erhaltene Verbrennungsöfen. In den angrenzenden Räumen werden Dokumente und Informationen zur Geschichte des Gebäudes gezeigt.
Neben dem Krematorium erstreckt sich der Jüdische Friedhof. Grabsteine, Gedenktafeln und große Rasenflächen erinnern an die im Ghetto verstorbenen Menschen. Der Bereich gehört zu den ruhigsten Orten der Gedenkstätte und liegt etwas abseits der meistbesuchten Gebäude im Stadtzentrum.
Der Gedenkort an der Eger
Am Ufer der Eger erinnert ein Gedenkstein an die Asche der Verstorbenen, die im November 1944 in den Fluss geschüttet wurde. Der Ort liegt außerhalb der zentralen Ausstellungsbereiche und wird daher von manchen Besuchern übersehen.
Gerade seine schlichte Gestaltung macht ihn zu einem eindringlichen Erinnerungsort. Er steht zugleich für die nationalsozialistischen Verbrechen und für den Versuch, Beweise zu vernichten.
Das ehemalige Eisenbahngleis
Zu Beginn mussten die Deportierten vom Bahnhof Bauschowitz an der Eger (Bohušovice nad Ohří) mehrere Kilometer zu Fuß nach Theresienstadt gehen. Später wurde ein Eisenbahnanschluss bis in die Festungsstadt gebaut.
Ein erhaltenes Teilstück des Gleises und ein Gedenkort erinnern an die Ankunft der Transporte sowie an die Deportationen aus dem Ghetto. Das Gleis verbindet die heute ruhig wirkende Festungsstadt symbolisch mit dem europaweiten System der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung.
Unterirdische Gänge und Festungsanlagen
Theresienstadt ist nicht nur wegen seiner Gedenkstätten, sondern auch wegen seiner Militärarchitektur sehenswert. Unter den Wällen verlaufen kilometerlange Gänge, die zur Verteidigung der Festung angelegt wurden.
Bei geführten Rundgängen kannst du ausgewählte Abschnitte dieses Systems besichtigen. Teilweise werden die Gänge mit historischen Laternen erkundet. Dabei erfährst du, wie feindliche Minenangriffe erkannt und unterirdische Sprengungen verhindert werden sollten.
Ein wichtiger Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit der Festungsgeschichte ist der Bereich Kavalier 2 (Kavalír 2). Dort stehen weniger die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs als vielmehr die Planung, Konstruktion und militärische Funktion der Anlage im Mittelpunkt.
Spaziergang über die Festungswälle
Ein Rundgang über und entlang der Festungswälle bietet einen ruhigeren Zugang zur Stadt. Von den erhöhten Bereichen kannst du die Ausdehnung der Bastionen, Gräben und ehemaligen Verteidigungszonen gut erkennen.
Die Grünflächen werden heute teilweise als Wege und Erholungsbereiche genutzt. Dennoch solltest du beachten, dass sich auch außerhalb der bekannten Museen zahlreiche historische Spuren befinden. Informationstafeln erklären an mehreren Stellen die ursprüngliche Funktion der einzelnen Festungsabschnitte.
Wie viel Zeit solltest du einplanen?
Für die wichtigsten Gedenkstätten und Museen solltest du mindestens drei bis vier Stunden einplanen. Wer zusätzlich die Festungswälle, unterirdischen Gänge, das Krematorium, den Jüdischen Friedhof und den Gedenkort an der Eger besuchen möchte, benötigt eher einen ganzen Tag.
Die Kleine Festung liegt außerhalb des eigentlichen Stadtzentrums. Zwischen ihr und dem Ghettomuseum kannst du zu Fuß gehen. Das Krematorium und einige weitere Gedenkorte befinden sich am Rand der Stadt, weshalb bequeme Schuhe empfehlenswert sind.
Aufgrund der belastenden Inhalte ist es sinnvoll, zwischen den einzelnen Ausstellungen Pausen einzulegen. Besonders das Ghettomuseum, die Kleine Festung und das Krematorium vermitteln viele Informationen und persönliche Schicksale.
Theresienstadt mit Kindern besuchen
Theresienstadt wird häufig von Schulklassen besucht. Die Ausstellungen behandeln jedoch Themen wie Verfolgung, Krankheit, Gewalt und Tod. Ein Besuch mit jüngeren Kindern sollte deshalb gut vorbereitet werden.
Für Jugendliche können altersgerechte Führungen oder pädagogische Programme hilfreich sein. Eltern sollten vorab entscheiden, welche Bereiche für ihre Kinder geeignet sind. Besonders die Kleine Festung, das Krematorium und einige Bilddokumente können emotional stark belasten.
Respektvolles Verhalten an den Gedenkorten
Theresienstadt ist heute eine bewohnte Stadt, zugleich aber auch ein weitläufiger Erinnerungsort. Viele Gebäude und Plätze sind unmittelbar mit dem Leid der Gefangenen verbunden.
Beim Fotografieren solltest du auf respektvolle Motive achten. Inszenierte Selfies, lautes Verhalten oder das Besteigen von Gräbern und Denkmälern sind unangemessen. In Museen und historischen Innenräumen können zusätzliche Regeln für Foto- und Videoaufnahmen gelten.
Auch außerhalb der offiziellen Gedenkstätten leben Menschen in Theresienstadt. Wohnhäuser, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen gehören zum heutigen Alltag der Stadt und sollten nicht ohne Rücksicht als bloße historische Kulisse betrachtet werden.
Anreise nach Theresienstadt
Theresienstadt liegt rund 60 Kilometer nordwestlich von Prag. Mit dem Auto erreichst du die Stadt über die Autobahn D8 und die Umgebung von Leitmeritz. Parkmöglichkeiten befinden sich unter anderem in der Nähe der Kleinen Festung und des Stadtzentrums.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln führen regionale Busverbindungen von Prag und Leitmeritz nach Theresienstadt. Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Bauschowitz an der Eger (Bohušovice nad Ohří). Von dort bestehen Busverbindungen in die Stadt.
Da Öffnungszeiten, Führungsangebote und Verkehrsverbindungen variieren können, solltest du die aktuellen Angaben vor dem Besuch auf den offiziellen Webseiten prüfen.
Theresienstadt und Leitmeritz verbinden
Nur wenige Kilometer entfernt liegt Leitmeritz (Litoměřice). Die historische Stadt besitzt einen großen Marktplatz, farbenfrohe Bürgerhäuser, Kirchen und eine lange Weinbautradition.
Beide Orte lassen sich gut an einem Tag oder während eines Wochenendes kombinieren. Wegen der intensiven und bedrückenden Eindrücke in Theresienstadt kann ein anschließender ruhiger Spaziergang durch Leitmeritz oder entlang der Elbe einen bewussten Abschluss des Tages bilden.
Weitere Ziele in der Umgebung sind das Böhmische Mittelgebirge, Lobositz (Lovosice), Auscha (Úštěk) und die Aussichtspunkte entlang der Elbe.
Kurzinfos
- Deutscher Name: Theresienstadt
- Tschechischer Name: Terezín
- Region: Aussiger Region (Ústecký kraj)
- Lage: An der Eger (Ohře), nahe der Elbe und Leitmeritz (Litoměřice)
- Gründung: Ab 1780 als Festungs- und Garnisonsstadt erbaut
- Namensgeberin: Kaiserin Maria Theresia
- Historische Hauptbereiche: Große Festung und Kleine Festung
- Bedeutung während des Zweiten Weltkriegs: Jüdisches Ghetto und Durchgangslager in der Großen Festung sowie Gestapo-Gefängnis in der Kleinen Festung
- Wichtigste Erinnerungsorte: Kleine Festung, Ghettomuseum, Magdeburger Kaserne, Nationalfriedhof, Krematorium und Jüdischer Friedhof
- Architektonische Besonderheit: Weitgehend erhaltene barocke Bastionsfestung mit Wällen, Gräben, Kasematten und unterirdischen Gängen
- Empfohlene Aufenthaltsdauer: Mindestens vier Stunden, besser ein ganzer Tag
- Geeignet für: Historisch Interessierte, Schulklassen, Studiengruppen und Besucher mit Interesse an jüdischer Geschichte und Festungsarchitektur
- Hinweis für Familien: Wegen der belastenden Inhalte sollte ein Besuch mit jüngeren Kindern vorbereitet werden
- Nahe Ausflugsziele: Leitmeritz (Litoměřice), Böhmisches Mittelgebirge und Lobositz (Lovosice)