Deutsch Brod (Havlíčkův Brod) liegt an der Sázava in der Region Hochland (Kraj Vysočina). Die historische Stadt verbindet einen kompakten Altstadtkern mit mittelalterlicher Geschichte, bekannten Persönlichkeiten und einer ruhigen Landschaft aus Flusstälern, Wäldern und sanften Hügeln. Rund um den Havlíček-Platz findest du farbige Bürgerhäuser, Kirchen, Museen, Reste der Stadtbefestigung und mehrere ungewöhnliche Architekturdetails.
Die Stadt eignet sich besonders für einen entspannten Tagesausflug abseits der großen Besucherziele. Viele Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander und lassen sich gut zu Fuß erkunden. Gleichzeitig ist Deutsch Brod ein praktischer Ausgangspunkt für Ausflüge in die Region Hochland.
Sehenswürdigkeiten und historische Altstadt
Der Havlíček-Platz (Havlíčkovo náměstí) bildet das Herz der Stadt. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören das Alte Rathaus mit seiner Skelettfigur, die Mariä-Himmelfahrt-Kirche mit ihrer ungewöhnlichen 24-Stunden-Uhr, die Mariensäule, der Koudela-Brunnen und das Havlíček-Haus.
Geschichte und bedeutende Persönlichkeiten
Deutsch Brod entstand im Mittelalter an einer Furt durch die Sázava und entwickelte sich durch Silberbergbau, Handel und Handwerk. Die Stadt ist eng mit Karel Havlíček Borovský verbunden, nach dem sie seit 1945 benannt ist. Auch der Komponist Johann Stamitz und der Künstler Otakar Štáfl gehören zu den bekannten Persönlichkeiten der Stadt.
Museen, Kirchen und Architektur
Mehrere Museen und historische Gebäude vermitteln die Geschichte von Deutsch Brod. Sehenswert sind unter anderem das Museum der Region Hochland, das Štáfl-Haus, die Štáfl-Bastei sowie verschiedene Kirchen und Kapellen. Neben mittelalterlichen und barocken Bauwerken findest du auch interessante Architektur aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
Park Zukunft und Sázava
Der Park Zukunft (Park Budoucnost) ist der wichtigste Erholungsraum der Stadt. Spazierwege, Teiche, kleine Wasserläufe und alte Bäume machen ihn zu einer ruhigen Ergänzung zum Altstadtrundgang. Auch entlang der Sázava kannst du spazieren, wandern oder mit dem Fahrrad die Umgebung erkunden.
Essen, Bier und regionale Traditionen
Deutsch Brod besitzt eine lange Brautradition. Die örtliche Brauerei ist besonders mit der Biermarke Rebel verbunden. In den Restaurants und Gasthäusern der Stadt kannst du regionale Küche und typische Gerichte aus Böhmen und der Region Hochland kennenlernen.
Ausflüge in die Umgebung
Zu den beliebtesten Zielen rund um Deutsch Brod gehören die Burg Lipnice (Hrad Lipnice), Pohled mit seinem ehemaligen Kloster, Přibyslav und Swietla an der Sasau (Světlá nad Sázavou). Auch Iglau (Jihlava) lässt sich gut mit einem Aufenthalt in Deutsch Brod verbinden.
Sehenswürdigkeiten und Altstadt
- Havlíček-Platz (Havlíčkovo náměstí)
- Altes Rathaus (Stará radnice) und die Sage vom Wächter Hnát
- Neues Rathaus (Nová radnice)
- Mariensäule auf dem Havlíček-Platz (Mariánský sloup)
- Koudela-Brunnen (Koudelova kašna)
Kirchen, Klöster und Sakralbauten
- Mariä-Himmelfahrt-Kirche (Kostel Nanebevzetí Panny Marie)
- 24-Stunden-Uhr und Glocke Vilém
- Ehemaliges Augustinerkloster und Kirche der Heiligen Familie (Kostel svaté Rodiny)
- Dreifaltigkeitskirche (Kostel Nejsvětější Trojice)
- Adalbertkirche (Kostel svatého Vojtěcha)
Museen, Kultur und bedeutende Persönlichkeiten
- Havlíček-Haus (Havlíčkův dům)
- Karel Havlíček Borovský in Deutsch Brod
- Štáfl-Haus (Štáflova chalupa)
- Štáfl-Bastei (Štáflova bašta) und Otakar Štáfl
- Johann Stamitz und die Mannheimer Schule
Stadtgeschichte und Erinnerungsorte
- Silberbergbau in Deutsch Brod
- Deutsch Brod während der Hussitenkriege
- Eroberung der Stadt durch Jan Žižka im Jahr 1422
- Mittelalterliche Stadtmauer und Befestigungsanlagen
- Jüdischer Friedhof und Typhusfriedhof
Parks, Natur und aktive Erlebnisse
- Park Zukunft (Park Budoucnost)
- Spazierwege entlang der Sázava
- Wandern rund um Deutsch Brod
- Radfahren im Sázava-Tal
- Radtour von Deutsch Brod zur Burg Lipnice
Biertradition, Anreise und Ausflüge
- Brauerei Rebel und Biertradition in Deutsch Brod
- Bahnhof Deutsch Brod und Anreise mit dem Zug
- Burg Lipnice (Hrad Lipnice) und Felsenskulpturen
- Kloster Pohled und Wallfahrtsort St. Anna
- Přibyslav und Feuerwehrmuseum
Deutsch Brod entdecken: Lerne die Stadt kennen
Deutsch Brod (Havlíčkův Brod) gehört zu den historischen Städten der Region Hochland (Kraj Vysočina). Die Stadt liegt an der Sázava, eingebettet in die sanfte Hügellandschaft der Böhmisch-Mährischen Höhe. Ihr historisches Zentrum ist kompakt, reich an Bürgerhäusern und angenehm überschaubar. Statt großer Besucherströme erwarten dich hier ruhige Plätze, kleine Museen, alte Kirchen, überraschende Architekturdetails und viel regionale Geschichte.
Die Stadt entstand an einer Furt durch die Sázava. Bereits im Mittelalter verlief hier eine bedeutende Handelsverbindung zwischen Böhmen und Mähren. Später förderten Silberfunde den Aufstieg des Ortes. Heute verbindet Deutsch Brod seine mittelalterlichen Wurzeln mit der Geschichte des Journalisten und Schriftstellers Karel Havlíček Borovský, nach dem die Stadt seit 1945 benannt ist.
Für Reisende eignet sich Deutsch Brod besonders als Ziel für einen entspannten Tagesausflug. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen dicht beieinander, während der Park Zukunft (Park Budoucnost), die Sázava und die umliegende Landschaft genügend Raum für Spaziergänge, Wanderungen und Radtouren bieten.
Eine Stadt zwischen Böhmen und Mähren
Deutsch Brod befindet sich im nördlichen Teil der Region Hochland. Die Landschaft rund um die Stadt ist geprägt von bewaldeten Hügeln, Feldern, kleinen Dörfern, Flusstälern und Teichen. Die geografische Lage zwischen Prag, Brünn und Iglau (Jihlava) machte den Ort schon früh zu einem wichtigen Zwischenstopp.
Der Name „Brod“ bedeutet auf Tschechisch Furt. Er erinnert daran, dass Reisende, Händler und Fuhrwerke die Sázava an dieser Stelle überquerten. Eine bedeutende historische Route, der sogenannte Haberer Steig, führte durch das Gebiet und verband zentrale Regionen Böhmens und Mährens miteinander.
Heute ist Deutsch Brod auch ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Dadurch lässt sich die Stadt vergleichsweise unkompliziert mit anderen Zielen in der Region verbinden. Für Bahnreisende bietet sich beispielsweise eine Kombination mit Iglau, Lipnice nad Sázavou, Přibyslav oder Swietla an der Sasau (Světlá nad Sázavou) an.
Von Smils Brod zu Deutsch Brod
Die Entwicklung der Stadt begann im 13. Jahrhundert. Als wahrscheinliches Gründungsjahr gilt 1251, während die erste gesicherte schriftliche Erwähnung aus dem Jahr 1256 stammt. In einer Urkunde aus dem Jahr 1269 erscheint der Ort als Smils Brod, benannt nach dem Adligen Smil von Lichtenburg.
Eine wichtige Rolle spielte der Silberbergbau. Die Aussicht auf wertvolle Bodenschätze zog Bergleute und Handwerker aus verschiedenen Teilen Mitteleuropas an. Unter den Neuankömmlingen befanden sich zahlreiche deutschsprachige Siedler aus Sachsen, dem Harz und Tirol.
Seit dem frühen 14. Jahrhundert setzte sich die Bezeichnung Deutsch Brod beziehungsweise Německý Brod durch. Der Bergbau verlor jedoch schon im Verlauf des 14. Jahrhunderts an Bedeutung. Handel, Handwerk und Landwirtschaft wurden daraufhin zu den wichtigsten wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt.
Zerstörung während der Hussitenkriege
Eine der dramatischsten Episoden der Stadtgeschichte ereignete sich während der Hussitenkriege. Deutsch Brod stand auf der Seite des böhmischen und römisch-deutschen Königs Sigismund. Im Januar 1422 wurde die Stadt von den Truppen des hussitischen Heerführers Jan Žižka erobert und schwer zerstört.
Die damaligen Kämpfe hinterließen tiefe Spuren. Große Teile der Bebauung wurden vernichtet, zahlreiche Bewohner kamen ums Leben oder verließen den Ort. Erst in den folgenden Jahren begann der Wiederaufbau.
Unter dem Adelsgeschlecht Trčka von Lípa entwickelte sich Deutsch Brod erneut zu einem regionalen Zentrum. Im Jahr 1637 erhielt der Ort den Status einer freien königlichen Stadt. Trotz weiterer Stadtbrände, Kriege, Epidemien und Überschwemmungen blieb das historische Stadtzentrum bis heute in seiner grundlegenden Struktur erhalten.
Havlíček-Platz als Herz der Altstadt
Der Havlíček-Platz (Havlíčkovo náměstí) ist der Mittelpunkt von Deutsch Brod. Der langgestreckte Marktplatz wird von farbigen Bürgerhäusern umgeben, deren Fassaden unterschiedliche Stilepochen widerspiegeln. Gotische Grundmauern treffen auf Renaissancegiebel, barocke Umbauten und klassizistische Fassaden.
Viele der wichtigsten Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich unmittelbar am Platz. Dazu gehören das Alte Rathaus, das Neue Rathaus, das Havlíček-Haus, die Mariensäule und der Koudela-Brunnen. Von hier aus erreichst du auch die Mariä-Himmelfahrt-Kirche und weitere historische Gassen in wenigen Minuten.
Der Platz wirkt lebendig, ohne hektisch zu sein. Cafés, Geschäfte, öffentliche Gebäude und kulturelle Einrichtungen machen ihn weiterhin zum gesellschaftlichen Zentrum der Stadt. Besonders reizvoll ist ein Besuch am frühen Morgen oder am späteren Nachmittag, wenn die Fassaden im seitlichen Licht besonders deutlich hervortreten.
Das Alte Rathaus und der Wächter Hnát
Das Alte Rathaus (Stará radnice) gehört zu den auffälligsten Gebäuden am Havlíček-Platz. Seine Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück. Nach Bränden und Umbauten erhielt das Bauwerk Elemente der Renaissance, des Barocks und des Klassizismus.
Besonders bekannt ist die Skelettfigur im Giebel. Sie hält eine kleine Glocke in der Hand und wird mit der Sage vom Wächter Hnát verbunden. Der Überlieferung zufolge wollte Hnát die Stadt während eines feindlichen Angriffs verraten. Als Strafe soll sein Skelett am Rathaus angebracht worden sein.
Historisch dürfte die Figur eher als Memento mori gedient haben, also als Erinnerung an die Vergänglichkeit des Lebens. Dennoch gehört die Geschichte vom Verräter Hnát heute zu den bekanntesten Legenden von Deutsch Brod.
Nach einer umfassenden Sanierung wurde das Alte Rathaus wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Gebäude befinden sich unter anderem das Touristische Informationszentrum und Ausstellungsräume zur Stadtgeschichte.
Das Neue Rathaus
Direkt gegenüber beziehungsweise in unmittelbarer Nähe des Alten Rathauses befindet sich das Neue Rathaus (Nová radnice). Das repräsentative Gebäude entstand aus mehreren älteren Bürgerhäusern und wurde im Laufe der Zeit an die Bedürfnisse der Stadtverwaltung angepasst.
Seine Fassade fügt sich harmonisch in das historische Ensemble des Platzes ein. Zusammen zeigen das Alte und das Neue Rathaus, wie sich die kommunale Verwaltung über mehrere Jahrhunderte entwickelte.
Für Besucher ist vor allem das Zusammenspiel der beiden Rathäuser mit den umliegenden Bürgerhäusern interessant. Es verdeutlicht, dass der Havlíček-Platz nicht als museale Kulisse entstanden ist, sondern bis heute das funktionale Zentrum der Stadt bildet.
Mariä-Himmelfahrt-Kirche mit ungewöhnlicher Uhr
Die Mariä-Himmelfahrt-Kirche (Kostel Nanebevzetí Panny Marie) prägt mit ihrem Turm die Silhouette der Altstadt. Ihre Ursprünge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Nach den Zerstörungen der Hussitenkriege und mehreren Bränden wurde das Gotteshaus wiederholt umgebaut.
Eine Besonderheit ist die historische Turmuhr mit 24 Zahlen. Anders als bei gewöhnlichen Zifferblättern wird der gesamte Tagesverlauf auf einer einzigen Runde dargestellt. Diese ungewöhnliche Zeitanzeige gehört zu den markantesten Details der Stadt.
Im Turm hängt außerdem die Glocke Vilém. Sie stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert und zählt zu den ältesten erhaltenen Glocken Böhmens. Das Kircheninnere wurde über die Jahrhunderte mehrfach verändert und besitzt heute vor allem barocke und spätere Ausstattungselemente.
Mariensäule und Koudela-Brunnen
Auf dem Havlíček-Platz steht eine barocke Mariensäule aus dem Jahr 1725. Solche Säulen wurden in vielen böhmischen und mährischen Städten als Dank für das Ende von Pestepidemien oder anderen Katastrophen errichtet.
Die Säule wird von Heiligenfiguren begleitet. Zu erkennen sind unter anderem der heilige Florian, der heilige Johannes von Nepomuk, der heilige Wenzel und der Apostel Andreas. Die Darstellung verbindet religiöse Symbolik mit dem Wunsch nach Schutz vor Feuer, Krankheit und weiteren Gefahren.
Nur wenige Schritte entfernt befindet sich der Koudela-Brunnen (Koudelova kašna). Die Brunnenanlage wird von einer Tritonfigur geschmückt. Gemeinsam mit der Mariensäule, dem Rathaus und den historischen Fassaden gehört der Brunnen zu den beliebtesten Motiven der Altstadt.
Das Havlíček-Haus
Das Havlíček-Haus (Havlíčkův dům) ist eng mit Karel Havlíček Borovský verbunden. Der Journalist, Schriftsteller, Satiriker und Politiker gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der tschechischen Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts.
Havlíček lebte mit seiner Familie in dem Bürgerhaus am Hauptplatz. Im Dezember 1851 wurde er von den österreichischen Behörden festgenommen und nach Brixen in Tirol gebracht. Seine Verbannung machte ihn endgültig zu einer Symbolfigur des politischen Journalismus und des Widerstands gegen staatliche Zensur.
Heute gehört das Gebäude zum Museum der Region Hochland. Eine Dauerausstellung widmet sich dem Leben, dem Werk und der politischen Bedeutung Havlíčeks. Zu sehen sind persönliche Gegenstände, historische Dokumente, Porträts und Erinnerungsstücke.
Auch die Stadt trägt seit 1945 seinen Namen. Aus Německý Brod wurde Havlíčkův Brod, auf Deutsch wird jedoch weiterhin häufig die historische Bezeichnung Deutsch Brod verwendet.
Das Museum der Region Hochland
Das Museum der Region Hochland (Muzeum Vysočiny Havlíčkův Brod) vermittelt neben dem Leben Karel Havlíčeks weitere Aspekte der regionalen Geschichte. Dazu gehören Stadtentwicklung, Handwerk, Kunst, Alltagskultur und bedeutende Persönlichkeiten.
Das Museum eignet sich besonders, wenn du die historischen Zusammenhänge hinter den Bauwerken der Altstadt besser verstehen möchtest. Die Ausstellungen ergänzen den Stadtrundgang um Dokumente und Objekte, die im öffentlichen Raum nicht sichtbar sind.
Da sich das Museum direkt am Havlíček-Platz befindet, lässt es sich unkompliziert in einen Rundgang integrieren. Zusammen mit dem Alten Rathaus bildet es den wichtigsten Einstieg in die Geschichte von Deutsch Brod.
Das Štáfl-Haus
Das Štáfl-Haus (Štáflova chalupa) gehört zu den außergewöhnlichsten Gebäuden der Stadt. Das spätmittelalterliche Holzhaus vermittelt einen Eindruck davon, wie Bürger und Handwerker früher innerhalb der Stadtmauern lebten.
Im Inneren sind historische Wohn- und Wirtschaftsräume erhalten. Dazu gehören Rauchstuben, schwarze Küchen und weitere Elemente einer Bauweise, die in Städten nur selten überdauert hat. Auch ein in den Untergrund gegrabener Gang gehört zum Gebäudekomplex.
Das Haus ist nach der Künstlerfamilie Štáfl benannt. Aufgrund seiner Seltenheit und seines hohen bauhistorischen Wertes wurde es zum nationalen Kulturdenkmal erklärt.
Štáfl-Bastei und Stadtmauer
Die Štáfl-Bastei (Štáflova bašta) ist einer der wichtigsten erhaltenen Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Sie erinnert daran, dass Deutsch Brod einst von Mauern, Toren und Verteidigungsanlagen umgeben war.
Im Inneren befindet sich eine Ausstellung über den Maler und Grafiker Otakar Štáfl. Der in Deutsch Brod geborene Künstler wurde vor allem durch seine Darstellungen der Hohen Tatra bekannt. Seine Bilder, Illustrationen und Plakate verbinden regionale Kunstgeschichte mit der Entwicklung des modernen Tourismus.
Rund um die Bastei sind weitere Spuren der ehemaligen Stadtmauer zu erkennen. Sie lassen sich gut in einen Rundgang durch die ruhigeren Gassen am Rand des historischen Zentrums einbeziehen.
Kirchen und Kapellen abseits des Hauptplatzes
Neben der Mariä-Himmelfahrt-Kirche besitzt Deutsch Brod mehrere weitere historische Sakralbauten. Dazu zählt die Kirche der Heiligen Familie (Kostel svaté Rodiny), die zum ehemaligen Augustinerkloster gehört.
Das Kloster entstand vor allem im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert. Die Augustiner spielten eine wichtige Rolle für Bildung, Seelsorge und kulturelles Leben in der Stadt. Teile des ehemaligen Klosterkomplexes werden heute für andere Zwecke genutzt.
Weitere interessante Bauwerke sind die Dreifaltigkeitskirche (Kostel Nejsvětější Trojice), die Adalbertkirche (Kostel svatého Vojtěcha), die Katharinenkirche (Kostel svaté Kateřiny) und die Heilig-Kreuz-Kapelle (Kaple svatého Kříže).
Die kleineren Kirchen und Kapellen liegen teilweise außerhalb des engsten Altstadtkerns. Dadurch führen sie dich in ruhigere Bereiche, die bei einem kurzen Besuch häufig übersehen werden.
Park Zukunft
Der Park Zukunft (Park Budoucnost) bildet den wichtigsten grünen Erholungsraum von Deutsch Brod. Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts angelegt und erstreckt sich entlang des Cihlářský-Baches.
Besonders charakteristisch ist die Kaskade aus mehreren Teichen. Kleine Wasserläufe, Brücken, alte Bäume und Spazierwege verleihen dem Park eine abwechslungsreiche Struktur. An verschiedenen Stellen befinden sich Denkmäler, Skulpturen und ein historischer Pavillon.
Der Park beginnt unweit des Stadtzentrums und eignet sich deshalb hervorragend als Ergänzung zum Altstadtrundgang. Nach dem Besuch der Museen und Kirchen findest du hier ruhige Wege und schattige Plätze.
In Richtung Stadtrand geht der Park in weitere Wanderwege über. Damit bildet er einen natürlichen Übergang zwischen der bebauten Stadt und der Landschaft der Vysočina.
Spaziergänge entlang der Sázava
Die Sázava war entscheidend für die Entstehung von Deutsch Brod. Heute prägt sie vor allem die Freizeitlandschaft. Wege entlang des Flusses eignen sich für kurze Spaziergänge, längere Wanderungen und Radtouren.
Die Flusslandschaft wirkt vielerorts erstaunlich naturnah. Ufervegetation, Wiesen, kleinere Brücken und ruhige Abschnitte schaffen einen deutlichen Kontrast zum historischen Zentrum.
Für längere Touren kannst du der Sázava in Richtung Pohled, Přibyslav oder Swietla an der Sasau folgen. Einige Strecken lassen sich mit der Bahn kombinieren, sodass du nicht zwingend auf demselben Weg zurückkehren musst.
Radfahren rund um Deutsch Brod
Die Region Hochland ist hügelig, aber gut für abwechslungsreiche Radtouren geeignet. Rund um Deutsch Brod verlaufen regionale Radwege und kleinere Straßen durch Wälder, Felder und Flusstäler.
Beliebte Ziele sind die Burg Lipnice (Hrad Lipnice), Přibyslav, Pohled und Swietla an der Sasau. Je nach Route erwarten dich längere Steigungen, dafür aber auch weite Ausblicke über die Landschaft.
Eine besonders reizvolle Verbindung führt in Richtung Lipnice nad Sázavou. Dort kannst du den Besuch der mächtigen Burgruine mit den ungewöhnlichen Felsenskulpturen in den ehemaligen Steinbrüchen verbinden.
Wanderungen durch die Vysočina
Auch Wanderer finden rund um Deutsch Brod zahlreiche Möglichkeiten. Der Park Zukunft bildet einen guten Ausgangspunkt für kürzere Touren. Weitere Wege führen entlang der Sázava oder über kleinere Ortschaften und bewaldete Höhenzüge.
Die Landschaft ist weniger spektakulär als ein Hochgebirge, besitzt aber ihren eigenen Reiz. Wechselnde Felder, Mischwälder, Teiche, kleine Kapellen und Dörfer schaffen eine ruhige, typisch böhmisch-mährische Kulturlandschaft.
Im Frühling und Herbst ist die Region besonders angenehm. Dann sind die Temperaturen meist mild und die Wege weniger stark frequentiert.
Biertradition und Brauerei Rebel
Das Brauwesen besitzt in Deutsch Brod eine jahrhundertealte Tradition. Bereits im Mittelalter verfügten zahlreiche Bürgerhäuser über Braurechte. Bier wurde zunächst in einzelnen Häusern hergestellt und anschließend in gemeinschaftlichen Einrichtungen weiterverarbeitet.
Später entstand eine größere städtische beziehungsweise bürgerliche Brauerei. Aus dieser Tradition entwickelte sich die heutige Brauerei mit der bekannten Biermarke Rebel.
Die Biergeschichte ist eng mit der Entwicklung des Bürgertums verbunden. Sie erzählt nicht nur von Getränken, sondern auch von Stadtrechten, Handel, Handwerk und gesellschaftlichem Leben.
In Restaurants und Gasthäusern der Stadt kannst du regionale Biersorten probieren. Deutsch Brod eignet sich dadurch auch als Station für Reisende, die sich für die tschechische Brau- und Kneipenkultur interessieren.
Jüdische Geschichte
Die jüdische Geschichte von Deutsch Brod ist weniger sichtbar als die christlichen Kirchen und Bürgerhäuser, gehört aber zu den bedeutenden Kapiteln der Stadtvergangenheit.
Am Stadtrand befindet sich ein jüdischer Friedhof aus dem 19. Jahrhundert. Ein weiterer Friedhof erinnert an jüdische Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina, die während des Ersten Weltkriegs in einem Lager bei Deutsch Brod untergebracht waren.
Im Lager breiteten sich Krankheiten aus, insbesondere Typhus. Zahlreiche Menschen starben und wurden auf einem eigenen Friedhof bestattet. Dieser Ort erinnert an Flucht, Vertreibung und humanitäre Krisen während des Ersten Weltkriegs.
Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts
Deutsch Brod besteht nicht nur aus mittelalterlichen und barocken Bauwerken. Der Bau der Eisenbahn im 19. Jahrhundert leitete eine neue Phase der Stadtentwicklung ein.
Rund um den Bahnhof und außerhalb der alten Stadtmauern entstanden Industriegebäude, öffentliche Einrichtungen, Schulen und Wohnviertel. Später kamen Villen, funktionalistische Bauten und Architektur aus der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik hinzu.
Ein örtlicher Architekturführer dokumentiert zahlreiche Bauwerke und Kunstobjekte des 20. Jahrhunderts. Dadurch lohnt es sich, bei einem Spaziergang auch die Bereiche außerhalb des Hauptplatzes zu erkunden.
Bedeutende Persönlichkeiten
Neben Karel Havlíček Borovský ist Deutsch Brod mit mehreren bedeutenden Persönlichkeiten verbunden. Zu ihnen gehört Johann Stamitz (Jan Václav Stamic), ein wichtiger Komponist und Violinist des 18. Jahrhunderts.
Stamitz zählt zu den prägenden Vertretern der Mannheimer Schule. Seine Kompositionen und seine Orchesterarbeit beeinflussten die Entwicklung der klassischen Sinfonie.
Auch der Maler und Grafiker Otakar Štáfl wurde in der Stadt geboren. Weitere Verbindungen bestehen zu Persönlichkeiten wie dem Maler Jan Zrzavý, dem Komponisten Bedřich Smetana und dem Sprachwissenschaftler Josef Dobrovský.
Diese kulturellen Bezüge machen Deutsch Brod besonders für Besucher interessant, die sich neben Architektur auch für Literatur, Musik und Kunstgeschichte interessieren.
Deutsch Brod als Eisenbahnstadt
Der Bahnhof von Deutsch Brod entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt. Mehrere Bahnstrecken verbinden die Stadt mit Prag, Brünn, Iglau und weiteren regionalen Zielen.
Für den Tourismus ist diese Lage besonders praktisch. Du kannst Deutsch Brod ohne Auto erreichen und den Besuch mit anderen Städten oder Ausflugszielen kombinieren.
Auch die Geschichte der Eisenbahn selbst ist ein interessantes Thema. Bahnbauten, technische Anlagen und die Entwicklung neuer Stadtviertel zeigen, wie stark der Schienenverkehr die Stadt verändert hat.
Ausflug zur Burg Lipnice
Eines der bekanntesten Ausflugsziele ist die Burg Lipnice (Hrad Lipnice) in Lipnice nad Sázavou. Die mächtige Burgruine thront auf einem Hügel und bietet weite Ausblicke über die Region Hochland.
Der Schriftsteller Jaroslav Hašek verbrachte seine letzten Lebensjahre in Lipnice und arbeitete dort an seinem berühmten Roman über den braven Soldaten Schwejk. Sein Wohnhaus und sein Grab erinnern an den satirischen Autor.
In ehemaligen Steinbrüchen rund um Lipnice befinden sich monumentale Felsenskulpturen. Überdimensionale Augen, Ohren und Münder wurden direkt in die Felswände gearbeitet. Sie bilden einen ungewöhnlichen Kontrast zur mittelalterlichen Burg.
Pohled und das ehemalige Kloster
Nur wenige Kilometer von Deutsch Brod entfernt liegt Pohled. Der Ort ist vor allem für das ehemalige Zisterzienserinnenkloster und das spätere Schloss bekannt.
In der Nähe befindet sich außerdem der Wallfahrtsort St. Anna. Die Verbindung aus Klostergeschichte, Sakralarchitektur und ländlicher Umgebung macht Pohled zu einem passenden Ziel für einen halbtägigen Ausflug.
Je nach Route lässt sich Pohled mit einer Wanderung oder Radtour entlang der Sázava verbinden.
Přibyslav und Swietla an der Sasau
Östlich von Deutsch Brod liegt Přibyslav. Die kleine Stadt ist eng mit der Geschichte Jan Žižkas verbunden, der in der Umgebung starb. Im Schloss befindet sich heute ein Feuerwehrmuseum.
Westlich liegt Swietla an der Sasau. Dort erwartet dich ein Schloss mit Park sowie ein historisches Stadtzentrum. Die Umgebung ist außerdem für Glasherstellung und die Flusslandschaft der Sázava bekannt.
Beide Orte sind per Bahn erreichbar und eignen sich gut für eine Kombination mit Deutsch Brod.
Für wen lohnt sich Deutsch Brod?
Deutsch Brod ist besonders interessant, wenn du kleinere historische Städte bevorzugst und bekannte Touristenrouten verlassen möchtest. Die Stadt bietet genügend Sehenswürdigkeiten für mehrere Stunden, wirkt aber nicht überladen.
Geschichtsinteressierte finden Themen vom mittelalterlichen Silberbergbau über die Hussitenkriege bis zur tschechischen Nationalbewegung. Architekturfreunde können Bürgerhäuser, Kirchen, Stadtbefestigungen und moderne Bauten entdecken.
Auch für Wanderer, Radfahrer und Bahnreisende eignet sich die Stadt. Durch ihre Lage bildet sie einen guten Ausgangspunkt für weitere Ziele in der Region Hochland.
Für Familien ist Deutsch Brod vor allem wegen der kurzen Wege, des Parks Zukunft und der entspannten Atmosphäre geeignet. Wer Museen, regionale Gastronomie und ruhige Altstädte mag, kann hier einen abwechslungsreichen Tag verbringen.
Wie viel Zeit solltest du einplanen?
Für einen Rundgang durch den historischen Stadtkern solltest du mindestens drei bis vier Stunden einplanen. In dieser Zeit kannst du den Havlíček-Platz, das Alte Rathaus, die Mariä-Himmelfahrt-Kirche, das Havlíček-Haus und Teile der ehemaligen Stadtbefestigung kennenlernen.
Mit Museumsbesuchen, einer Pause in einem Café oder Gasthaus und einem Spaziergang durch den Park Zukunft lohnt sich ein ganzer Tag.
Möchtest du zusätzlich eine längere Wanderung, eine Radtour oder einen Ausflug nach Lipnice, Pohled oder Swietla an der Sasau unternehmen, sind ein bis zwei Übernachtungen sinnvoll.
Kurzinfos
- Deutscher Name: Deutsch Brod, historisch auch Deutschbrod
- Tschechischer Name: Havlíčkův Brod
- Frühere tschechische Namen: Smilův Brod und Německý Brod
- Region: Hochland (Kraj Vysočina)
- Bezirk: Havlíčkův Brod
- Fluss: Sázava
- Wahrscheinliche Gründung: 1251
- Erste gesicherte Erwähnung: 1256
- Historische Bedeutung: Silberbergbau, Handelsweg und königliche Stadt
- Historischer Stadtstatus: Freie königliche Stadt seit 1637
- Zentrum: Havlíček-Platz (Havlíčkovo náměstí)
- Bekannte Wahrzeichen: Altes Rathaus mit Skelettfigur, Mariä-Himmelfahrt-Kirche und Mariensäule
- Bekannte Persönlichkeit: Karel Havlíček Borovský
- Kulturelle Besonderheit: Geburtsstadt des Komponisten Johann Stamitz
- Größter Park: Park Zukunft (Park Budoucnost)
- Regionale Biermarke: Rebel
- Empfohlene Aufenthaltsdauer: Ein Tag, mit Ausflügen ein bis zwei Tage
- Geeignet für: Kulturreisende, Geschichtsinteressierte, Bahnreisende, Wanderer und Radfahrer
- Nahe Ausflugsziele: Burg Lipnice, Pohled, Přibyslav, Swietla an der Sasau und Iglau