Die Kirchen in Karlsbad (Karlovy Vary) erzählen viel über die Entwicklung der Stadt. Neben katholischen Gotteshäusern findest du hier eine russisch-orthodoxe Kirche, eine ehemalige anglikanische Kirche, eine ursprünglich evangelische Kirche und mehrere kleinere Sakralbauten in den heutigen Stadtteilen.
Diese ungewöhnliche Vielfalt hängt eng mit dem Aufstieg Karlsbads zum internationalen Kurort zusammen. Im 19. Jahrhundert kamen Gäste aus vielen europäischen Ländern in die Stadt. Für einige Glaubensgemeinschaften entstanden deshalb eigene Kirchen, die bis heute das Stadtbild prägen.
Die bekanntesten Gotteshäuser liegen im historischen Kurviertel und im benachbarten Villenviertel Westend. Weitere Kirchen stehen in Rybáře, Stará Role und Sedlec. In den Kurwäldern erinnert zudem die Ruine der Kirche St. Leonhard an eine mittelalterliche Siedlung, die lange vor der Blütezeit des Kurortes bestand.

Maria-Magdalena-Kirche im historischen Zentrum
Die wichtigste katholische Kirche im Karlsbader Zentrum ist die Maria-Magdalena-Kirche (Kostel svaté Máří Magdalény). Sie steht oberhalb der Sprudelkolonnade (Vřídelní kolonáda) und gehört mit ihren beiden Türmen zu den markantesten Bauwerken rund um den Karlsbader Sprudel.
An dieser Stelle befand sich bereits im Mittelalter eine Kirche. Der ältere Bau wurde mehrfach verändert und durch Brände beschädigt. In den 1730er-Jahren entstand schließlich die heutige hochbarocke Kirche nach Plänen des böhmischen Architekten Kilian Ignaz Dientzenhofer.
Der Innenraum ist als ovaler Zentralraum gestaltet und wird von Seitenkapellen sowie einer reichen barocken Ausstattung ergänzt. Unter der Kirche befinden sich ältere Räume und eine Gruft mit sterblichen Überresten vom früheren Kirchenfriedhof. Diese unterirdischen Bereiche sind jedoch nicht dauerhaft für Besucher geöffnet.
Die Maria-Magdalena-Kirche wird weiterhin als katholische Pfarr- und Dekanatskirche genutzt. Eine Besichtigung ist häufig im Zusammenhang mit Gottesdiensten, Konzerten oder besonderen Führungen möglich. Da die Zugänglichkeit wechseln kann, solltest du die aktuellen Möglichkeiten vor dem Besuch prüfen.
Durch ihre zentrale Lage lässt sich die Kirche sehr gut mit der Sprudelkolonnade, der Marktkolonnade (Tržní kolonáda), dem Schlossturm (Zámecká věž) und dem Schlossberg (Zámecký vrch) verbinden.
Orthodoxe Kirche St. Peter und Paul
Zu den auffälligsten Kirchen in Karlsbad gehört die orthodoxe Kirche St. Peter und Paul (Pravoslavný chrám svatých apoštolů Petra a Pavla). Sie steht im Villenviertel Westend und ist schon aus größerer Entfernung an ihren fünf vergoldeten Kuppeln zu erkennen.
Die Kirche wurde zwischen 1893 und 1898 nach Plänen des Architekten Gustav Wiedermann errichtet. Finanziert wurde der Bau vor allem von wohlhabenden russischen und serbischen Kurgästen. Die Architektur orientiert sich an altrussischen und byzantinischen Vorbildern.
Im Inneren befinden sich eine reich verzierte Ikonostase, zahlreiche Ikonen und Wandmalereien. An der Außenfassade erinnert ein Bronzerelief an den russischen Zaren Peter I., der Karlsbad im frühen 18. Jahrhundert besuchte.
Die Kirche wird bis heute von der orthodoxen Gemeinde genutzt. Sie gehört zu den Kirchen der Stadt, die vergleichsweise häufig besichtigt werden können. Während Gottesdiensten und kirchlichen Feiertagen solltest du dich jedoch besonders zurückhaltend verhalten. Die aktuellen Öffnungszeiten solltest du vor dem Besuch prüfen.
Ein Spaziergang zur Kirche lässt sich gut mit dem Park Kleines Versailles (Malé Versailles), der ehemaligen St.-Lukas-Kirche und den historischen Villen entlang der Straße Krále Jiřího verbinden.
Kirche St. Peter und Paul am südlichen Kurviertel
Eine weitere Kirche St. Peter und Paul (Kostel svatého Petra a Pavla) steht südlich des historischen Kurzentrums in der Nähe des Kaiserbads (Císařské lázně). Wegen des gleichen Namens ist eine klare Einordnung wichtig: Bei diesem Gebäude handelt es sich nicht um die orthodoxe Kirche im Westend.
Die Kirche wurde von 1854 bis 1856 für evangelische Kurgäste errichtet. Nach mehreren Erweiterungen und einer größeren Umgestaltung in den Jahren 1893 und 1894 erhielt sie ihre heutige neuromanische und historistische Erscheinung.
Zur Ausstattung gehören ein Altarbild mit der Himmelfahrt Christi, eine Kassettendecke sowie Reliefdarstellungen von Jan Hus und Jan Žižka. Seit der Nachkriegszeit wird die Kirche von der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche genutzt.
Die Kirche ist weiterhin ein aktives Gotteshaus. Eine Besichtigung kann außerhalb der Gottesdienste möglich sein, sollte jedoch nicht als dauerhaft garantiert angesehen werden.
Durch ihre Lage eignet sie sich gut als Zwischenstation auf einem Spaziergang zwischen dem Kaiserbad, dem Park Kaiser-Karl-IV. (Sady Karla IV.), dem Grandhotel Pupp, der Alten Wiese (Stará louka) und der Talstation der Diana-Standseilbahn.
Ehemalige anglikanische St.-Lukas-Kirche
Die anglikanische St.-Lukas-Kirche (Anglikánský kostel svatého Lukáše) steht am Schlossberg oberhalb des Kurzentrums. Sie entstand 1876 und 1877 nach Plänen des deutschen Architekten Oskar Mothes.
Englische Kurgäste finanzierten den Bau der neugotischen Kirche. Mit ihrem sichtbaren Mauerwerk, den Spitzbogenfenstern und dem markanten Turm erinnert sie an eine englische Landkirche. Besonders reizvoll ist ihre Lage zwischen historischen Villen und bewaldeten Hängen.
Als reguläres anglikanisches Gotteshaus wird das Gebäude heute nicht mehr genutzt. Im Inneren befindet sich ein Wachsfigurenmuseum. Die Kirche kann deshalb nur im Rahmen eines kostenpflichtigen Museumsbesuchs besichtigt werden.
Da sich Öffnungszeiten und Eintrittspreise ändern können, solltest du die aktuellen Angaben vor dem Besuch prüfen. Die ehemalige Kirche liegt auf einer passenden Route zwischen dem Schlossberg, dem Park Kleines Versailles und der orthodoxen Kirche St. Peter und Paul.
Friedhofskirche St. Andreas
Die kleine Friedhofskirche St. Andreas (Hřbitovní kostel svatého Ondřeje) steht am Mozart-Park (Mozartovy sady) oberhalb des Kurzentrums. Ihre Ursprünge reichen bis um das Jahr 1500 zurück.
Nachdem der städtische Friedhof im späten 18. Jahrhundert in die Umgebung der Kirche verlegt worden war, diente sie über lange Zeit als Friedhofskirche. In den Jahren 1840 und 1841 wurde das Gebäude im Stil des Empire umgestaltet.
Der Friedhof wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschlossen und später in eine Parkanlage umgewandelt. Einige historische Grabsteine und Erinnerungsorte sind bis heute erhalten.
Nach einer längeren Phase des Verfalls wurde die Kirche zwischen 2005 und 2009 restauriert. Heute wird sie von der griechisch-katholischen Kirche genutzt. Der Innenraum ist normalerweise nur während Gottesdiensten und besonderen kirchlichen Anlässen zugänglich.
Der Mozart-Park und die St.-Andreas-Kirche bilden einen ruhigen historischen Bereich oberhalb der belebten Kurpromenaden. Von hier kannst du den Spaziergang zu den Drei Kreuzen (Tři kříže) oder zu weiteren Aussichtspunkten an den östlichen Hängen fortsetzen.
Kirche der Kreuzerhöhung in Rybáře
Im Stadtteil Rybáře steht die Kirche der Kreuzerhöhung (Kostel Povýšení svatého Kříže). Die große neuromanische Basilika wurde zwischen 1904 und 1906 errichtet.
Der Neubau war notwendig geworden, weil die ältere Kirche St. Urban für die wachsende Bevölkerung des Stadtteils nicht mehr ausreichte. Die dreischiffige Kirche prägt bis heute den Platz des 17. November.
Teile der Innenausstattung stammen aus einer früheren Kirche im Gebiet des Duppauer Gebirges. Die Kirche der Kreuzerhöhung wird weiterhin katholisch genutzt und ist vor allem während Gottesdiensten zugänglich.
Für Besucher des klassischen Kurviertels liegt sie etwas abseits. Interessant ist sie besonders dann, wenn du auch die weniger touristisch geprägten Stadtteile von Karlsbad kennenlernen möchtest.
Kirche St. Urban
Ebenfalls in Rybáře befindet sich die Kirche St. Urban (Kostel svatého Urbana). Sie steht auf einer kleinen Anhöhe in einer Parkanlage und gehört zu den älteren Kirchenstandorten der Stadt.
Der heutige Bau entstand nach 1500 an der Stelle einer älteren romanischen Kirche. Im 19. Jahrhundert wurde er umgestaltet und durch einen Turm ergänzt.
Nach der Fertigstellung der größeren Kirche der Kreuzerhöhung verlor St. Urban ihre Bedeutung als Pfarrkirche. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude unterschiedlich genutzt und später stark beschädigt.
Seit den 1990er-Jahren wird versucht, die Kirche schrittweise zu sichern und zu restaurieren. Der Innenraum ist normalerweise nicht zugänglich. Bei einem Spaziergang durch Rybáře kannst du die Kirche jedoch von außen betrachten und mit der nahe gelegenen Kirche der Kreuzerhöhung verbinden.
Christi-Himmelfahrts-Kirche in Stará Role
Die Christi-Himmelfahrts-Kirche (Kostel Nanebevstoupení Páně) steht im Stadtteil Stará Role. Sie wurde 1908 nach Plänen des Architekten Hermann Fiedler errichtet und im folgenden Jahr geweiht.
Der neuromanische Bau besitzt einen hohen quadratischen Turm, eine halbrunde Apsis und auffällige Fassaden aus glasierten Ziegeln. Er ersetzte eine kleinere Kapelle, die für den wachsenden Industrieort nicht mehr ausreichte.
Im Inneren befinden sich figürliche Malereien des Karlsbader Malers Karl Lehninger. Die Kirche wird weiterhin katholisch genutzt und ist überwiegend während Gottesdiensten zugänglich.
Stará Role liegt außerhalb der üblichen Wege durch das Kurzentrum. Die Kirche eignet sich daher eher als gezieltes Ziel für Besucher, die sich ausführlicher mit den Karlsbader Stadtteilen beschäftigen.
Wallfahrtskirche St. Anna in Sedlec
Am nördlichen Stadtrand steht im Stadtteil Sedlec die Wallfahrtskirche St. Anna (Poutní kostel svaté Anny). Der Ort entwickelte sich seit dem späten 17. Jahrhundert zu einem regionalen Wallfahrtsziel.
Im Mittelpunkt der Verehrung stand eine als wundertätig geltende Figur der heiligen Anna. Auch Mitglieder des habsburgischen Kaiserhauses besuchten die Wallfahrtsstätte.
Die heutige barocke Kirche wurde zwischen 1738 und 1749 errichtet und im folgenden Jahr eröffnet. Der genaue Architekt ist nicht eindeutig bekannt. Der Entwurf wird dem Umfeld der Baumeisterfamilie Dientzenhofer zugerechnet. Die Deckenfresken schuf der Maler Elias Dollhopf.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wird die Kirche schrittweise restauriert. Eine regelmäßige tägliche Öffnung ist nicht garantiert. Besichtigungsmöglichkeiten bestehen vor allem bei Gottesdiensten, Konzerten, Führungen und weiteren Veranstaltungen.
Die Kirche St. Anna liegt deutlich außerhalb des historischen Kurzentrums. Sie lohnt sich vor allem als gezieltes Ziel oder als Ergänzung für einen Ausflug in die nördlichen Stadtteile.
Kirchenruine St. Leonhard in den Kurwäldern
Die Kirchenruine St. Leonhard (Zřícenina kostela svatého Linharta) liegt südwestlich des Zentrums in den Karlsbader Kurwäldern. Sie gehört zu den ältesten bekannten kirchlichen Bauplätzen im heutigen Stadtgebiet.
Die Kirche entstand vermutlich um 1200 und wurde 1246 erstmals schriftlich erwähnt. Sie gehörte zur mittelalterlichen Siedlung Obora, die später aufgegeben wurde. Mit dem Niedergang der Siedlung verfiel auch die Kirche.
Archäologische Untersuchungen legten zwischen 1989 und 1992 die erhaltenen Mauerreste frei. Ende der 1990er-Jahre wurden sie konserviert.
Heute kannst du die Ruine frei besichtigen. Es handelt sich jedoch nicht um eine erhaltene Kirche, sondern um einen archäologisch gesicherten historischen Standort im Wald.
Die Ruine lässt sich gut mit einer Wanderung rund um St. Linhart, dem Wildpark und den Wegen zur Doubská hora verbinden.
Welche Kirchen lohnen sich beim ersten Besuch?
Beim ersten Aufenthalt in Karlsbad sind vor allem die Kirchen im Kurzentrum und im Westend interessant. Die Maria-Magdalena-Kirche gehört wegen ihrer Lage und barocken Architektur zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Die orthodoxe Kirche St. Peter und Paul bietet einen deutlichen Kontrast zur Architektur des Kurzentrums und erinnert an die Bedeutung russischer Kurgäste. Die ehemalige St.-Lukas-Kirche ergänzt diesen Eindruck um die Geschichte der englischen Besucher.
Auch die hussitische Kirche St. Peter und Paul lässt sich leicht in einen Spaziergang einbauen. Sie liegt nur wenige Minuten vom Kaiserbad und vom Grandhotel Pupp entfernt.
Für einen ausführlicheren Aufenthalt eignen sich die St.-Andreas-Kirche, die Stadtteilkirchen und die Ruine St. Leonhard. Sie zeigen Seiten von Karlsbad, die außerhalb der bekannten Kolonnaden und Kurpromenaden liegen.
Hinweise für die Besichtigung
Viele Kirchen in Karlsbad sind aktive Gotteshäuser. Der touristische Zugang kann deshalb durch Gottesdienste, Feiertage, Hochzeiten, Beerdigungen oder andere kirchliche Veranstaltungen eingeschränkt sein.
In einigen Kirchen ist eine Besichtigung nur zu bestimmten Zeiten möglich. Andere Gebäude sind lediglich von außen zugänglich oder werden heute anders genutzt. Öffnungszeiten und Eintrittspreise solltest du deshalb vor dem Besuch aktuell prüfen.
Während eines Gottesdienstes solltest du auf eine touristische Besichtigung verzichten oder dich besonders ruhig und unauffällig verhalten. Das gilt vor allem für die Maria-Magdalena-Kirche, die orthodoxe Kirche St. Peter und Paul und die weiteren aktiv genutzten Gotteshäuser.
Kurzinfos
Ort: Karlsbad (Karlovy Vary)
Art: Katholische, orthodoxe, hussitische, ehemalige anglikanische und historische Kirchen
Wichtigste Kirche im Zentrum: Maria-Magdalena-Kirche (Kostel svaté Máří Magdalény)
Bekannteste orthodoxe Kirche: Orthodoxe Kirche St. Peter und Paul (Pravoslavný chrám svatých apoštolů Petra a Pavla)
Ehemalige anglikanische Kirche: St.-Lukas-Kirche (Anglikánský kostel svatého Lukáše)
Ältester Kirchenstandort: Kirchenruine St. Leonhard (Zřícenina kostela svatého Linharta)
Architekturstile: Romanik, Gotik, Barock, Empire, Neuromanik, Neugotik und russisch-byzantinische Architektur
Zugang: Je nach Kirche frei, nur zu Gottesdiensten, bei Veranstaltungen oder gegen Museumseintritt
Öffnungszeiten: Vor dem Besuch aktuell prüfen
Eintritt: Die meisten aktiven Kirchen sind bei zugänglicher Besichtigung kostenlos; die ehemalige St.-Lukas-Kirche ist Teil eines kostenpflichtigen Museums
Geeignet für: Architekturinteressierte, Geschichtsinteressierte, Spaziergänge und ruhige Stadtbesichtigungen
Gut kombinierbar mit: Kolonnaden, Schlossberg, Villenviertel Westend, Kaiserbad, Mozart-Park, Stadtteilen Rybáře und Sedlec sowie den Karlsbader Kurwäldern
Zeitbedarf: Etwa zwei bis drei Stunden für die wichtigsten Kirchen im Zentrum und Westend; deutlich länger bei Einbeziehung der Stadtteile und der Kirchenruine St. Leonhard

















