Die Mühlbrunnkolonnade (Mlýnská kolonáda) gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen von Karlsbad (Karlovy Vary). Mit ihrer monumentalen Säulenhalle, den historischen Thermalquellen und den allegorischen Figuren auf dem Dach prägt sie das Erscheinungsbild des Karlsbader Kurzentrums. Sie ist die größte Kolonnade der Stadt und einer der wichtigsten Orte, um die traditionelle Kuratmosphäre von Karlsbad kennenzulernen.
Die langgestreckte Wandelhalle verbindet Architektur, Thermalwasser und gesellschaftliches Leben. Kurgäste können hier geschützt vor Regen und Sonne spazieren, an mehreren Quellen vorbeigehen und die reich gestalteten Details des Bauwerks betrachten. Gleichzeitig dient die Kolonnade bis heute als Kulisse für Konzerte und kulturelle Veranstaltungen.

Monumentale Wandelhalle im Karlsbader Kurzentrum
Die Mühlbrunnkolonnade steht am linken Ufer der Teplá mitten im historischen Kurviertel. Sie fügt sich unmittelbar in die Promenade ein, die von der Sprudelkolonnade über den alten Markt und die Kurstraße zu den weiteren Kolonnaden und Parkanlagen führt.
Anders als ein geschlossenes Gebäude bildet sie einen offenen Übergangsraum zwischen Straße, Quellen und Kurpromenade. Die Säulenhalle ist Teil des öffentlichen Stadtbildes und kann bei einem Rundgang durch das Zentrum ohne klassische Museumsbesichtigung erkundet werden.
Besonders eindrucksvoll ist der Blick entlang der langgezogenen Säulenreihen. Durch die offenen Seiten ergeben sich immer wieder Ausblicke auf die gegenüberliegenden Kurhäuser, die Promenade und die bewaldeten Hänge über dem Tal.

Von der hölzernen Wandelhalle zur steinernen Kolonnade
Die Geschichte der Kolonnade begann lange vor dem Bau des heutigen Gebäudes. In den Jahren 1792 bis 1793 entstand über der damals sogenannten Neuen Quelle eine erste hölzerne Wandelhalle. Sie gehörte zum früheren Mühlenbad und ermöglichte es den Kurgästen, sich auch bei schlechtem Wetter geschützt an einer Karlsbader Quelle aufzuhalten.
Bereits 1811 wurde die einfache Anlage durch eine neue hölzerne Kolonnade im Empirestil ersetzt. Verantwortlich war der Dresdner Baumeister Johann August Giessel. Mit der wachsenden Bedeutung Karlsbads als internationaler Kurort erwies sich jedoch auch dieses Bauwerk langfristig als zu klein und nicht repräsentativ genug.
Die heutige steinerne Mühlbrunnkolonnade wurde schließlich zwischen 1871 und 1881 errichtet. Ihre feierliche Eröffnung erfolgte am 5. Juni 1881 zur Eröffnung der Karlsbader Kursaison. In den Jahren 1891 und 1892 wurde die Anlage an ihrer Nordseite um einen Pavillon über der Felsenquelle erweitert.

Ein Entwurf von Josef Zítek
Die Pläne für die Mühlbrunnkolonnade stammen vom tschechischen Architekten Josef Zítek. Er zählt zu den bedeutenden Architekten des 19. Jahrhunderts und entwarf unter anderem das Nationaltheater in Prag.
Für Karlsbad plante Zítek eine monumentale steinerne Wandelhalle im Stil der Neorenaissance. Die Architektur greift Elemente klassischer Tempel und antiker Säulenhallen auf. Dadurch wirkt die Kolonnade weniger wie ein reines Schutzgebäude über mehreren Quellen und mehr wie ein repräsentativer Ort der Kurkultur.
Das Bauwerk ist rund 132 Meter lang. Sein Dach wird von 124 korinthischen Säulen getragen, die den Innenraum in mehrere offene Gänge gliedern. Trotz ihrer Größe wirkt die Halle durch die regelmäßige Anordnung der Säulen, die offenen Arkaden und die hellen Steinflächen harmonisch und vergleichsweise leicht.

Die zwölf Monatsfiguren auf dem Dach
Zu den markantesten Schmuckelementen gehören die zwölf allegorischen Sandsteinstatuen auf der Attika. Jede Figur steht für einen Monat des Jahres. Die Skulpturen wurden von den Bildhauern Alfred Schreiber und Karl Wilfert geschaffen.
Die Figuren sind vom Platz vor der Kolonnade besonders gut zu erkennen. Sie stehen in regelmäßigen Abständen auf der Balustrade und verstärken den repräsentativen Charakter des Gebäudes. Je nach Blickwinkel erscheinen sie vor den historischen Häusern oder den grünen Hängen über dem Kurviertel.
Auch der Orchesterraum ist künstlerisch gestaltet. Dort befinden sich allegorische Reliefs des Karlsbader Bildhauers Václav Lokvenc. Bei einem Besuch lohnt es sich deshalb, nicht nur auf die Brunnen und Säulen, sondern auch auf die höher gelegenen Fassadendetails zu achten.

Fünf Mineralquellen unter einem Dach
In der Mühlbrunnkolonnade sind fünf Karlsbader Mineralquellen zugänglich:
- der Mühlbrunnen (Mlýnský pramen)
- die Rusalka-Quelle (pramen Rusalka)
- die Fürst-Wenzel-Quelle (Pramen knížete Václava)
- die Libussa-Quelle (pramen Libuše)
- die Felsenquelle (Skalní pramen)
Die Quellen besitzen unterschiedliche Temperaturen und jeweils eigene Quellfassungen. Während eines Rundgangs kannst du die verschiedenen Brunnen nacheinander entdecken. Die Temperaturen des Thermalwassers reichen bei den hier zugänglichen Quellen von ungefähr 45 bis über 65 Grad Celsius.
Traditionell wird das Mineralwasser aus besonderen Karlsbader Trinkbechern getrunken. Diese besitzen einen Henkel mit einem dünnen Ausguss, durch den das heiße Wasser langsam getrunken werden kann. Wer das Thermalwasser gezielt im Rahmen einer Trinkkur nutzen möchte, sollte sich an eine medizinische Empfehlung halten und nicht wahllos große Mengen verschiedener Quellen probieren.

Der namensgebende Mühlbrunnen
Der Mühlbrunnen gehört zu den ältesten bekannten Thermalquellen von Karlsbad. Er wurde bereits im 16. Jahrhundert gefasst und nach einer früheren Mühle an der Teplá benannt, die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in der Umgebung stand.
Im Jahr 1705 wurde sein Wasser als eines der ersten Karlsbader Mineralwässer für Trinkkuren empfohlen. Zuvor nutzte man das Thermalwasser vor allem für Bäder. Später wurde das Wasser des Mühlbrunnens sogar abgefüllt und in andere Länder versandt.
Heute tritt die Quelle mit einer Temperatur von rund 57,8 Grad Celsius in einem eigenen Bereich der Kolonnade aus. Der Mühlbrunnen gab nicht nur der Quelle, sondern schließlich auch der gesamten Wandelhalle ihren Namen.

Die Rusalka-Quelle
Die Rusalka-Quelle ist ebenfalls bereits seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Früher wurde sie als Neubrunnen bezeichnet. Über ihr entstand Ende des 18. Jahrhunderts jene erste hölzerne Wandelhalle, die den Ausgangspunkt für die spätere Entwicklung der Mühlbrunnkolonnade bildete.
Mit einer Temperatur von rund 60 Grad Celsius gehört die Rusalka-Quelle zu den wärmeren Quellen innerhalb der Kolonnade. Ihre Geschichte ist eng mit dem Aufstieg Karlsbads zum internationalen Kurort verbunden.
Die Fürst-Wenzel-Quelle
Die Fürst-Wenzel-Quelle wurde früher Bernhardsbrunnen genannt. Ihr Wasser wird innerhalb der Kolonnade zu zwei verschiedenen Quellvasen geleitet. Wegen der unterschiedlichen Leitungsführung besitzen die beiden Austritte nicht exakt dieselbe Temperatur.
Der heißere Austritt erreicht mehr als 65 Grad Celsius und zählt damit zu den wärmsten Quellen innerhalb der Mühlbrunnkolonnade. Die Bezeichnung erinnert an den böhmischen Landespatron, den heiligen Wenzel.

Die Libussa-Quelle
Die Libussa-Quelle wurde im 19. Jahrhundert gefasst. Ursprünglich trug sie den Namen Elisabeth-Rosenquelle. Ihre heutige Bezeichnung erhielt sie 1947 nach der sagenhaften böhmischen Fürstin Libussa.
Ihr Wasser tritt mit einer Temperatur von mehr als 60 Grad Celsius aus. Die Quelle liegt innerhalb der langen Säulenhalle und lässt sich gut in einen vollständigen Rundgang durch die Kolonnade einbeziehen.

Die Felsenquelle
Die Felsenquelle befindet sich im nördlichen Erweiterungsbereich der Mühlbrunnkolonnade. Dieser Abschnitt entstand erst in den Jahren 1891 und 1892, nachdem ein Teil des damaligen Bernhardfelsens abgetragen worden war.
Mit einer Temperatur von ungefähr 45 Grad Celsius ist die Felsenquelle deutlich kühler als die anderen Quellen innerhalb der Kolonnade. Ihr Name erinnert bis heute an den Felsen, unter dem das Mineralwasser ursprünglich hervortrat.

Ein zentraler Ort der Karlsbader Trinkkur
Kolonnaden gehören untrennbar zur historischen Kurkultur von Karlsbad. Während der Trinkkur sollten sich die Kurgäste langsam bewegen und das Mineralwasser in kleinen Mengen trinken. Die überdachten Wandelhallen boten dafür einen geschützten und zugleich repräsentativen Rahmen.
Die Mühlbrunnkolonnade erfüllt diese Aufgabe bis heute. Hier treffen Architektur, Thermalquellen und Promenade unmittelbar aufeinander. Besucher gehen zwischen den einzelnen Brunnen hin und her, ruhen auf Bänken oder beobachten das Geschehen auf dem Platz.
Auch ohne Teilnahme an einer klassischen Kur vermittelt ein Spaziergang durch die Halle einen guten Eindruck davon, wie eng das gesellschaftliche Leben Karlsbads mit seinen Quellen verbunden ist.
Kolonnadenkonzerte und kulturelle Veranstaltungen
Im Zentrum der Wandelhalle befindet sich ein Orchesterbereich. Die Mühlbrunnkolonnade dient regelmäßig als Veranstaltungsort für Kolonnadenkonzerte und andere kulturelle Programme. Die offene Architektur sorgt dabei für eine besondere Verbindung zwischen Musik, Kurpromenade und historischem Stadtbild.
Konkrete Termine wechseln im Laufe des Jahres. Es lohnt sich daher, vor einem Besuch einen Blick in den aktuellen Veranstaltungskalender von Karlsbad zu werfen. Aber auch ohne Konzert ist der Orchesterbereich wegen seiner Reliefs und seiner zentralen Lage innerhalb der Halle sehenswert.
Die schönsten Perspektiven und Fotomotive
Die Mühlbrunnkolonnade bietet zahlreiche interessante Perspektiven. Besonders wirkungsvoll ist der Blick entlang der gleichmäßig angeordneten Säulen. Durch die Wiederholung der Säulen, Bögen und Deckenfelder entsteht eine starke räumliche Tiefe.
Vom Platz vor der Kolonnade lässt sich die gesamte Länge des Gebäudes gut erfassen. Von hier sind auch die Monatsfiguren auf der Dachbalustrade sichtbar. Weitere Motive entstehen durch die Verbindung der hellen Steinarchitektur mit den farbigen Kurhäusern an den Hängen.
Am frühen Morgen ist die Promenade häufig ruhiger. Abends erzeugt die Beleuchtung der Säulenhalle eine feierliche Atmosphäre. Details wie Brunnenvasen, Kapitelle, Reliefs und historische Uhren eignen sich ebenfalls als Motive.
Rundgang durch das Kurzentrum
Die Mühlbrunnkolonnade lässt sich hervorragend mit weiteren Sehenswürdigkeiten verbinden. Von der Sprudelkolonnade führt ein kurzer Spaziergang über den alten Markt, an der Marktkolonnade und durch die Kurstraße zur Säulenhalle. Die Entfernung vom Karlsbader Sprudel beträgt ungefähr 500 Meter.
In der anderen Richtung erreichst du nach kurzer Zeit das Kurhaus III, den Pavillon der Freiheitsquelle, die Parkkolonnade und den Dvořák-Park. Dadurch bildet die Mühlbrunnkolonnade einen natürlichen Mittelpunkt eines Spaziergangs durch das gesamte Kurviertel.
Für einen reinen Rundgang durch die Säulenhalle solltest du etwa 20 bis 30 Minuten einplanen. Wer die einzelnen Quellen genauer betrachtet, Thermalwasser probiert oder auf architektonische Details achtet, kann entsprechend länger bleiben.
Mühlbrunnkolonnade zu verschiedenen Jahreszeiten
Die Wandelhalle kann zu jeder Jahreszeit besucht werden. Im Sommer bieten die überdachten Gänge Schutz vor Sonne und kurzen Regenschauern. Gleichzeitig beleben Kurgäste, Spaziergänger und Konzertbesucher die Promenade.
Im Herbst harmonieren die hellen Steinflächen mit den bunten Wäldern über dem Tal. Im Winter wirkt die beleuchtete Kolonnade besonders festlich, während das warme Mineralwasser einen deutlichen Kontrast zur kalten Luft bildet.
Frühling und Frühsommer eignen sich gut für einen längeren Spaziergang durch das Kurzentrum und die angrenzenden Parkanlagen. Unabhängig von der Jahreszeit gehört die Mühlbrunnkolonnade zu den Orten, an denen die typische Atmosphäre Karlsbads besonders deutlich spürbar wird.
Kurzinfos
- Deutscher Name: Mühlbrunnkolonnade beziehungsweise Mühlbrunnenkolonnade
- Tschechischer Name: Mlýnská kolonáda
- Ort: Karlsbad (Karlovy Vary)
- Region: Region Karlsbad (Karlovarský kraj)
- Lage: Am linken Ufer der Teplá im historischen Kurzentrum
- Baustil: Neorenaissance
- Bauzeit: 1871 bis 1881
- Architekt: Josef Zítek
- Eröffnung: 5. Juni 1881
- Erweiterung: 1891 bis 1892 um den Nordpavillon der Felsenquelle
- Länge: Rund 132 Meter
- Säulen: 124 korinthische Säulen
- Dachschmuck: Zwölf allegorische Figuren der Monate
- Mineralquellen: Mühlbrunnen, Rusalka-Quelle, Fürst-Wenzel-Quelle, Libussa-Quelle und Felsenquelle
- Besonderheit: Größte Kolonnade von Karlsbad
- Empfohlene Besuchsdauer: Etwa 20 bis 30 Minuten
- Geeignet für: Architekturfreunde, Kurgäste, Spaziergänger, Kulturinteressierte und Fotografen
- Nahe Sehenswürdigkeiten: Marktkolonnade, Sprudelkolonnade, Parkkolonnade, Kurhaus III und Dvořák-Park



















































