Die Schlosskolonnade (Zámecká kolonáda) liegt am Schlossberg (Zámecký vrch) oberhalb des historischen Marktes von Karlsbad (Karlovy Vary). Die steinerne Jugendstilanlage verbindet Thermalquellen, Kurarchitektur und die steile Hanglage der Stadt auf besonders eindrucksvolle Weise.
Anders als die Mühlbrunnkolonnade oder die Parkkolonnade ist sie heute allerdings nicht mehr vollständig öffentlich zugänglich. Große Teile gehören zum Kur- und Wellnesszentrum Schlossbad (Zámecké lázně). Von außen und im oberen Bereich lässt sich die Anlage dennoch gut entdecken.

Jugendstilarchitektur am Schlossberg
Die heutige Schlosskolonnade entstand zwischen 1910 und 1912 nach Plänen des Wiener Architekten Johann Friedrich Ohmann. Sie wurde direkt in den Hang des Schlossbergs eingefügt und sollte den erhöht gelegenen Quellbereich mit dem Markt und der Marktkolonnade verbinden.
Ohmann entschied sich nicht für eine lange, gerade Halle. Stattdessen entstand ein gestaffeltes Ensemble aus mehreren Ebenen, Pavillons, Terrassen und Verbindungen. Dadurch passt sich die Kolonnade deutlich stärker an das Gelände an als andere Karlsbader Kolonnaden.
Die steinerne Architektur, der runde obere Quellpavillon und die geschwungenen Formen machen sie zu einem wichtigen Beispiel des Karlsbader Jugendstils.
Die Geschichte des Schlossbrunnens
Die Nutzung des Quellbereichs begann lange vor dem Bau der heutigen Kolonnade. Der Schlossbrunnen wurde bereits 1769 unterhalb des Schlossturms gefasst. Der Karlsbader Arzt David Becher untersuchte das Wasser und empfahl es für Kurzwecke.
Ein erster Pavillon entstand 1797. Nachdem die Quelle zeitweise versiegte, wurde sie später erneut gefasst. Im Jahr 1830 ergänzte man den Quellpavillon durch eine hölzerne Kolonnade.
Diese ältere Anlage genügte Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr den Ansprüchen des wachsenden Kurortes. Deshalb wurde sie durch die neue, wesentlich repräsentativere Schlosskolonnade ersetzt.
Drei Bereiche auf unterschiedlichen Ebenen
Die Schlosskolonnade bestand ursprünglich aus drei miteinander verbundenen Teilen. Unten lag die Kolonnade des Unteren Schlossbrunnens, darüber befand sich ein Sonnenbad und im oberen Bereich die Kolonnade des Oberen Schlossbrunnens.
Die starke Steigung des Schlossbergs wurde dabei bewusst in die Architektur einbezogen. Besucher konnten zwischen den verschiedenen Ebenen wechseln und gleichzeitig die Quellen, Terrassen und Blicke auf das Kurzentrum erleben.
Diese ungewöhnliche Gliederung unterscheidet die Schlosskolonnade deutlich von den eher geradlinigen Promenadenhallen im Tal.
Unterer Schlossbrunnen Nr. 3
Der Untere Schlossbrunnen Nr. 3 (Dolní zámecký pramen č. 3) gehört zum historischen Quellbereich der Schlosskolonnade. Sein Wasser ist knapp 49 °C warm.
Der ursprüngliche Auslauf liegt heute im Bereich des Schlossbads und ist daher nicht allgemein zugänglich. Damit Besucher das Wasser trotzdem probieren können, wird ein Teil des Unteren Schlossbrunnens in die Marktkolonnade geleitet.
Dort kannst du die Quelle während eines Rundgangs durch das Kurzentrum erreichen, ohne das Schlossbad zu besuchen.
Oberer Schlossbrunnen Nr. 4
Der Obere Schlossbrunnen Nr. 4 (Horní zámecký pramen č. 4) liegt im runden Säulenpavillon im oberen Teil der Schlosskolonnade. Sein Wasser ist etwas über 50 °C warm.
Der Pavillon gehört grundsätzlich zum öffentlich erreichbaren Teil der Anlage. Der Quellaustritt kann allerdings aus technischen Gründen geschlossen sein. Vor Ort solltest du deshalb auf aktuelle Hinweise achten.
Auch ohne laufenden Quellbetrieb lohnt sich der kurze Aufstieg. Der Pavillon, die Hangarchitektur und der erhöhte Blick auf den historischen Marktbereich vermitteln einen guten Eindruck von der ursprünglichen Anlage.
Der Geist der Quellen
Zu den kunsthistorisch wichtigsten Elementen der Schlosskolonnade gehört das Relief Geist der Quellen. Es wurde 1913 vom Wiener Bildhauer Wenzel Hejda geschaffen.
Das monumentale Jugendstilrelief wurde in eine Grotte hinter dem Unteren Schlossbrunnen eingefügt und aus Karlsbader Sprudelstein beziehungsweise Sinter gearbeitet. Es greift die Bedeutung der Thermalquellen für die Stadt auf und verbindet Natur, Mythologie und Kurtradition.
Heute befindet sich das Kunstwerk im Bereich des Schlossbads und ist normalerweise nur für dessen Gäste zugänglich.
Umbau zum Schlossbad
Ende des 20. Jahrhunderts befand sich die Schlosskolonnade in einem schlechten baulichen Zustand. In den Jahren 2000 und 2001 wurde sie nach Plänen des Architekten Alexandr Mikoláš umfassend erneuert.
Dabei entstand aus großen Teilen der historischen Kolonnade das moderne Kur- und Wellnesszentrum Schlossbad. Die Anlage wird seither wieder aktiv für Kuranwendungen genutzt, ist aber nicht mehr als vollständig öffentliche Promenade zugänglich.
Für Besucher bedeutet das, dass sich der historische Bau heute nur teilweise frei erkunden lässt. Die Außenarchitektur, der Schlossberg und der obere Pavillon bleiben jedoch wichtige Bestandteile eines Spaziergangs durch diesen Teil von Karlsbad.
Kurzer Aufstieg vom Markt
Die Schlosskolonnade liegt nur wenige Gehminuten von der Sprudelkolonnade (Vřídelní kolonáda) und der Marktkolonnade (Tržní kolonáda) entfernt.
Vom Sprudel gehst du über die Johannisbrücke (Jánský most) zum Markt und anschließend den Schlossberg hinauf. Der Weg ist kurz, aber steil. Je nach Route erwarten dich Pflaster, Stufen und ansteigende Wege.
Oben angekommen, kannst du die Schlosskolonnade mit dem Schlossturm und weiteren historischen Gebäuden am Schlossberg verbinden. Der erhöhte Standort eröffnet außerdem interessante Blicke auf die Dächer und Kolonnaden im Tal.
Für wen lohnt sich die Schlosskolonnade?
Die Schlosskolonnade lohnt sich besonders, wenn du dich für Jugendstil, Thermalquellen und die Entwicklung des Karlsbader Kurwesens interessierst.
Sie ist heute weniger leicht zugänglich als andere Kolonnaden. Gerade deshalb vermittelt sie einen anderen Eindruck: weniger klassische Promenade, dafür stärker ein historischer Quell- und Kurbereich am Hang.
Für einen kurzen Besuch reichen der obere Pavillon, die Außenansicht und ein Spaziergang zum Schlossturm. Wer sich intensiver mit der Geschichte der Quellen beschäftigt, kann den Besuch mit dem Unteren Schlossbrunnen in der Marktkolonnade ergänzen.
Gute Kombinationen in der Nähe
Die Schlosskolonnade lässt sich sehr gut mit dem Schlossberg (Zámecký vrch), dem Schlossturm (Zámecká věž), dem Oberen Schlossbrunnen Nr. 4 (Horní zámecký pramen č. 4) und dem Unteren Schlossbrunnen Nr. 3 (Dolní zámecký pramen č. 3) verbinden.
Direkt unterhalb liegen die Marktkolonnade (Tržní kolonáda), die Quelle Karl IV. (Pramen Karla IV.), der Marktbrunnen Nr. 5 (Tržní pramen č. 5) und die Sprudelkolonnade (Vřídelní kolonáda).
Eine kompakte Route führt vom Sprudel über den Markt hinauf zur Schlosskolonnade und zum Schlossturm. Danach kannst du entweder zurück ins Kurzentrum gehen oder weiter über den Schlossberg in Richtung Westend laufen.
Kurzinfos
Name: Schlosskolonnade
Tschechischer Name: Zámecká kolonáda
Ort: Karlsbad (Karlovy Vary)
Lage: Schlossberg (Zámecký vrch), oberhalb der Marktkolonnade
Art: steinerne Jugendstilkolonnade und historischer Quellbereich
Vorgängerbauten: erster Quellpavillon von 1797 und hölzerne Kolonnade von 1830
Bauzeit der heutigen Anlage: 1910 bis 1912
Architekt: Johann Friedrich Ohmann
Bauausführung: Friedrich Seitz
Ursprüngliche Bereiche: Untere Schlossbrunnenkolonnade, Sonnenbad und Obere Schlossbrunnenkolonnade
Kunstwerk: Geist der Quellen von Wenzel Hejda aus dem Jahr 1913
Umbau: 2000 bis 2001 zum Schlossbad (Zámecké lázně)
Quellen: Unterer Schlossbrunnen Nr. 3 und Oberer Schlossbrunnen Nr. 4
Temperatur Unterer Schlossbrunnen: rund 49 °C
Temperatur Oberer Schlossbrunnen: rund 51 °C
Zugang: nur teilweise öffentlich; große Bereiche gehören zum Schlossbad
Aktueller Hinweis: Der Obere Schlossbrunnen kann aus technischen Gründen geschlossen sein
Denkmalstatus: geschütztes Kulturdenkmal
Weg vom Sprudel: ungefähr fünf Minuten, mit deutlicher Steigung
Geeignet für: Jugendstilarchitektur, Kurgeschichte, Thermalquellen und einen Rundgang am Schlossberg
Gut kombinierbar mit: Schlossberg, Schlossturm, Marktkolonnade, Sprudelkolonnade, Quelle Karl IV. und den beiden Schlossbrunnen
Zeitbedarf: etwa 15 bis 30 Minuten, länger zusammen mit Schlossturm und Schlossberg












