Schlossquelle (Zámecký pramen)

Die Schlossquelle (Zámecký pramen) gehört zu den historisch wichtigsten Thermalquellen von Karlsbad (Karlovy Vary). Ihr Quellbereich liegt am Schlossberg (Zámecký vrch) unterhalb des Schlossturms (Zámecká věž) und oberhalb des historischen Marktes (Tržiště).

Besonders interessant ist, dass die Schlossquelle heute über zwei getrennte Ausläufe genutzt wird. Das Wasser tritt als Unterer Schlossbrunnen Nr. 3 (Dolní zámecký pramen č. 3) und als Oberer Schlossbrunnen Nr. 4 (Horní zámecký pramen č. 4) aus. Beide gehören zum selben Quellbereich, unterscheiden sich aber durch ihre Lage, Temperatur und heutige Zugänglichkeit.


Historischer Quellbereich am Schlossberg

Die Schlossquelle wurde erstmals im Jahr 1769 unterhalb des Schlossturms entdeckt. Damit reicht ihre bekannte Geschichte deutlich weiter zurück als die heutige Schlosskolonnade.

Eine wichtige Rolle spielte der Karlsbader Arzt David Becher. Er untersuchte das Wasser und stellte fest, dass seine Zusammensetzung jener des Sprudels (Vřídlo) ähnelt. Dadurch gewann die Quelle an Bedeutung für den Karlsbader Kurbetrieb.

Die Lage unterhalb der früheren Burganlage gab der Quelle ihren Namen. Der Schlossberg war bereits damals ein zentraler Bereich zwischen Markt, Kurviertel und dem erhöhten Stadtgebiet.

Erster Pavillon und frühe Nutzung

Im Jahr 1797 entstand über dem Quellaustritt ein erster Pavillon. Schon wenige Jahre später verschwand die Quelle allerdings vorübergehend.

Als Ursache gelten Veränderungen im unterirdischen Thermalquellensystem, die mit einer starken Aktivität des Sprudels zusammenhingen. Erst nach etwa 14 Jahren trat die Schlossquelle wieder in Erscheinung.

Im Jahr 1830 wurde der Quellpavillon durch eine hölzerne Kolonnade ergänzt. Diese frühe Anlage bot den Kurgästen Schutz und bildete den Vorgänger der heutigen Schlosskolonnade.

Eine Quelle mit zwei Ausläufen

Die Schlossquelle wird heute über zwei nummerierte Quellausläufe ausgegeben. Es handelt sich dabei nicht um zwei vollständig unabhängige Thermalquellen, sondern um zwei Ausgaben desselben Quellbereichs auf unterschiedlichen Höhen.

Der tiefer gelegene Auslauf ist der Untere Schlossbrunnen Nr. 3. Der höher gelegene Auslauf ist der Obere Schlossbrunnen Nr. 4.

Durch die verschiedenen Höhenlagen verändern sich Druck, Gasgehalt und Temperatur des Wassers. Deshalb unterscheiden sich die beiden Ausläufe, obwohl sie zum selben Quellsystem gehören.

Unterer Schlossbrunnen Nr. 3

Der Untere Schlossbrunnen Nr. 3 (Dolní zámecký pramen č. 3) ist der tiefer gelegene Auslauf der Schlossquelle. Sein ursprünglicher Bereich befindet sich heute innerhalb des Schlossbads (Zámecké lázně) und ist nicht frei zugänglich.

Damit Besucher das Wasser trotzdem probieren können, wird ein Teil des Unteren Schlossbrunnens in die Marktkolonnade (Tržní kolonáda) geleitet. Dort ist der Auslauf öffentlich erreichbar.

Das Wasser ist ungefähr 49 bis 53 °C warm. Die genauen Werte können je nach Messzeitpunkt und Betriebszustand schwanken.

Oberer Schlossbrunnen Nr. 4

Der Obere Schlossbrunnen Nr. 4 (Horní zámecký pramen č. 4) befindet sich im runden Säulenpavillon im oberen Bereich der Schlosskolonnade (Zámecká kolonáda).

Der Auslauf wurde während des Neubaus der Schlosskolonnade zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingerichtet. Sein Wasser ist ungefähr 51 bis 54 °C warm und damit etwas heißer als das Wasser des unteren Auslaufs.

Der Pavillon gehört grundsätzlich zum öffentlich erreichbaren Bereich der Schlosskolonnade. Der Quellaustritt kann jedoch aus technischen Gründen zeitweise außer Betrieb sein. Vor Ort solltest du deshalb auf aktuelle Hinweise achten.

Schlosskolonnade als architektonischer Rahmen

Die heutige Schlosskolonnade wurde zwischen 1910 und 1912 nach Plänen des Wiener Architekten Johann Friedrich Ohmann errichtet. Sie ersetzte die ältere hölzerne Kolonnade und verband den unteren und den oberen Bereich der Schlossquelle miteinander.

Die Anlage bestand ursprünglich aus der Kolonnade des Unteren Schlossbrunnens, einem Sonnenbad und der höher gelegenen Kolonnade des Oberen Schlossbrunnens.

Die starke Steigung des Schlossbergs wurde bewusst in die Architektur einbezogen. Dadurch entstand keine lange gerade Halle, sondern ein gestaffeltes Ensemble aus Terrassen, Pavillons und Verbindungen.

Der Geist der Quellen

Im Bereich des Unteren Schlossbrunnens befindet sich das monumentale Relief Geist der Quellen. Es wurde 1913 vom Wiener Bildhauer Wenzel Hejda geschaffen.

Das Kunstwerk greift die Bedeutung der Thermalquellen für Karlsbad auf und wurde in den Quellbereich der Schlosskolonnade integriert. Es gehört zu den kunsthistorisch interessantesten Details der Anlage.

Heute liegt das Relief im nicht allgemein zugänglichen Bereich des Schlossbads und kann normalerweise nur von dessen Gästen gesehen werden.

Umbau zum Schlossbad

In den Jahren 2000 und 2001 wurde die damals baufällige Schlosskolonnade umfassend umgebaut. Große Teile der historischen Anlage gehören seitdem zum Kur- und Wellnesszentrum Schlossbad.

Dadurch ist der ursprüngliche Quellbereich heute nur noch eingeschränkt öffentlich zugänglich. Der Untere Schlossbrunnen wurde deshalb in die Marktkolonnade geleitet. Der obere Pavillon blieb grundsätzlich frei erreichbar.

Die Schlossquelle ist damit ein gutes Beispiel dafür, wie historische Karlsbader Kuranlagen an moderne Nutzungen angepasst wurden.

Bedeutung für den Karlsbader Quellenrundgang

Die Schlossquelle ist besonders interessant, wenn du die Zusammenhänge zwischen den Karlsbader Mineralquellen verstehen möchtest. Sie zeigt, dass eine Quelle mehrere Ausläufe besitzen kann und technische Wasserführung einen Einfluss auf Temperatur und Nutzung hat.

Für einen normalen Rundgang ist der Untere Schlossbrunnen in der Marktkolonnade am einfachsten zugänglich. Anschließend kannst du den Schlossberg hinaufgehen und den Pavillon des Oberen Schlossbrunnens besuchen.

So erlebst du beide Ebenen des historischen Quellbereichs und bekommst gleichzeitig einen Eindruck von der Schlosskolonnade und dem Schlossturm.

Für wen lohnt sich die Schlossquelle?

Die Schlossquelle lohnt sich besonders für Besucher, die sich für Kurgeschichte, Thermalquellen und die Entwicklung Karlsbads interessieren.

Sie ist weniger spektakulär als der Sprudel, erzählt dafür aber eine besonders abwechslungsreiche Geschichte. Entdeckung, zeitweiliges Verschwinden, mehrere Kolonnaden und die spätere Aufteilung in zwei Ausläufe machen sie zu einem wichtigen Teil des Karlsbader Quellensystems.

Auch für einen kurzen Spaziergang ist der Bereich gut geeignet. Unterer Schlossbrunnen, Marktkolonnade, Schlossberg und Schlossturm liegen sehr nah beieinander.

Gute Kombinationen in der Nähe

Die Schlossquelle lässt sich sehr gut mit der Schlosskolonnade (Zámecká kolonáda), dem Schlossberg (Zámecký vrch), dem Schlossturm (Zámecká věž) und der Marktkolonnade (Tržní kolonáda) verbinden.

Im Marktbereich liegen außerdem die Quelle Karl IV. (Pramen Karla IV.), der Marktbrunnen Nr. 5 (Tržní pramen č. 5) und nur wenige Schritte entfernt die Sprudelkolonnade (Vřídelní kolonáda).

Eine passende Route führt vom Sprudel über die Johannisbrücke (Jánský most) zur Marktkolonnade. Dort kannst du den Unteren Schlossbrunnen probieren und anschließend zur Schlosskolonnade und zum Oberen Schlossbrunnen hinaufgehen.

Kurzinfos

Name: Schlossquelle
Tschechischer Name: Zámecký pramen
Ort: Karlsbad (Karlovy Vary)
Lage: Schlossberg (Zámecký vrch) unterhalb des Schlossturms
Art: Thermalmineralquelle mit zwei Ausläufen
Erste bekannte Fassung: 1769
Untersuchung: durch den Karlsbader Arzt David Becher
Erster Pavillon: 1797
Zeitweiliges Verschwinden: ab 1809, Wiederauftreten nach etwa 14 Jahren
Erste Kolonnade: 1830
Heutige Schlosskolonnade: erbaut von 1910 bis 1912
Architekt: Johann Friedrich Ohmann
Ausläufe: Unterer Schlossbrunnen Nr. 3 und Oberer Schlossbrunnen Nr. 4
Unterer Auslauf: öffentlich in der Marktkolonnade
Temperatur Unterer Schlossbrunnen: ungefähr 49 bis 53 °C
Oberer Auslauf: Pavillon der Schlosskolonnade
Temperatur Oberer Schlossbrunnen: ungefähr 51 bis 54 °C
Aktueller Hinweis: Der Obere Schlossbrunnen kann technisch außer Betrieb sein
Umbau der Schlosskolonnade: 2000 bis 2001 zum Schlossbad
Zugang: Unterer Auslauf frei erreichbar; oberer Pavillon grundsätzlich zugänglich; weitere Bereiche gehören zum Schlossbad
Geeignet für: Quellenvergleich, Kurgeschichte, Architektur und einen Rundgang rund um Markt und Schlossberg
Gut kombinierbar mit: Schlosskolonnade, Schlossberg, Schlossturm, Marktkolonnade, Quelle Karl IV., Marktbrunnen und Sprudelkolonnade
Zeitbedarf: etwa 20 bis 40 Minuten für beide Quellbereiche und den kurzen Aufstieg