Die St. Peter und Paul Kirche (Kostel sv. Petra a Pavla) steht am südlichen Rand des Karlsbader Kurzentrums, nur wenige Schritte vom Kaiserbad (Císařské lázně) entfernt. Der vergleichsweise schlichte Sakralbau entstand im 19. Jahrhundert als Gebetsstätte für protestantische und andere nichtkatholische Kurgäste.
Heute wird die Kirche von der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche genutzt. Äußerlich prägen Rundbogenfenster, ein schlanker Turm und die zurückhaltende neuromanische Gestaltung das Gebäude. Im Inneren sind vor allem die hölzerne Kassettendecke, die Empore und das historische Altarbild sehenswert.
Durch ihre Lage lässt sich die Kirche gut mit einem Besuch des Kaiserbades, des Parks Karl IV. (Sady Karla IV.) und einem Spaziergang entlang der Teplá verbinden.

Kirche am Rand des Kurzentrums
Die St. Peter und Paul Kirche steht an der Mariánskolázeňská unmittelbar beim Kaiserbad. Sie liegt etwas abseits der belebtesten Kolonnaden, gehört aber noch zum historischen Kurgebiet von Karlsbad (Karlovy Vary).
Vor dem Hauptportal befindet sich eine kleine parkartig gestaltete Fläche. Seitlich und hinter der Kirche schließen sich ältere Bäume und Grünflächen an. Dadurch wirkt die Umgebung ruhiger als die dichter bebauten Bereiche rund um den Sprudel und die Marktkolonnade.
Vom Sprudel (Vřídlo) erreichst du die Kirche bei einem Spaziergang entlang der Teplá in ungefähr 15 Minuten. Auch vom Grandhotel Pupp ist es nur ein kurzer Weg.
Gebetsstätte für internationale Kurgäste
Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Karlsbad immer stärker zu einem internationalen Kurort. Unter den Gästen befanden sich zahlreiche Protestanten, für die es zunächst keine angemessene eigene Gebetsstätte gab.
Ein Grundstück wurde für den Bau eines Gotteshauses für nichtkatholische Kurgäste zur Verfügung gestellt. Nach Plänen des Architekten und Baumeisters Gustav Hein entstand zwischen 1854 und 1856 zunächst eine einfache rechteckige Kirche ohne Turm.
Am 1. Juli 1856 wurde das Gotteshaus eingeweiht. Zu Beginn war es nur dem heiligen Petrus gewidmet und sollte verschiedenen protestantischen Glaubensrichtungen offenstehen.
Nachdem später eigene Gotteshäuser für anglikanische und orthodoxe Kurgäste entstanden waren, wurde die Kirche zunehmend von der lutherischen Gemeinde genutzt.
Erweiterungen im 19. Jahrhundert
Die ursprüngliche Kirche war wesentlich schlichter als das heutige Gebäude. In den Jahren 1864 und 1865 kamen das Hauptportal, der Kirchturm und ein erweiterter Chorbereich hinzu. Gleichzeitig entstand das benachbarte Pfarrhaus.
Eine weitere umfassende Umgestaltung erfolgte zwischen 1893 und 1894 nach Plänen des Leipziger Architekten Julius Zeißig. Er ließ unter anderem eine neue Empore einbauen und das Kirchenschiff mit einer hölzernen Kassettendecke versehen.
Seit diesem Umbau besitzt die Kirche im Wesentlichen ihre heutige Gestalt. Die verschiedenen Bauphasen sind von außen nur teilweise erkennbar, prägen aber den Aufbau und die Ausstattung des Innenraums.
Neuromanische Architektur
Die Kirche ist ein einschiffiger neuromanischer Bau. Rundbogenfenster, zurückhaltend gegliederte Fassaden und ein vergleichsweise schmaler Turm bestimmen ihr Erscheinungsbild.
Der Turm beginnt mit einem quadratischen Grundriss und geht im oberen Bereich in ein achteckiges Geschoss über. Ein spitzes Pyramidendach bildet den Abschluss. Das Hauptportal ist ebenfalls rundbogig gestaltet und wird von kleineren Öffnungen und Rundfenstern begleitet.
Im Vergleich zur reich dekorierten russisch-orthodoxen Kirche St. Peter und Paul im Stadtteil Westend wirkt dieser Bau deutlich schlichter. Seine Gestaltung entspricht stärker der zurückhaltenden protestantischen Kirchenarchitektur des 19. Jahrhunderts.
Kassettendecke, Empore und Altarbild
Der Innenraum ist klar und ruhig gegliedert. Besonders auffällig ist die hölzerne Kassettendecke, die beim Umbau am Ende des 19. Jahrhunderts eingebaut wurde.
Im hinteren Teil des Kirchenschiffs befindet sich eine geschnitzte Empore. Sie ruht auf steinernen Säulen mit korinthisch gestalteten Kapitellen. Historische Fenster und eine neuromanische Wandgestaltung ergänzen die Ausstattung.
Das bedeutendste Kunstwerk im Chor ist das Gemälde Himmelfahrt Christi des Berliner Malers Carl Steffeck aus dem Jahr 1857. Es gehört damit noch zur frühen Ausstattung der Kirche.
Weitere historische Elemente sind die hölzerne Kanzel, das Taufbecken, alte Kirchenbänke und ein Antependium mit einer Darstellung der Grablegung Christi.
Hussitische Spuren im Innenraum
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Gotteshaus 1946 an die Tschechoslowakische Hussitische Kirche über. Seit dieser Zeit trägt es das heutige Patrozinium der Apostel Petrus und Paulus.
Die neue kirchliche Nutzung brachte zusätzliche Bezüge zur tschechischen Reformationsgeschichte mit sich. Im Innenraum erinnern Darstellungen an Jan Hus, Jan Žižka und Petr Chelčický. Auch Karel Farský, der Gründer und erste Patriarch der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche, wird gewürdigt.
Dadurch verbindet die Ausstattung heute zwei historische Ebenen: die ursprüngliche protestantische Kirche für internationale Kurgäste und die spätere Nutzung durch die tschechoslowakische hussitische Gemeinde.
Heutige Nutzung und Besichtigung
Die St. Peter und Paul Kirche ist weiterhin ein aktives Gotteshaus. Regelmäßig finden Gottesdienste und Veranstaltungen der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche statt.
Ob der Innenraum außerhalb kirchlicher Termine täglich zugänglich ist, lässt sich nicht zuverlässig garantieren. Veröffentlichte Angaben zur touristischen Öffnung unterscheiden sich teilweise voneinander. Die aktuellen Besuchsmöglichkeiten solltest du deshalb vorab prüfen.
Die Außenansicht kannst du jederzeit von den öffentlichen Wegen betrachten. Während Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen ist auf den religiösen Charakter des Gebäudes Rücksicht zu nehmen.
Für wen lohnt sich der Besuch?
Die Kirche ist vor allem für Besucher interessant, die sich für die Geschichte des internationalen Karlsbader Kurbetriebs, protestantische Sakralarchitektur oder die Tschechoslowakische Hussitische Kirche interessieren.
Für eine reine Außenbesichtigung genügen wenige Minuten. Wenn der Innenraum geöffnet ist, lohnt sich ein Blick auf die Kassettendecke, die Empore, das Altarbild und die Darstellungen zur tschechischen Reformationsgeschichte.
Die Kirche ist kein monumentales Wahrzeichen, ergänzt aber das Bild von Karlsbad als internationalem Kurort, in dem im 19. Jahrhundert Gotteshäuser für verschiedene Glaubensgemeinschaften entstanden.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Direkt neben der Kirche liegt das Kaiserbad, eines der bedeutendsten historischen Badehäuser von Karlsbad. Ebenfalls schnell erreichbar sind der Park Karl IV., das Karl-IV.-Denkmal, die Goethe-Büste und das Grandhotel Pupp.
Von der Kirche kannst du außerdem weiter in Richtung Goethe-Weg (Goethova stezka) und zu den Spazierwegen der Karlsbader Kurwälder gehen. Auch der Karl-IV.-Aussichtsturm (Vyhlídka Karla IV.) lässt sich in einen längeren Rundgang einbauen.
Eine passende kurze Route führt vom Grandhotel Pupp durch den Park Karl IV. zum Kaiserbad, anschließend zur St. Peter und Paul Kirche und von dort weiter auf den Goethe-Weg.

Kurzinfos
Name: St. Peter und Paul Kirche
Tschechischer Name: Kostel sv. Petra a Pavla
Historische Einordnung: Ehemalige evangelische Kirche
Heutige Kirche: Tschechoslowakische Hussitische Kirche
Ort: Karlsbad (Karlovy Vary)
Lage: Direkt beim Kaiserbad an der Teplá
Adresse: Mariánskolázeňská 675/4
Art: Einschiffige neuromanische Kirche
Bauzeit: 1854 bis 1856
Einweihung: 1. Juli 1856
Architekt des ursprünglichen Baus: Gustav Hein
Erweiterung: 1864 bis 1865
Umgestaltung: 1893 bis 1894
Architekt des Umbaus: Julius Zeißig
Ursprüngliche Funktion: Gebetsstätte für nichtkatholische Kurgäste
Besonderheiten: Kassettendecke, historische Empore, Altarbild und hussitische Reliefs
Altarbild: Himmelfahrt Christi von Carl Steffeck, 1857
Denkmalschutz: Geschütztes Kulturdenkmal
Heutige Nutzung: Gottesdienste und kirchliche Veranstaltungen
Zugang: Außen frei sichtbar, Innenbesichtigung abhängig von der aktuellen Öffnung
Eintritt: Kein regulärer touristischer Eintritt veröffentlicht
Geeignet für: Architektur-, Kirchen- und Geschichtsinteressierte
Gut kombinierbar mit: Kaiserbad, Park Karl IV., Karl-IV.-Denkmal, Goethe-Büste, Grandhotel Pupp und Goethe-Weg
Zeitbedarf: Außen etwa 5 bis 10 Minuten, mit Innenbesichtigung etwa 15 bis 25 Minuten
Hinweis: Aktuelle Öffnung des Innenraums vor dem Besuch prüfen