Stadttheater (Městské divadlo)

Das Stadttheater (Městské divadlo) gehört zu den eindrucksvollsten historischen Gebäuden im Karlsbader Kurzentrum. Es steht direkt am Theaterplatz (Divadelní náměstí), nur wenige Schritte von der Sprudelkolonnade (Vřídelní kolonáda) entfernt, und wird bis heute regelmäßig für Schauspiel, Oper, Konzerte, Tanz und weitere Veranstaltungen genutzt.

Von außen fällt das Theater durch seine reich gegliederte Fassade, die offene Loggia und die allegorischen Figuren über dem Eingang auf. Noch eindrucksvoller ist der Innenraum mit vergoldetem Stuck, historischen Leuchten, dekorierten Logen und Malereien von Gustav Klimt, Ernst Klimt und Franz Matsch.

Das Gebäude lässt sich am besten während einer Vorstellung oder bei einer Führung kennenlernen. Erst dann werden der prachtvolle Zuschauerraum und der monumentale historische Bühnenvorhang sichtbar, der zu den bedeutendsten Kunstwerken des Theaters zählt.


Theater am Rand des Theaterplatzes

Das Stadttheater steht am Ufer der Teplá im südlichen Teil des historischen Kurzentrums von Karlsbad (Karlovy Vary). Durch seine freistehende Lage bildet es den architektonischen Abschluss des Theaterplatzes.

Die Sprudelkolonnade, der Sprudel (Vřídlo) und die Kirche St. Maria Magdalena (kostel svaté Máří Magdalény) liegen nur wenige Schritte entfernt. Auch der Markt (Tržiště), die Marktkolonnade (Tržní kolonáda) und die Alte Wiese (Stará louka) sind schnell erreichbar.

Die Fassade lässt sich jederzeit von außen betrachten. Für den Zugang zum Innenraum benötigst du jedoch eine Eintrittskarte zu einer Veranstaltung oder einen Platz bei einer Führung.

Karlsbader Theatertradition seit dem 18. Jahrhundert

Theateraufführungen gehörten bereits früh zum gesellschaftlichen Leben der Kurstadt. Im Jahr 1717 ließ der sächsische Kurfürst August der Starke eine erste einfache Spielstätte für eine mitgebrachte französische Operngesellschaft errichten.

Eine dauerhafte städtische Bühne entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Das sogenannte Becher-Theater wurde 1788 mit Mozarts Oper Die Hochzeit des Figaro eröffnet und stand ungefähr an der Stelle des heutigen Gebäudes.

Mit dem Wachstum Karlsbads und der steigenden Zahl internationaler Kurgäste genügte das ältere Theater irgendwann nicht mehr den Ansprüchen der Stadt. Auch technische und brandschutzrechtliche Gründe sprachen für einen vollständigen Neubau.

Neubau durch Fellner und Helmer

Das heutige Stadttheater entstand zwischen 1884 und 1886 nach Plänen der Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer. Das Architekturbüro gehörte zu den bekanntesten Theaterbauspezialisten der damaligen Habsburgermonarchie.

Am 15. Mai 1886 wurde der Neubau eröffnet. Wie bereits beim Vorgängertheater stand erneut Mozarts Die Hochzeit des Figaro auf dem Programm. Damit knüpfte die Stadt bewusst an die frühere Karlsbader Theatertradition an.

Der Bau war für seine Zeit technisch modern. Elektrisches Licht, Belüftungsanlagen und teilweise feuerhemmende Konstruktionen sollten Komfort und Sicherheit verbessern. Gerade der Brandschutz spielte bei Theaterneubauten des späten 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle.

Neobarocke Fassade

Das Stadttheater ist ein historisierender Bau, der meist dem Neobarock zugeordnet wird. Besonders die Innenausstattung greift zusätzlich Formen des Rokoko auf.

Die Eingangsfassade wird von einer dreiteiligen offenen Loggia geprägt. Pilaster, Rundbogenfenster, Gesimse, Dachaufbauten und dekorative Figuren verleihen dem Gebäude sein repräsentatives Erscheinungsbild.

Über und neben dem Eingang stehen allegorische Skulpturen, die sich auf Theater, Musik und Dichtkunst beziehen. Auch die auffälligen Greifen im Eingangsbereich gehören zur bildhauerischen Gestaltung. Die plastische Ausstattung stammt vom Wiener Bildhauer Theodor Friedl.

Prachtvoller Zuschauerraum

Hinter den Haupteingängen beginnt ein reich verzierter Innenbereich mit vergoldetem Stuck, historischen Leuchten und repräsentativen Treppenaufgängen.

Der Zuschauerraum ist mit Balkonen, Logen, roten Textilien, Rokokoornamenten und dekorativen Trägerfiguren ausgestattet. Viele Einzelheiten wurden von Beginn an als zusammengehöriges Gesamtkunstwerk geplant.

Auch Leuchten und Kronleuchter wurden auf die Architektur abgestimmt. Dadurch wirkt der Innenraum nicht wie eine nachträglich zusammengesetzte Dekoration, sondern wie ein geschlossenes Ensemble aus Architektur, Malerei, Bildhauerei und Kunsthandwerk.

Die heutige Kapazität beträgt 475 Sitzplätze. Ältere Quellen nennen teilweise höhere Zahlen, die jedoch nicht mehr der aktuellen Bestuhlung entsprechen.

Frühe Arbeiten von Gustav Klimt

Die malerische Ausstattung des Theaters entstand durch Gustav Klimt, seinen Bruder Ernst Klimt und Franz Matsch. Die drei jungen Wiener Künstler arbeiteten damals als gemeinsames Atelier.

Von ihnen stammen Decken- und Proszeniumsbilder sowie der große Bühnenvorhang. Die Darstellungen zeigen allegorische Figuren aus Musik, Dichtung, Tanz, Komödie und Tragödie.

Die Arbeiten entstanden vor Gustav Klimts späterer Jugendstil- und Goldphase. Sie zeigen daher eine andere Seite des Künstlers: eine akademisch geprägte, historisierende Malerei, die sich eng in die Architektur des Theaters einfügt.

Der historische Bühnenvorhang

Das wertvollste einzelne Kunstwerk des Stadttheaters ist der handgemalte Bühnenvorhang von 1886. Er zeigt eine allegorische Verherrlichung der Dichtkunst mit einem Dichter, Musen und weiteren mythologischen Figuren.

Der Vorhang misst etwa 8,70 mal 10,80 Meter und wiegt rund 230 Kilogramm. Er besteht aus mehreren zusammengenähten Leinwandbahnen.

Gustav Klimt, Ernst Klimt und Franz Matsch verewigten sich selbst als Musiker innerhalb der Darstellung. Für einzelne weibliche Figuren sollen Angehörige der Familie Klimt Modell gestanden haben.

Im Jahr 1995 wurde der beschädigte Vorhang ausgebaut und aufwendig restauriert. Seit der Wiedereröffnung des Theaters befindet er sich wieder im Gebäude. Ob er bei einer bestimmten Vorstellung oder Führung vollständig sichtbar ist, hängt jedoch vom jeweiligen Bühnenaufbau und Programm ab.

Sanierung und Wiedereröffnung

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde das Theater mehrfach verändert und instand gesetzt. Der bauliche Zustand verschlechterte sich dennoch zunehmend, sodass 1993 vorerst die letzte Vorstellung stattfand.

Anschließend begann eine umfassende Sanierung. Zunächst wurden Dach und Fassadenfiguren gesichert, später folgten technische Anlagen, Innenräume, historische Leuchten, Sitze, Fußböden und Bühneneinrichtungen.

Auch der Zuschauerraum und die malerische Ausstattung wurden restauriert. Gleichzeitig erhielt das Theater moderne Bühnen-, Lüftungs- und Veranstaltungstechnik.

Im Juni 1999 wurde das Gebäude nach Abschluss der Arbeiten wiedereröffnet. Weitere Arbeiten an Dach und Fassade folgten in späteren Jahren.

Heutiger Spielbetrieb

Das Stadttheater ist weiterhin ein aktiver Veranstaltungsort. Auf dem Spielplan stehen unter anderem Schauspiel, Oper, Ballett, Tanz, Musicals, Operetten, Konzerte und Aufführungen für Kinder.

Neben eigenen Produktionen treten regelmäßig Gastensembles und Künstler anderer Bühnen auf. Das genaue Programm wechselt im Jahresverlauf.

Auch ohne Tschechischkenntnisse können Konzerte, Tanzveranstaltungen, Opern oder musikalische Produktionen interessant sein. Bei Schauspielaufführungen solltest du vor der Buchung prüfen, in welcher Sprache gespielt wird und ob Untertitel angeboten werden.

Besichtigung und Führungen

Das Theater ist kein täglich frei zugängliches Museum. Den Innenraum siehst du am unkompliziertesten während einer Vorstellung.

Darüber hinaus können Führungen in mehreren Sprachen vereinbart werden. Dazu gehören auch deutschsprachige Besichtigungen. Gruppenführungen müssen in der Regel frühzeitig mit dem Theater abgesprochen werden.

Gelegentlich erscheinen außerdem öffentlich buchbare Führungstermine im Veranstaltungskalender. Sie finden jedoch nicht automatisch täglich statt.

Wer sich besonders für die Malereien und den Bühnenvorhang interessiert, sollte vorab nachfragen, welche Bereiche während der Führung zugänglich sind und ob der Vorhang zu sehen sein wird.

Barrierefreiheit

Für Rollstuhlfahrer gibt es einen zugänglichen Eingang und eine begrenzte Zahl vorgesehener Plätze im Erdgeschoss des Zuschauerraums.

Da es sich um ein historisches Gebäude handelt, sind nicht zwangsläufig alle Bereiche, Ränge und Foyers vollständig barrierefrei erreichbar. Den benötigten Platz und besondere Unterstützung solltest du bereits beim Kartenkauf oder bei der Buchung einer Führung anmelden.

Für wen lohnt sich der Besuch?

Das Stadttheater lohnt sich besonders für Besucher, die sich für historische Architektur, Theatergeschichte oder die frühen Arbeiten Gustav Klimts interessieren.

Für eine reine Außenbesichtigung genügen etwa zehn Minuten. Der wichtigste Teil des Gebäudes liegt jedoch im Inneren. Eine Aufführung oder Führung vermittelt deutlich besser, warum das Theater als eines der wertvollsten historischen Kulturgebäude von Karlsbad gilt.

Auch ohne konkretes Interesse am Spielplan kann sich ein Blick auf die Fassade lohnen, da das Theater unmittelbar an mehreren bekannten Sehenswürdigkeiten des Kurzentrums liegt.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Direkt neben dem Theater liegen der Theaterplatz, die Sprudelkolonnade und der Sprudel. Ebenfalls schnell erreichbar sind der Sprudel-Untergrund (Podzemí Vřídla), die Sonnenuhr (Sluneční hodiny) und die Kirche St. Maria Magdalena.

Über den Markt gelangst du zur Marktkolonnade und zur Schlosskolonnade (Zámecká kolonáda). In der anderen Richtung führt die Alte Wiese weiter zum Grandhotel Pupp, zum Park Karl IV. (Sady Karla IV.) und zum Kaiserbad (Císařské lázně).

Eine passende Route beginnt an der Marktkolonnade, führt über den Markt zur Sprudelkolonnade und zum Stadttheater und anschließend entlang der Alten Wiese weiter in Richtung Grandhotel Pupp.

Kurzinfos

Name: Stadttheater
Tschechischer Name: Městské divadlo
Offizieller Name: Karlovarské městské divadlo
Ort: Karlsbad (Karlovy Vary)
Adresse: Divadelní náměstí 21
Lage: Am Theaterplatz bei der Sprudelkolonnade
Art: Historisches Theater und aktiver Veranstaltungsort
Baustil: Neobarock mit pseudorokokischer Innenausstattung
Bauzeit: 1884 bis 1886
Eröffnung: 15. Mai 1886
Architekten: Ferdinand Fellner und Hermann Helmer
Malerische Ausstattung: Gustav Klimt, Ernst Klimt und Franz Matsch
Bildhauerische Ausstattung: Theodor Friedl
Besonderheit: Handgemalter Bühnenvorhang von 1886
Größe des Vorhangs: Etwa 8,70 × 10,80 Meter
Gewicht des Vorhangs: Rund 230 Kilogramm
Generalsanierung: 1993 bis 1999
Heutige Kapazität: 475 Sitzplätze
Heutige Nutzung: Schauspiel, Oper, Tanz, Musical, Operette, Konzerte und Kinderveranstaltungen
Besichtigung: Während einer Vorstellung oder bei einer Führung
Führungen: Unter anderem auf Deutsch nach vorheriger Vereinbarung möglich
Barrierefreiheit: Rollstuhlgerechter Zugang und begrenzte Rollstuhlplätze im Erdgeschoss
Eintritt: Abhängig von Vorstellung oder Führung
Geeignet für: Architektur-, Kunst-, Theater- und Klimt-Interessierte
Gut kombinierbar mit: Theaterplatz, Sprudelkolonnade, Sprudel, Kirche St. Maria Magdalena, Marktkolonnade und Alte Wiese
Zeitbedarf: Außen etwa 10 Minuten, mit Führung oder Vorstellung entsprechend länger
Hinweis: Spielplan, Kassenzeiten, Führungstermine und Sichtbarkeit des historischen Vorhangs vor dem Besuch aktuell prüfen