Die Stephanie-Quelle Nr. 14 (Pramen Štěpánka č. 14) liegt abseits der bekannten Karlsbader Kolonnaden im Park vor dem Parkhotel Richmond. Ihr Mineralwasser ist mit rund 14 Grad Celsius wesentlich kühler als das Wasser der meisten Quellen im Zentrum von Karlsbad (Karlovy Vary).
Der Quellauslauf befindet sich im offenen Alois-Klein-Pavillon (Altán Aloise Kleina), einem achteckigen Holzbau im Schweizer Stil. Die ruhige Parklage macht die Quelle zu einem angenehmen Ziel für einen Spaziergang entlang der Teplá.
Auch ihre Geschichte ist ungewöhnlich: Die ursprüngliche Quelle wurde 1884 gefasst, versiegte jedoch im frühen 20. Jahrhundert. Erst 1993 konnte an dieser Stelle wieder Mineralwasser erschlossen werden. Der heutige Pavillon entstand wenige Jahre später.
Ruhige Lage im Richmond-Park
Die Stephanie-Quelle befindet sich am südlichen Rand des Karlsbader Kurgebiets im Park vor dem Parkhotel Richmond. Sie liegt auf der linken Seite der Teplá und deutlich abseits der stark besuchten Mühlbrunnkolonnade (Mlýnská kolonáda), Marktkolonnade (Tržní kolonáda) und Sprudelkolonnade (Vřídelní kolonáda).
Vom historischen Kurzentrum führt der Weg flussaufwärts am Grandhotel Pupp vorbei und anschließend über den Goethe-Weg (Goethova stezka) in Richtung Richmond-Park. Vom Sprudel (Vřídlo) benötigst du zu Fuß ungefähr 30 Minuten.
Wer die Quelle ohne längeren Spaziergang besuchen möchte, kann bis zur Haltestelle Richmond fahren. Von dort sind es nur wenige Schritte bis zum Pavillon. Aktuelle Busverbindungen solltest du vor der Fahrt prüfen.
Eine ungewöhnlich kühle Karlsbader Quelle
Die Stephanie-Quelle unterscheidet sich vor allem durch ihre niedrige Temperatur von den bekannteren Karlsbader Quellen. Während viele Austritte im Kurzentrum deutlich über 40 Grad Celsius erreichen, besitzt ihr Wasser nur ungefähr 14 Grad.
Es handelt sich um einen kohlensäurereichen Mineralwasseraustritt, der historisch als eisenhaltiger Säuerling beschrieben wurde. Die natürliche Kohlensäure verleiht dem Wasser einen anderen Charakter und Geschmack als den heißen Quellen entlang der Kolonnaden.
Auch die Ergiebigkeit ist vergleichsweise gering. Die veröffentlichten Angaben zum Durchfluss unterscheiden sich jedoch deutlich voneinander, weshalb kein dauerhaft fester Wert genannt werden kann.
Erste Fassung im Jahr 1884
Mineralwasseraustritte waren im Gebiet des heutigen Richmond-Parks bereits im 18. Jahrhundert bekannt. Im Jahr 1884 wurde hier schließlich eine Quelle gefasst, deren kühles und kohlensäurereiches Wasser in die Karlsbader Trinkkur aufgenommen wurde.
Benannt wurde sie nach Stephanie von Belgien, die durch ihre Heirat mit Kronprinz Rudolf den Titel einer Kronprinzessin von Österreich-Ungarn trug. Historisch wurde der Austritt deshalb auch als Kronprinzessin-Stephanie-Quelle bezeichnet.
Eine direkte Beteiligung Stephanies an der Erschließung ist nicht belegt. Die Namensgebung entsprach vielmehr der damaligen Gewohnheit, Quellen, Parks und öffentliche Bauwerke nach Mitgliedern europäischer Herrscherhäuser zu benennen.
Versiegen und Wiedererschließung
Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts versiegte die ursprüngliche Stephanie-Quelle. Die genaue Ursache ist nicht eindeutig dokumentiert. Mehrere spätere Versuche, den Austritt wiederzugewinnen, blieben zunächst erfolglos.
Erst 1993 gelang es, durch eine neue Bohrung wieder geeignetes Mineralwasser zu erschließen. Der heutige Auslauf ist daher nicht die unveränderte historische Fassung von 1884, sondern das Ergebnis dieser modernen Wiedererschließung.
Vier Jahre später entstand über dem Quellaustritt der heutige Alois-Klein-Pavillon.
Alois-Klein-Pavillon
Der offene Holzpavillon wurde 1997 nach Plänen des Architekten František Vondráček errichtet. Seine achteckige Form, die schlanken Holzstützen und die geschnitzten Details orientieren sich am Schweizer Stil, der bei Kur- und Parkbauten des 19. Jahrhunderts beliebt war.
Ein achteckiges Dach mit kleiner mittlerer Laterne überspannt den Quellauslauf. Im Inneren befindet sich ein heller Steinboden, während der Brunnen in der Mitte des Pavillons steht.
Obwohl das Bauwerk deutlich jünger ist als viele Karlsbader Kolonnaden, fügt es sich durch seine historisierende Gestaltung gut in die Parklandschaft ein.
Der Pavillon erinnert an Alois Klein, den früheren Besitzer des benachbarten Sanatoriums Richmond. Quelle und Schutzbau tragen somit die Namen zweier unterschiedlicher Persönlichkeiten.
Mineralische Ablagerungen am Auslauf
Das Wasser tritt aus einem metallenen Rohr in ein kleines Auffangbecken. Rund um den Auslauf können sich bräunliche und rostfarbene Ablagerungen bilden, die mit den im Wasser enthaltenen Mineralstoffen zusammenhängen.
Diese Spuren gehören zum natürlichen Erscheinungsbild des Brunnens und machen die mineralische Zusammensetzung des Wassers sichtbar. Da der Pavillon zu allen Seiten offen ist, lässt sich der Auslauf aus nächster Nähe betrachten.
Während des Betriebs kannst du das Wasser grundsätzlich probieren. Für eine gezielte oder regelmäßige Trinkkur solltest du dich jedoch ärztlich beraten lassen.
Heutige Nutzung und Einordnung
Die Stephanie-Quelle wird weiterhin als 14. Karlsbader Mineralquelle geführt. Sie ist derzeit jedoch nicht rechtlich als natürliche Heilquelle ausgewiesen und sollte daher nicht mit den regulär verordneten Hauptquellen einer Karlsbader Trinkkur gleichgesetzt werden.
Historisch spielte ihr Wasser durchaus eine Rolle im Kurbetrieb. Heute steht für Besucher eher der besondere Charakter der kühlen Quelle, ihre wechselvolle Geschichte und die ruhige Lage im Park im Mittelpunkt.
Ein kleiner Probeschluck ist möglich, sofern der Auslauf in Betrieb ist. Stark mineralisiertes Wasser eignet sich jedoch nicht zum unbegrenzten alltäglichen Trinken.
Zugang und saisonaler Betrieb
Der Alois-Klein-Pavillon ist frei zugänglich und kostet keinen Eintritt. Da es sich um einen offenen Parkbau handelt, gibt es keine regulären Öffnungszeiten.
Der Wasserauslauf wird allerdings während der winterlichen Frostperiode abgeschaltet. Auch im frühen Frühjahr kann es deshalb vorkommen, dass noch kein Wasser fließt. Technische Wartungsarbeiten können ebenfalls zu vorübergehenden Unterbrechungen führen.
Besonders in den Wintermonaten und nach längeren Frostperioden solltest du den aktuellen Betrieb vor dem Besuch prüfen.
Für wen lohnt sich der Besuch?
Die Stephanie-Quelle eignet sich vor allem für Besucher, die neben den bekannten Kolonnaden auch ruhigere Bereiche des Karlsbader Kurgebiets kennenlernen möchten.
Interessant ist sie für Spaziergänger, Quellenliebhaber und Reisende, die sich für die Entwicklung des Karlsbader Kurwesens interessieren. Auch der Alois-Klein-Pavillon ist ein schönes Beispiel für die historisierende Parkarchitektur der Stadt.
Für die reine Besichtigung genügen etwa fünf bis 15 Minuten. In Verbindung mit einem Rundgang durch den Richmond-Park kannst du deutlich mehr Zeit einplanen.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Nur wenige Schritte von der Stephanie-Quelle entfernt liegt der Japanische Garten. Ebenfalls im Richmond-Park befinden sich das Ludwig-van-Beethoven-Denkmal und die Adam-Mickiewicz-Büste.
Gut erreichbar sind außerdem das Parkhotel Richmond, die Kunstgalerie Karlsbad (Galerie umění Karlovy Vary), der Goethe-Weg, die Goethe-Büste und das Friedrich-Schiller-Denkmal.
Eine passende Route führt vom Grandhotel Pupp über den Goethe-Weg zur Kunstgalerie, anschließend weiter in den Richmond-Park zur Stephanie-Quelle und zum Japanischen Garten.
Kurzinfos
Name: Stephanie-Quelle Nr. 14
Tschechischer Name: Pramen Štěpánka č. 14
Historische Bezeichnung: Kronprinzessin-Stephanie-Quelle
Namensgeberin: Stephanie von Belgien
Ort: Karlsbad (Karlovy Vary)
Lage: Im Park vor dem Parkhotel Richmond
Art: Kühler, kohlensäurereicher Mineralwasseraustritt
Nummer: 14. Karlsbader Mineralquelle
Erste Fassung: 1884
Versiegen: Anfang des 20. Jahrhunderts
Wiedererschließung: 1993
Pavillon: Alois-Klein-Pavillon
Baujahr des Pavillons: 1997
Architekt: František Vondráček
Baustil: Schweizer Stil
Temperatur: Rund 14 Grad Celsius
Besonderheiten: Eine der kältesten Karlsbader Mineralquellen und südlichster gefasster Quellaustritt des Kurgebiets
Rechtlicher Status: Nicht als natürliche Heilquelle ausgewiesen
Zugang: Frei zugänglich
Öffnungszeiten: Keine regulären Öffnungszeiten
Eintritt: Kostenlos
Betrieb: Während der winterlichen Frostperiode abgeschaltet
Geeignet für: Spaziergänger sowie Besucher mit Interesse an Quellen, Kurgeschichte und Parkarchitektur
Gut kombinierbar mit: Japanischem Garten, Ludwig-van-Beethoven-Denkmal, Adam-Mickiewicz-Büste, Parkhotel Richmond, Kunstgalerie und Goethe-Weg
Zeitbedarf: Etwa 5 bis 15 Minuten, mit Parkrundgang entsprechend länger
Hinweis: Aktuellen Betrieb des Quellauslaufs besonders im Winter und Frühjahr vor dem Besuch prüfen