Pilgrams (Pelhřimov) ist eine historische Stadt in der Region Hochland (Kraj Vysočina), die mit einer kompakten Altstadt, farbenfrohen Bürgerhäusern und ungewöhnlichen Museen überrascht. Bekannt ist Pilgrams vor allem als tschechische Stadt der Rekorde und Kuriositäten. Gleichzeitig findest du hier mittelalterliche Stadttore, Kirchen, ein ehemaliges Schloss und ruhige Spazierwege.
Historische Altstadt
Das Zentrum von Pilgrams erstreckt sich rund um den Masaryk-Platz (Masarykovo náměstí). Renaissance- und Barockhäuser, Laubengänge, historische Fassaden und kleine Gassen prägen das Stadtbild. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander und lassen sich bequem zu Fuß entdecken.
Sehenswürdigkeiten und Bauwerke
Zu den bedeutendsten Bauwerken gehören die St.-Bartholomäus-Kirche mit Aussichtsturm, das Untere Iglauer Tor, das Obere Rynárecer Tor und das Schloss der Herren von Říčany. Auch Teile der früheren Stadtbefestigung und mehrere kleinere Kirchen erinnern an die lange Geschichte von Pilgrams.
Museen und Kuriositäten
Das Museum der Rekorde und Kuriositäten ist die bekannteste Attraktion der Stadt. Ergänzt wird das Angebot durch das Hochlandmuseum Pilgrams, das Gespenstermuseum, die Pilgramser Hölle und weitere kleinere Ausstellungen. Dadurch eignet sich die Stadt besonders gut für Familien und für Ausflüge bei wechselhaftem Wetter.
Aussicht und Spaziergänge
Vom Turm der St.-Bartholomäus-Kirche hast du einen weiten Blick über die Dächer der Altstadt und die hügelige Landschaft der Böhmisch-Mährischen Höhe. Ruhiger geht es in den Stadtgärten und entlang der erhaltenen Befestigungsanlagen zu.
Essen und regionale Traditionen
Pilgrams gehört zu einer Region mit bodenständiger böhmischer Küche und langer Biertradition. Rund um den Masaryk-Platz findest du Gasthäuser, Restaurants und Cafés. Bekannt ist außerdem das Bier Poutník, dessen Name auf Deutsch „Pilger“ bedeutet.
Ausflüge in die Umgebung
Das wichtigste Ausflugsziel nahe Pilgrams ist der Křemešník mit Wallfahrtskirche, Wanderwegen und Aussichtsturm. Weitere lohnende Ziele sind das Kloster Seelau (Klášter Želiv), die Burg Kámen, Humpolec, Iglau (Jihlava) und Teltsch (Telč).
Sehenswürdigkeiten und historische Altstadt
- Masaryk-Platz (Masarykovo náměstí)
- St.-Bartholomäus-Kirche (Kostel svatého Bartoloměje)
- Aussichtsturm der St.-Bartholomäus-Kirche
- Unteres Iglauer Tor (Jihlavská brána)
- Oberes Rynárecer Tor (Rynárecká brána)
Museen, Rekorde und Erlebnisse
- Museum der Rekorde und Kuriositäten (Muzeum rekordů a kuriozit)
- Ausstellung Goldene tschechische Hände (Zlaté české ručičky)
- Gespenstermuseum (Muzeum strašidel)
- Pilgramser Hölle (Pelhřimovské peklo)
- Gedenkhalle der Familie Lipský (Síň Lipských)
Geschichte, Kirchen und Stadtbefestigung
- Schloss der Herren von Říčany (Zámek pánů z Říčan)
- Hochlandmuseum Pilgrams (Muzeum Vysočiny Pelhřimov)
- St.-Veit-Kirche (Kostel svatého Víta)
- Kapelle der Schmerzensreichen Muttergottes (Kaple Panny Marie Bolestné)
- Stadtmauer und historische Befestigung
Architektur, Kultur und Stadtleben
- Renaissancehäuser am Masaryk-Platz
- Sgraffiti und historische Fassaden
- Šrejnar-Haus (Šrejnarovský dům)
- Architekturspaziergang durch Pilgrams
- Bier und Brautradition der Brauerei Poutník
Natur, Familien und Aktivitäten
- Stadtgärten von Pilgrams (Městské sady)
- Pilgrams mit Kindern
- Rekordweg durch Pilgrams
- Wandern rund um Pilgrams
- Radfahren im Pilgramser Land (Pelhřimovsko)
Ausflüge in die Umgebung
- Křemešník mit Aussichtsturm Pípalka
- Wallfahrtskirche auf dem Křemešník
- Kloster Seelau (Klášter Želiv)
- Burg Kámen (Hrad Kámen)
- Schloss Roth Retschitz (Červená Řečice)
Pilgrams entdecken: Lerne die Stadt kennen
Pilgrams (Pelhřimov) gehört zu jenen Städten in Tschechien, die ihre Besonderheiten nicht auf den ersten Blick preisgeben. Hinter den beiden historischen Stadttoren wartet ein erstaunlich geschlossenes Zentrum mit farbenfrohen Bürgerhäusern, Laubengängen, Kirchen, einem ehemaligen Schloss und verwinkelten Gassen. Gleichzeitig ist Pilgrams weit über die Region hinaus als tschechische Stadt der Rekorde und Kuriositäten bekannt.
Diese ungewöhnliche Verbindung macht einen Besuch besonders abwechslungsreich. Am Vormittag kannst du durch eine denkmalgeschützte Altstadt spazieren, einen Kirchturm besteigen und historische Räume besichtigen. Wenig später stehst du vor überdimensionalen Alltagsgegenständen, ungewöhnlichen Erfindungen und kuriosen Rekordleistungen.
Pilgrams liegt in der Region Hochland (Kraj Vysočina), etwa auf halber Strecke zwischen Prag und Brünn. Die Stadt eignet sich deshalb sowohl als eigenständiges Reiseziel als auch als Zwischenstopp auf einer Rundreise durch Böhmen und Mähren. Trotz ihrer interessanten Sehenswürdigkeiten wirkt sie deutlich ruhiger als die bekannten Touristenziele der Region.
Eine Stadt am Rand der Böhmisch-Mährischen Höhe
Pilgrams liegt in einer sanft hügeligen Landschaft, die von Wäldern, Feldern, kleinen Dörfern und zahlreichen Wegen durchzogen wird. Das Stadtgebiet befindet sich am Flüsschen Bělá und liegt ungefähr 500 Meter über dem Meeresspiegel. Aufgrund seiner geografischen Lage wird Pilgrams gelegentlich als Tor zum Hochland bezeichnet.
Das Zentrum ist kompakt und lässt sich bequem zu Fuß erkunden. Zwischen dem Oberen Rynárecer Tor und dem Unteren Iglauer Tor liegen nur wenige Hundert Meter. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich rund um den Masaryk-Platz (Masarykovo náměstí) und die angrenzenden Straßen.
Die überschaubare Größe ist ein Vorteil: Du benötigst keinen komplizierten Stadtplan und kannst dich ohne Zeitdruck treiben lassen. Hinter vielen Fassaden verbergen sich Museen, Ausstellungen, kleine Innenhöfe oder historische Details, die bei einem schnellen Rundgang leicht übersehen werden.
Die Geschichte von Pilgrams
Die Anfänge der Stadt reichen vermutlich in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Eine frühe Siedlung entstand im Umfeld der heutigen St.-Veit-Kirche (Kostel svatého Víta). Die erste schriftlich belegte Erwähnung stammt aus dem Jahr 1289, als der Ort bei einem Angriff schwer beschädigt wurde.
Bereits ein Jahr später erhielt Tobias von Bechin, Bischof von Prag, von König Wenzel II. die Erlaubnis, die Siedlung wiederaufzubauen und zu befestigen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich Pilgrams zu einem regionalen Zentrum für Handel, Handwerk und Verwaltung.
Der Name der Stadt wird traditionell mit dem Prager Bischof Pelhřim beziehungsweise Peregrinus von Wartenberg in Verbindung gebracht. Einer Legende zufolge soll er auf einer Reise nach Rom an diesem Ort gerastet und die Gründung einer Siedlung angeregt haben. Der Pilger im Stadtwappen erinnert noch heute an diese Überlieferung.
Während der Hussitenkriege stand Pilgrams auf der Seite der Hussiten. Im Jahr 1446 wurde in der Stadt ein bedeutender Landtag abgehalten, an dem auch Georg von Podiebrad teilnahm, der später König von Böhmen wurde.
Im 16. Jahrhundert gehörte Pilgrams den Herren von Říčany. Die Bürger kauften sich 1572 aus ihrer Herrschaft frei. Im Jahr 1596 wurde die Stadt zur königlichen Stadt erhoben. Stadtbrände, Kriege und spätere Umbauten veränderten das Erscheinungsbild mehrfach. Dennoch blieb der historische Grundriss mit Hauptplatz, Stadttoren, Kirchen und Teilen der Befestigung erhalten.
Seit 1969 steht das historische Zentrum als städtisches Denkmalreservat unter besonderem Schutz.
Der Masaryk-Platz als Mittelpunkt der Altstadt
Das Herz von Pilgrams ist der Masaryk-Platz (Masarykovo náměstí). Der annähernd quadratische Hauptplatz wird von farbigen Bürgerhäusern umgeben, deren Fassaden mehrere Jahrhunderte Stadtgeschichte widerspiegeln. Renaissancegiebel, barocke Formen, Laubengänge und spätere historistische Veränderungen ergeben ein abwechslungsreiches Gesamtbild.
In der Mitte des Platzes steht ein Brunnen mit einer Statue des heiligen Jakob. Rundherum liegen einige der wichtigsten Bauwerke der Stadt: das historische Rathaus, das Schloss der Herren von Říčany, die St.-Bartholomäus-Kirche und das markante Šrejnar-Haus (Šrejnarovský dům).
Unter den Laubengängen befinden sich Geschäfte, Cafés und kleinere Lokale. Obwohl der Platz das touristische Zentrum bildet, wirkt er im Alltag weiterhin wie ein gewöhnlicher Stadtmittelpunkt. Bewohner erledigen hier ihre Einkäufe, treffen Bekannte oder überqueren den Platz auf dem Weg durch die Altstadt.
Besonders stimmungsvoll ist der Masaryk-Platz am frühen Morgen oder am Abend, wenn weniger Verkehr unterwegs ist und die Fassaden gleichmäßiger zur Geltung kommen.
Die St.-Bartholomäus-Kirche
Die St.-Bartholomäus-Kirche (Kostel svatého Bartoloměje) gehört zu den wichtigsten Wahrzeichen von Pilgrams. Ihre ältesten Bauteile entstanden wahrscheinlich an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. In den folgenden Epochen wurde das Gotteshaus mehrfach erweitert und umgestaltet.
Die Kirche verbindet spätgotische, Renaissance- und barocke Elemente. An der Außenseite fallen dekorative Sgraffiti auf. Im Inneren bestimmen reich ausgestattete Altäre, religiöse Gemälde und historische Kunstwerke den Raum.
Besonders interessant ist der Kirchturm. Über eine schmale Treppe führen 135 Stufen hinauf zu einem Aussichtsumgang in etwa 30 Metern Höhe. Während des Aufstiegs kommst du an den historischen Glocken vorbei.
Von oben öffnet sich einer der schönsten Blicke über Pilgrams. Direkt unter dir liegen der Masaryk-Platz, die Giebel der Bürgerhäuser und die roten Dächer der Altstadt. Dahinter beginnt die bewaldete Hügellandschaft der Region Hochland.
Das Untere Iglauer Tor
Das Untere Iglauer Tor (Jihlavská brána) ist eines der beiden erhaltenen Stadttore. Der mehrgeschossige Torturm erreicht eine Höhe von ungefähr 36 Metern und bildet einen der markantesten Zugänge zum historischen Zentrum.
Seine heutige Gestalt entstand überwiegend im 16. Jahrhundert. Gotische Durchgänge erinnern an den mittelalterlichen Ursprung, während die barocke Laterne und die geschwungene Haube aus späterer Zeit stammen.
Das Tor ist nicht nur ein Baudenkmal. In seinen Innenräumen befindet sich ein wichtiger Teil des Museums der Rekorde und Kuriositäten. Dadurch kannst du die Geschichte der Stadtbefestigung mit einer der ungewöhnlichsten Ausstellungen von Pilgrams verbinden.
Außerhalb des Tores sind noch Abschnitte der früheren Stadtmauer erkennbar. Sie vermitteln einen Eindruck davon, wie stark Pilgrams einst befestigt war.
Das Obere Rynárecer Tor
Auf der gegenüberliegenden Seite der Altstadt steht das Obere Rynárecer Tor (Rynárecká brána). Es wurde bereits im späten 15. Jahrhundert erwähnt und nach einem Stadtbrand im 16. Jahrhundert erneuert.
Der Turm besitzt eine elegante Renaissancegestalt. Ein besonders charmantes Detail sind die beiden Blechziegen an der Turmuhr. Sie bewegen sich zu bestimmten Uhrzeiten und gehören zu den kleinen Sehenswürdigkeiten, die den eigenständigen Charakter von Pilgrams ausmachen.
Der Turm ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Dennoch lohnt sich ein genauer Blick auf seine Fassade, die Uhr und den historischen Durchgang. Gemeinsam mit dem Unteren Iglauer Tor markiert er die frühere Hauptachse durch die befestigte Stadt.
Das Schloss der Herren von Říčany
An der Nordseite des Masaryk-Platzes steht das Schloss der Herren von Říčany (Zámek pánů z Říčan). Es wurde ab der Mitte des 16. Jahrhunderts als repräsentativer Adelssitz errichtet.
Nachdem sich die Bürger von der Herrschaft der Familie freigekauft hatten, übernahm die Stadt das Gebäude. Es diente anschließend unter anderem als Rathaus, Verwaltungsgebäude und Gericht. Nach dem großen Stadtbrand von 1766 wurde es in veränderter Form wiederaufgebaut.
Heute beherbergt das Schloss einen Teil des Hochlandmuseums Pilgrams (Muzeum Vysočiny Pelhřimov). Bereits die Verbindung aus ehemaligem Adelssitz und bürgerlicher Stadtgeschichte macht den Gebäudekomplex sehenswert.
Das Hochlandmuseum Pilgrams
Das Hochlandmuseum widmet sich der Geschichte der Stadt und ihrer Umgebung. Die Ausstellungen zeigen, wie sich Pilgrams vom mittelalterlichen Handelsort zum Verwaltungs- und Kulturzentrum entwickelte.
Zu sehen sind historische Möbel, Kunstwerke, Alltagsgegenstände, Dokumente und Zeugnisse des bürgerlichen Lebens. Einzelne Räume erinnern an bedeutende Persönlichkeiten aus Pilgrams und dem umliegenden Hochland.
Zum Museumskomplex gehört auch das ehemalige Stadtgefängnis. Historische Zellen, die Gefängniskapelle und eine frühere Folterkammer vermitteln einen Einblick in die Rechtsprechung vergangener Jahrhunderte.
Das Museum eignet sich besonders für Besucher, die hinter die farbigen Fassaden schauen und die Entwicklung der Stadt besser verstehen möchten.
Die Stadt der Rekorde und Kuriositäten
Das bekannteste Alleinstellungsmerkmal von Pilgrams ist seine Rolle als tschechische Stadt der Rekorde und Kuriositäten. Das Museum der Rekorde und Kuriositäten (Muzeum rekordů a kuriozit) sammelt außergewöhnliche Leistungen, ungewöhnliche Gegenstände und erstaunliche handwerkliche Arbeiten.
Ein Teil der Ausstellung befindet sich im Unteren Iglauer Tor. Auf mehreren Etagen begegnen dir besonders große, kleine, lange, schwere oder aufwendig gefertigte Objekte. Viele Exponate stammen von tschechischen Rekordhaltern.
Die Ausstellung nimmt sich selbst nicht zu ernst. Genau darin liegt ihr Reiz. Statt nüchterner Museumsvitrinen wartet eine unterhaltsame Mischung aus Erfindergeist, Ausdauer, Humor und Sammelleidenschaft.
Auch außerhalb des Museums taucht das Rekordthema immer wieder auf. In der Stadt stehen überdimensionale Objekte und Informationstafeln zu außergewöhnlichen Leistungen. Ein Rekordweg verbindet mehrere Stationen miteinander.
Pilgrams zeigt damit, dass eine historische Stadt nicht ausschließlich von Kirchen, Schlössern und Jahreszahlen erzählen muss.
Gespenster, Hölle und ungewöhnliche Ausstellungen
Neben dem Rekordmuseum gibt es in Pilgrams mehrere kleinere Erlebnisangebote. Das Gespenstermuseum greift regionale Sagen, Geistergeschichten und geheimnisvolle Gestalten auf. Die Räume sind atmosphärisch gestaltet und sprechen vor allem Familien mit Kindern an.
Eine weitere ungewöhnliche Attraktion ist die Pilgramser Hölle. Die interaktive Ausstellung beschäftigt sich auf humorvolle Weise mit Teufeln, Sünden und volkstümlichen Vorstellungen vom Jenseits.
Die Ausstellung „Goldene tschechische Hände“ präsentiert originelle Arbeiten, Modelle und Objekte, die mit handwerklichem Geschick und großer Geduld angefertigt wurden. Sie ergänzt die Rekordausstellungen um die Themen Kreativität und traditionelle Fertigkeiten.
Diese Museen sind eine gute Alternative bei schlechtem Wetter. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, dass Pilgrams auch für Familien ein lohnendes Tagesziel ist.
Die St.-Veit-Kirche und die ältesten Spuren der Stadt
Die St.-Veit-Kirche (Kostel svatého Víta) steht etwas außerhalb des unmittelbaren Hauptplatzes. In ihrem Umfeld befand sich vermutlich die älteste Siedlung, aus der sich Pilgrams entwickelte.
Das Gotteshaus gilt als ältester Sakralbau der Stadt. Während der Hussitenzeit wurde es von Anhängern der utraquistischen Glaubensrichtung genutzt. Spätere Umbauten veränderten sein Erscheinungsbild, doch die historische Bedeutung blieb erhalten.
Im Vergleich zur repräsentativen St.-Bartholomäus-Kirche wirkt die St.-Veit-Kirche zurückhaltender. Gerade deshalb eignet sie sich für Besucher, die ruhigere Orte und weniger bekannte Spuren der Stadtgeschichte suchen.
Weitere Kirchen und religiöse Denkmäler
Zu den weiteren Sakralbauten gehört die Kapelle der Schmerzensreichen Muttergottes. Sie entstand an einer Stelle, die mit religiösen Überlieferungen und Wallfahrtstraditionen verbunden ist.
Auch die Heilig-Kreuz-Kapelle und mehrere Bildstöcke, Statuen und kleinere religiöse Denkmäler erinnern an die Bedeutung des Glaubens im früheren Stadtleben.
Viele dieser Orte liegen außerhalb der direkten Hauptwege. Sie lassen sich gut bei einem längeren Spaziergang durch Pilgrams entdecken.
Stadtgärten und ruhige Spazierwege
Hinter den Häuserzeilen und ehemaligen Befestigungsanlagen liegen die Stadtgärten. Sie bilden einen grünen Gegenpol zum gepflasterten Zentrum und eignen sich für eine Pause zwischen zwei Museumsbesuchen.
In der Umgebung befinden sich die historische Dechantei, kleinere Denkmäler und das Gartenhaus des Geistlichen und Schriftstellers František Bernard Vaněk. Alte Bäume, Wege und Grünflächen verleihen dem Bereich eine ruhige Atmosphäre.
Ein Spaziergang durch die Stadtgärten zeigt eine andere Seite von Pilgrams. Während der Hauptplatz von Architektur und Stadtgeschichte geprägt ist, steht hier die Verbindung zwischen Altstadt und Landschaft im Mittelpunkt.
Architektur zwischen Renaissance und Moderne
Pilgrams wird vor allem mit seinen Renaissance- und Barockhäusern verbunden. Bei genauerem Hinsehen lassen sich jedoch Bauwerke aus sehr unterschiedlichen Epochen entdecken.
Mittelalterliche Grundrisse treffen auf Renaissancegiebel, barocke Fassaden, historistische Umbauten und Gebäude des 19. und 20. Jahrhunderts. Thematische Architekturwege erklären einzelne Baustile und ausgewählte Häuser.
Besonders interessant sind die Sgraffiti an mehreren Fassaden. Diese dekorative Putztechnik war während der Renaissance in Böhmen weit verbreitet und verleiht vielen historischen Städten ihr charakteristisches Erscheinungsbild.
Für einen Architekturspaziergang solltest du nicht nur auf die großen Gebäude achten. Portale, Erker, Hauszeichen, Innenhöfe und Dachformen erzählen oft ebenso viel über die Entwicklung der Stadt.
Pilgrams und die Familie Lipský
Pilgrams ist eng mit der bekannten tschechischen Künstlerfamilie Lipský verbunden. Zu ihr gehörten unter anderem der Schauspieler Lubomír Lipský und der Regisseur Oldřich Lipský.
Eine Gedenkhalle erinnert an das Leben und die Arbeit der Familie. Fotografien, persönliche Gegenstände und Dokumente geben Einblicke in ihre Verbindung zur Stadt und zur tschechischen Film- und Theatergeschichte.
Oldřich Lipský gehörte zu den bekannten Regisseuren des tschechoslowakischen Films. Seine Werke verbanden häufig Komödie, Satire und Fantasie. Die Ausstellung ist deshalb nicht nur für Filmfreunde interessant, sondern vermittelt auch ein Stück tschechischer Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Biertradition und regionale Küche
Pilgrams besitzt eine lange Brautradition. Das bekannteste Bier der Stadt trägt den Namen Poutník, auf Deutsch Pilger. Damit greift die Brauerei die Gründungslegende und das Wappenmotiv der Stadt auf.
Bier gehört in der Region nicht nur zur Gastronomie, sondern auch zur Alltagskultur. In traditionellen Gasthäusern wird es häufig zu deftigen böhmischen Gerichten ausgeschenkt.
Typisch für die regionale Küche sind Fleischgerichte mit Knödeln, gebratene oder geschmorte Speisen, Suppen, Kartoffelgerichte und süße Mehlspeisen. Rund um den Masaryk-Platz findest du Restaurants, kleinere Gaststätten und Cafés.
Wer Pilgrams kulinarisch kennenlernen möchte, sollte neben den Sehenswürdigkeiten auch Zeit für ein einfaches Mittagessen oder eine Pause in einem traditionellen Lokal einplanen.
Wandern und Radfahren rund um Pilgrams
Die Umgebung von Pilgrams gehört zur Böhmisch-Mährischen Höhe und ist von sanften Hügeln, Wäldern und kleinen Ortschaften geprägt. Sie eignet sich für Wanderungen und Radtouren, ohne dass anspruchsvolles Hochgebirge überwunden werden muss.
Ein markierter Rundweg führt durch die Landschaft rund um die Stadt. Unterwegs wechseln sich Feldwege, Waldabschnitte und Ausblicke auf Dörfer und Hügel ab.
Auch für Radfahrer ist Pilgrams ein guter Ausgangspunkt. Neben ruhigen Nebenstraßen gibt es regionale Routen zu kleineren Sehenswürdigkeiten, Schlössern, Kirchen und Naturzielen.
Ausflug zum Křemešník
Eines der wichtigsten Ausflugsziele liegt rund acht Kilometer östlich von Pilgrams. Der bewaldete Křemešník verbindet Natur, Wallfahrt und Aussicht.
Auf dem Berg stehen die Wallfahrtskirche der Heiligen Dreifaltigkeit, mehrere Kapellen und ein Kreuzweg. Die religiöse Tradition des Ortes reicht mehrere Jahrhunderte zurück.
Ein weiteres auffälliges Bauwerk ist die Windburg (Větrný zámek). Trotz ihres Namens handelt es sich nicht um eine mittelalterliche Burg, sondern um einen romantisch wirkenden Bau aus dem 20. Jahrhundert.
Vom Aussichtsturm Pípalka eröffnet sich ein weiter Blick über die Böhmisch-Mährische Höhe. Rund um den Berg verlaufen Wanderwege und ein Naturlehrpfad. Damit ist Křemešník die ideale Ergänzung zu einem Tag in der Altstadt.
Weitere Ausflugsziele im Pilgramser Land
Pilgrams eignet sich als Ausgangspunkt für mehrere kulturelle und landschaftliche Ziele. Besonders bedeutend ist das Kloster Seelau (Klášter Želiv). Der Prämonstratenserkomplex wurde im 12. Jahrhundert gegründet und später von Johann Blasius Santini-Aichl im Stil der Barockgotik umgestaltet.
Südwestlich der Stadt liegt die Burg Kámen. Die Anlage erhebt sich auf einem Felsen und beherbergt ein Museum. Auch das Schloss Roth Retschitz (Červená Řečice) gehört zu den sehenswerten historischen Bauwerken der Umgebung.
Weitere mögliche Ziele sind Humpolec mit der Burgruine Orlík, Kamenitz an der Linde (Kamenice nad Lipou), Iglau (Jihlava) und Teltsch (Telč). Dadurch lässt sich Pilgrams gut in eine längere Reise durch die Region Hochland integrieren.
Für wen lohnt sich Pilgrams?
Pilgrams ist besonders interessant für Reisende, die kleinere historische Städte abseits der bekanntesten Routen kennenlernen möchten. Das Zentrum besitzt genügend Sehenswürdigkeiten für einen abwechslungsreichen Tag, bleibt dabei aber kompakt und angenehm überschaubar.
Familien profitieren von den ungewöhnlichen Museen, dem Rekordthema und den interaktiven Ausstellungen. Geschichtsinteressierte finden Stadttore, Kirchen, ein Schloss und ein Regionalmuseum. Wanderer und Radfahrer können den Stadtbesuch mit Touren durch die umliegende Landschaft verbinden.
Auch für Fotografen bietet Pilgrams zahlreiche Motive. Dazu gehören die farbigen Fassaden am Masaryk-Platz, die Stadttore, historische Gassen und der Blick vom Turm der St.-Bartholomäus-Kirche.
Wie viel Zeit solltest du einplanen?
Für einen ersten Rundgang durch die Altstadt, den Besuch des Aussichtsturms und ein Museum genügt ungefähr ein halber Tag. Möchtest du mehrere Ausstellungen sehen, durch die Stadtgärten spazieren und ohne Zeitdruck einkehren, solltest du einen ganzen Tag einplanen.
Ein Wochenende lohnt sich, wenn du zusätzlich Křemešník, das Kloster Seelau oder weitere Ziele im Pilgramser Land besuchen möchtest.
Pilgrams lässt sich auch als Zwischenstopp auf dem Weg zwischen Prag, Brünn, Tábor, Iglau oder Südböhmen einplanen. Wer nur kurz bleibt, sollte sich auf den Masaryk-Platz, die St.-Bartholomäus-Kirche, die beiden Stadttore und das Museum der Rekorde und Kuriositäten konzentrieren.
Kurzinfos
- Deutscher Name: Pilgrams
- Tschechischer Name: Pelhřimov
- Region: Hochland (Kraj Vysočina)
- Historische Landschaft: Böhmen
- Erste schriftliche Erwähnung: 1289
- Höhenlage: ungefähr 500 Meter
- Historisches Zentrum: Seit 1969 städtisches Denkmalreservat
- Zentraler Platz: Masaryk-Platz (Masarykovo náměstí)
- Bekanntestes Wahrzeichen: St.-Bartholomäus-Kirche mit Aussichtsturm
- Besonderheit: Tschechische Stadt der Rekorde und Kuriositäten
- Wichtige Museen: Museum der Rekorde und Kuriositäten und Hochlandmuseum Pilgrams
- Erhaltene Stadttore: Unteres Iglauer Tor und Oberes Rynárecer Tor
- Empfohlene Aufenthaltsdauer: Ein halber bis ein ganzer Tag
- Geeignet für: Altstadtbesucher, Familien, Geschichtsinteressierte, Wanderer und Radfahrer
- Wichtigstes Naturziel: Křemešník
- Nahe Ausflugsziele: Kloster Seelau, Burg Kámen, Humpolec, Iglau und Teltsch