Pilsner Urquell Brauerei (Plzeňský Prazdroj)

Die Pilsner-Urquell-Brauerei (Plzeňský Prazdroj) gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Pilsens. Auf dem weitläufigen Brauereigelände östlich der Altstadt wurde im Jahr 1842 das erste helle Pilsner Lagerbier gebraut. Der neue Bierstil verbreitete sich innerhalb weniger Jahrzehnte in Europa und später auf der ganzen Welt.

Bei einer Besichtigung lernst du nicht nur die Geschichte der Marke Pilsner Urquell kennen. Die Führung verbindet historische Sudhäuser, moderne Produktionsanlagen, traditionelle Handwerksberufe und ein kilometerlanges System aus unterirdischen Lagerkellern. Dadurch ist die Brauerei auch für Besucher interessant, die sich für Industriegeschichte, Technik oder die Entwicklung Pilsens interessieren.

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Warum das Pilsner Bier in Pilsen entstand

In Pilsen wurde bereits seit dem Mittelalter Bier gebraut. Das Braurecht lag bei bestimmten Bürgerhäusern, deren Eigentümer ihr Bier zunächst in kleineren und voneinander unabhängigen Betrieben herstellen ließen.

Die Qualität der einzelnen Biere schwankte jedoch stark. Deshalb beschlossen die brauberechtigten Bürger im 19. Jahrhundert, ein gemeinsames Bürgerliches Brauhaus zu errichten. Ziel war ein Bier, das unter kontrollierten Bedingungen hergestellt werden konnte und dauerhaft eine gleichbleibende Qualität bot.

Als Standort wählte man ein Gelände außerhalb der damaligen Stadtmauern. Dort standen ausreichend Platz, geeignetes Wasser und ein Untergrund zur Verfügung, in den tiefe Lagerkeller gegraben werden konnten.

Josef Groll und der erste Pilsner Sud

Für das neue Brauhaus wurde der aus Bayern stammende Braumeister Josef Groll verpflichtet. Er brachte Erfahrungen mit der untergärigen Brauweise nach Pilsen und verband sie mit den örtlichen Rohstoffen.

Am 5. Oktober 1842 braute Josef Groll den ersten Sud des späteren Pilsner Urquells. Das Bier wurde erstmals im November desselben Jahres in Pilsener Gasthäusern ausgeschenkt.

Das Ergebnis unterschied sich deutlich von vielen damals üblichen Bieren. Es war hell, klar und goldfarben. Dazu kamen ein ausgeprägter Hopfencharakter und eine stabile Schaumkrone. Entscheidend waren das weiche Pilsener Wasser, helles Gerstenmalz, böhmischer Hopfen und die untergärige Hefe.

Das neue Bier wurde schnell über die Grenzen Pilsens hinaus bekannt. Andere Brauereien begannen, vergleichbare helle Lagerbiere herzustellen. Der Name der Stadt entwickelte sich schließlich zur internationalen Bezeichnung für den Bierstil Pils oder Pilsner.

Der Unterschied zwischen Pilsner Urquell und Pils

Pilsner Urquell bezeichnet das ursprüngliche Bier aus der Pilsener Brauerei. Der Name soll verdeutlichen, dass es sich um die ursprüngliche Quelle des Pilsner Bierstils handelt.

Pils, Pilsener oder Pilsner wird dagegen als allgemeine Bezeichnung für helle, untergärige Lagerbiere verwendet, die sich am Bier aus Pilsen orientieren. Solche Biere werden heute in zahlreichen Ländern hergestellt.

Nicht jedes Pils stammt daher aus Pilsen. Pilsner Urquell wird jedoch weiterhin mit dem historischen Ursprung des Bierstils verbunden.

Das historische Brauereitor

Das monumentale Tor am Eingang des Brauereigeländes gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen Pilsens. Es wurde 1892 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des ersten Pilsner Suds errichtet.

Das Tor ist mit den Jahreszahlen 1842 und 1892 versehen. Es erinnert damit sowohl an die Entstehung des Pilsner Biers als auch an das Jubiläumsjahr des Bürgerlichen Brauhauses.

Heute bildet das Brauereitor eines der beliebtesten Fotomotive der Stadt. Es markiert den Zugang zu einem Gelände, auf dem historische Industriebauten, moderne Produktionshallen und Besucherbereiche unmittelbar nebeneinanderliegen.

Die Brauereiführung

Die klassische Brauereiführung beginnt im Besucherzentrum. Sie führt durch verschiedene Bereiche des weitläufigen Geländes und verbindet die Geschichte des Pilsner Urquells mit der heutigen Bierproduktion.

Da die Brauerei weiterhin in Betrieb ist, besuchst du keine reine Museumskulisse. Teile der Führung verlaufen durch eine aktive Produktionsstätte. Der genaue Ablauf kann sich deshalb aus betrieblichen oder technischen Gründen ändern.

Typische Stationen der Führung sind:

  • die moderne Abfüllanlage
  • eine Ausstellung zu den Rohstoffen
  • das historische Sudhaus
  • die modernen Brauanlagen
  • die unterirdischen Lagerkeller
  • die traditionelle Fasslagerung
  • eine Bierprobe im Keller

Die Führungen werden in mehreren Sprachen angeboten. Deutschsprachige Termine finden zu ausgewählten Zeiten statt. Eine vorherige Reservierung ist besonders an Wochenenden und in der Hauptreisezeit sinnvoll.

Die moderne Abfüllanlage

Ein Teil der Besichtigung führt zur modernen Abfüllanlage. Dort werden Flaschen in hoher Geschwindigkeit gereinigt, kontrolliert, befüllt, verschlossen, etikettiert und für den Transport vorbereitet.

Die Anlage macht deutlich, in welchem Umfang das ursprünglich regionale Bier heute produziert und vertrieben wird. Sie bildet einen starken Kontrast zu den historischen Produktionsmethoden, die an anderen Stationen der Führung vorgestellt werden.

Auf dem großen Brauereigelände werden einzelne Bereiche teilweise mit einem Besucherbus miteinander verbunden.

Wasser, Malz, Hopfen und Hefe

Die Grundzutaten des Pilsner Urquells sind Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hefe. Während der Führung erfährst du, welche Bedeutung die einzelnen Rohstoffe für Farbe, Geschmack, Gärung und Haltbarkeit des Biers besitzen.

Das weiche Wasser aus Pilsen war eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung des hellen Lagerbiers. Das Gerstenmalz sorgt unter anderem für die goldene Farbe und den malzigen Grundcharakter.

Für die typische Bitterkeit und das Aroma wird böhmischer Hopfen verwendet. Die Hefe setzt während der Gärung den im Sud enthaltenen Zucker in Alkohol und Kohlensäure um.

Neben den Zutaten spielen die Erfahrung der Braumeister und die genaue Kontrolle der einzelnen Produktionsschritte eine entscheidende Rolle.

Das historische und das moderne Sudhaus

Zu den eindrucksvollsten Stationen gehören die historischen kupfernen Braukessel. Sie vermitteln einen Eindruck davon, wie das Bier früher in größeren Mengen hergestellt wurde.

Im Sudhaus wird das geschrotete Malz mit Wasser vermischt und schrittweise erhitzt. Dabei werden Bestandteile des Malzes gelöst und in vergärbaren Zucker umgewandelt. Anschließend wird die Flüssigkeit vom festen Malz getrennt und gemeinsam mit Hopfen gekocht.

Die Brauerei verwendet traditionell ein aufwendiges Maischeverfahren, das den charakteristischen Geschmack des Pilsner Urquells mitprägt.

Neben den historischen Anlagen besitzt die Brauerei ein modernes Sudhaus. Der Vergleich zeigt, wie sich Technik, Steuerung und Produktionskapazität verändert haben, während die grundlegenden Schritte des Brauens erhalten geblieben sind.

Die historischen Lagerkeller

Unter dem Brauereigelände erstreckt sich ein rund neun Kilometer langes System aus Gängen und Kellern. Diese unterirdischen Räume gehören zu den besonderen Höhepunkten der Führung.

Die Keller wurden angelegt, um eine dauerhaft niedrige Temperatur für Gärung und Lagerung zu gewährleisten. Bevor moderne Kühltechnik zur Verfügung stand, wurde Natureis verwendet. Dieses stammte unter anderem von den Bolewetz-Teichen (Bolevecké rybníky) im Norden Pilsens.

In den feuchten und kühlen Gängen reifte das Bier früher in großen Holzfässern. Die niedrige Temperatur verlangsamte die Gärung und ermöglichte eine längere Lagerung.

Auch heute herrschen in den Kellern nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt. Selbst im Sommer solltest du deshalb eine Jacke oder einen Pullover mitnehmen. Feste und geschlossene Schuhe sind wegen des feuchten Bodens ebenfalls empfehlenswert.

Traditionelle Gärung und Reifung in Eichenfässern

Der größte Teil des Pilsner Urquells wird heute mit modernen Anlagen hergestellt. Ein kleiner Teil des Biers entsteht jedoch weiterhin nach der traditionellen Methode.

Dabei gärt das Bier in offenen Bottichen und reift anschließend in großen Eichenfässern. Diese traditionelle Produktion dient als geschmacklicher Vergleich für das modern hergestellte Bier.

Die Fassreifung zeigt, wie aufwendig Bierproduktion vor dem Einsatz moderner Edelstahltanks und Kühlsysteme war. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass historisches Wissen und traditionelles Handwerk auf dem Brauereigelände erhalten bleiben.

Das Küferhandwerk

Die Herstellung und Pflege großer Holzfässer ist Aufgabe der Küfer. Dieses Handwerk spielt in der Pilsner-Urquell-Brauerei weiterhin eine besondere Rolle.

Die Fässer bestehen aus einzelnen Holzdauben, die ohne moderne Klebstoffe zu einem dichten Behälter zusammengesetzt werden. Metallreifen halten die Konstruktion zusammen. Beschädigte Teile müssen ausgetauscht und die Innenflächen regelmäßig gepflegt werden.

Nur wenige große Brauereien beschäftigen heute noch eigene Küfer. In Pilsen wird das Handwerk vor allem benötigt, weil weiterhin Bier in traditionellen Eichenfässern gelagert wird.

Ungefiltertes Pilsner Urquell aus dem Fass

Für viele Besucher ist die Verkostung in den historischen Kellern der Höhepunkt der Brauereiführung. Das ungefilterte und nicht pasteurisierte Bier wird direkt aus einem Eichenfass gezapft.

Im Unterschied zum üblichen abgefüllten Pilsner Urquell enthält das Kellerbier noch mehr natürliche Trübstoffe und Hefebestandteile. Dadurch kann es etwas trüber erscheinen und geschmacklich anders wirken als das bekannte Flaschen- oder Fassbier.

Die Bierprobe wird nur an volljährige Besucher ausgeschenkt. Für Kinder, Jugendliche und Besucher, die keinen Alkohol trinken möchten, stehen alkoholfreie Alternativen zur Verfügung.

Die Gaststätte Na Spilce

Auf dem Brauereigelände befindet sich die Gaststätte Na Spilce. Sie wurde in ehemaligen Gärkellern eingerichtet und verbindet historische Brauereiarchitektur mit böhmischer Küche und verschiedenen Bieren aus dem Sortiment der Brauerei.

Auf der Speisekarte stehen in der Regel klassische tschechische Gerichte, Fleischgerichte, Beilagen und kleinere Speisen zum Bier. Das genaue Angebot kann sich saisonal ändern.

Die Gaststätte eignet sich gut, um den Brauereibesuch abzuschließen. Wegen ihrer Größe wird sie auch von Reisegruppen besucht. Zu stark frequentierten Zeiten kann eine Reservierung sinnvoll sein.

Besucherzentrum und Souvenirgeschäft

Das Besucherzentrum dient als Ausgangspunkt der Brauereiführungen. Hier befinden sich die Kassen, Informationen zu den verschiedenen Programmen und ein Souvenirgeschäft.

Im Geschäft werden unter anderem Biergläser, Flaschenöffner, Kleidung, Geschenksets und Produkte mit dem Markenlogo angeboten. Auch abgefüllte Biere und saisonale Artikel können erhältlich sein.

Das Besucherzentrum informiert außerdem über zusätzliche Angebote wie Zapfkurse, gastronomische Programme oder besondere Veranstaltungen auf dem Brauereigelände.

Zapfkurse und weitere Erlebnisse

Neben der regulären Führung werden zeitweise zusätzliche Biererlebnisse angeboten. Dazu gehören Kurse, bei denen du verschiedene Arten des Bierzapfens kennenlernst.

In der tschechischen Bierkultur wird zwischen unterschiedlichen Zapfstilen unterschieden. Sie unterscheiden sich vor allem durch das Verhältnis von Bier und Schaum. Der Schaum schützt das Bier vor Luftkontakt und beeinflusst das Mundgefühl.

Solche Angebote finden getrennt von der klassischen Brauereiführung statt und müssen in der Regel eigenständig gebucht werden.

Brauerei und Brauereimuseum sind zwei verschiedene Ziele

Die Pilsner-Urquell-Brauerei darf nicht mit dem Brauereimuseum Pilsen (Pivovarské muzeum) verwechselt werden.

Die Brauerei liegt östlich der Altstadt und zeigt die Geschichte des Pilsner Urquells sowie die historische und moderne Produktion.

Das Brauereimuseum befindet sich dagegen in einem historischen brauberechtigten Bürgerhaus in der Altstadt. Seine Ausstellung beschäftigt sich allgemeiner mit der Geschichte des Bierbrauens, historischen Werkzeugen, Gefäßen, Mälzereien und Pilsener Brautraditionen.

Beide Orte ergänzen sich gut. Für einen umfassenden Einblick in die Pilsener Biergeschichte kannst du die Brauerei und das Museum nacheinander besuchen.

Lagerkeller der Brauerei und historisches Unterirdisches

Auch die Lagerkeller der Brauerei und das historische Unterirdische Pilsen (Plzeňské historické podzemí) sind zwei unterschiedliche Sehenswürdigkeiten.

Die Brauereikeller liegen unter dem Produktionsgelände und dienten der Gärung und Lagerung des Biers.

Das historische Unterirdische erstreckt sich dagegen unter der Altstadt. Die dortigen Keller, Brunnen und Gänge wurden von Bürgerhäusern, Handwerkern und Händlern genutzt.

Beide Anlagen vermitteln unterschiedliche Seiten der Stadtgeschichte. Während die Brauereikeller eng mit der Bierproduktion verbunden sind, erzählt das historische Unterirdische vom Alltag in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt.

Lage und Anreise

Die Pilsner-Urquell-Brauerei liegt östlich des historischen Stadtzentrums. Vom Platz der Republik kannst du das Brauereigelände zu Fuß erreichen.

Auch der Pilsener Hauptbahnhof befindet sich in der Nähe. Dadurch lässt sich die Brauerei gut in einen Tagesausflug integrieren, wenn du mit dem Zug nach Pilsen reist.

Auf dem Gelände stehen begrenzte Parkmöglichkeiten zur Verfügung. Da freie Stellplätze nicht garantiert werden können, ist die Anreise zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln häufig unkomplizierter.

Wie viel Zeit solltest du einplanen?

Für die reguläre Brauereiführung solltest du ungefähr zwei Stunden einplanen. Dazu kommen Zeit für den Weg über das Gelände, den Besuch des Souvenirgeschäfts und möglicherweise einen Aufenthalt in der Gaststätte Na Spilce.

Insgesamt kann die Brauerei daher gut einen halben Tag ausfüllen. Möchtest du zusätzlich das Brauereimuseum und das historische Unterirdische besuchen, solltest du für die Pilsener Biergeschichte einen ganzen Tag einplanen.

Für wen lohnt sich die Brauereiführung?

Die Brauereiführung richtet sich nicht nur an Bierliebhaber. Auch Besucher mit Interesse an Industriearchitektur, Lebensmittelproduktion, Technik und Handwerksgeschichte erhalten einen vielseitigen Einblick.

Besonders interessant ist der direkte Vergleich zwischen historischer und moderner Herstellung. Die kupfernen Sudkessel, die aktive Abfüllanlage, die unterirdischen Keller und die traditionellen Eichenfässer zeigen verschiedene Epochen der Bierproduktion an einem Ort.

Familien können die Brauerei ebenfalls besuchen. Die Bierprobe ist jedoch volljährigen Teilnehmern vorbehalten. Wegen der niedrigen Temperaturen, längeren Wege und Treppen sollten Eltern vorab prüfen, ob die Führung für jüngere Kinder geeignet ist.

Kurzinfos

  • Deutscher Name: Pilsner-Urquell-Brauerei
  • Tschechischer Name: Plzeňský Prazdroj
  • Standort: Pilsen (Plzeň)
  • Gründung des Bürgerlichen Brauhauses: 1839
  • Erster Pilsner Sud: 5. Oktober 1842
  • Erster Braumeister: Josef Groll
  • Bekannt für: Ursprung des hellen Pilsner Lagerbiers
  • Wichtigstes Fotomotiv: Historisches Brauereitor
  • Besonderheit: Rund neun Kilometer lange Lagerkeller
  • Traditionelles Handwerk: Herstellung und Pflege großer Eichenfässer durch Küfer
  • Höhepunkt der Führung: Verkostung von ungefiltertem Bier aus dem Eichenfass
  • Besuchsdauer: Etwa zwei Stunden für die Führung, ungefähr ein halber Tag mit Gaststättenbesuch
  • Kleidung: Warme Kleidung und feste Schuhe für die kühlen Keller
  • Geeignet für: Bierkultur, Industriegeschichte, Technik und Handwerk
  • Nahe Sehenswürdigkeiten: Pilsener Altstadt, Brauereimuseum und historisches Unterirdisches
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