Žižka-Platz (Žižkovo náměstí)

Der Žižka-Platz (Žižkovo náměstí) bildet das historische Herz von Tabor (Tábor). Rund um den unregelmäßig angelegten Hauptplatz stehen einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der südböhmischen Stadt. Das spätgotische Alte Rathaus, die Dekanatskirche Verklärung des Herrn, reich verzierte Bürgerhäuser, der Renaissancebrunnen und das Denkmal für Jan Žižka bilden ein geschlossenes historisches Ensemble.

Der Platz ist eng mit der Gründung Tabors als Zentrum der Hussitenbewegung verbunden. Unter den Häusern erstrecken sich mittelalterliche Keller, während oberhalb des Platzes Kirchturm, Giebel und Renaissancefassaden die Silhouette der Altstadt prägen. Für die meisten Besucher ist der Žižka-Platz deshalb der beste Ausgangspunkt für einen Rundgang durch Tabor.

Mittelpunkt der historischen Altstadt

Der Žižka-Platz liegt im höchsten Bereich der historischen Altstadt. Von ihm führen schmale und teilweise verwinkelte Gassen zu den ehemaligen Stadtmauern, zum Kotnov-Turm, zum Bechiner Tor und zu weiteren historischen Bauwerken.

Seine unregelmäßige Form unterscheidet ihn von vielen planmäßig angelegten rechteckigen Marktplätzen in Böhmen. Sie erinnert an die schrittweise Entwicklung der mittelalterlichen Stadt und trägt wesentlich zur besonderen Atmosphäre des Platzes bei.

Heute ist der Žižka-Platz zugleich Sehenswürdigkeit, Treffpunkt und lebendiger Teil des Stadtzentrums. In den umliegenden Häusern befinden sich Museen, Restaurants, Cafés, Geschäfte und touristische Einrichtungen.

Die Entstehung des Platzes

Die heutige Stadt Tabor wurde 1420 von Anhängern der Hussitenbewegung gegründet. Der zentrale Platz entstand auf einer strategisch günstig gelegenen Anhöhe über dem Tal der Lainsitz (Lužnice).

In der frühen Zeit standen rund um den Platz überwiegend einfache Holzgebäude. Mit der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung der Stadt wurden diese schrittweise durch größere steinerne Bürgerhäuser ersetzt.

Große Stadtbrände im 16. Jahrhundert zerstörten zahlreiche ältere Gebäude. Beim anschließenden Wiederaufbau erhielten viele Häuser ihre noch heute sichtbaren Renaissancegiebel, Sgraffitofassaden und repräsentativen Portale. Hinter den neueren Fassaden blieben teilweise ältere gotische Keller und Gebäudekerne erhalten.

Der Name Žižka-Platz

Der Platz wurde über Jahrhunderte vor allem als Markt, Ring oder Hauptplatz bezeichnet. Erst im Zuge der offiziellen Benennung von Straßen und Plätzen erhielt er im 19. Jahrhundert einen festgelegten Namen.

Nach der Gründung der Tschechoslowakei wurde er vorübergehend als Platz der Republik bezeichnet. Seit 1925 trägt er den Namen des hussitischen Heerführers Jan Žižka von Trocnov.

Žižka spielte beim Aufbau der neuen Stadt und bei der Organisation der hussitischen Truppen eine wichtige Rolle. Seine Verbindung zu Tabor wird nicht nur durch den Namen des Platzes, sondern auch durch das Denkmal in dessen Mitte und die Ausstellungen des Hussitenmuseums sichtbar.

Das Alte Rathaus

Das Alte Rathaus gehört zu den auffälligsten und bedeutendsten Bauwerken am Žižka-Platz. Der repräsentative spätgotische Bau entstand zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Für seine Errichtung wurden mehrere ältere Häuser zusammengefasst und grundlegend umgebaut.

Besonders sehenswert ist der große gotische Saal mit seinem aufwendig gestalteten Gewölbe. Das Gebäude wurde nach Beschädigungen und späteren Umbauten mehrfach verändert. Im 19. Jahrhundert erhielt es wieder ein stärker an der spätgotischen Bauphase orientiertes Erscheinungsbild.

Heute befindet sich im Alten Rathaus das Hussitenmuseum (Husitské muzeum). Das Museum widmet sich der böhmischen Reformation, Jan Hus, den Hussitenkriegen und der Entwicklung Tabors.

Das Rathaus ist zugleich der Ausgangspunkt für die Besichtigung der historischen Keller unter der Altstadt.

Das Hussitenmuseum

Das Hussitenmuseum gehört zu den wichtigsten historischen Museen Südböhmens. Seine Ausstellung erklärt die religiösen, gesellschaftlichen und politischen Hintergründe der Hussitenbewegung.

Du erfährst, wie sich die Ideen des Reformators Jan Hus verbreiteten, warum es zu den Hussitenkriegen kam und welche Rolle Tabor dabei spielte. Modelle, archäologische Funde, historische Waffen und weitere Exponate vermitteln einen Eindruck vom Leben im 15. Jahrhundert.

Ein Schwerpunkt liegt auf Jan Žižka und den Taboriten. Die Bezeichnung Taboriten wurde für die radikalere Gruppierung der Hussiten verwendet, deren Zentrum sich in Tabor befand.

Der Besuch des Museums erleichtert es, die weiteren Sehenswürdigkeiten auf dem Platz und in der Altstadt historisch einzuordnen.

Die Dekanatskirche Verklärung des Herrn

Die Dekanatskirche Verklärung des Herrn auf dem Berg Tabor (Kostel Proměnění Páně na hoře Tábor) beherrscht die Nordseite des Platzes. Ihr Name verweist auf den biblischen Berg Tabor und damit zugleich auf die Herkunft des Stadtnamens.

An dieser Stelle stand zunächst eine einfachere Kirche. Der Bau des heutigen Gotteshauses begann gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Die Kirche wurde als spätgotische Hallenkirche errichtet und später mehrfach umgebaut.

Ihr hoher Turm ist eines der wichtigsten Wahrzeichen Tabors. Er überragt die Dächer der Altstadt und ist bereits aus größerer Entfernung sichtbar. Renaissance- und Barockelemente ergänzen die spätgotische Grundstruktur des Bauwerks.

Gemeinsam mit dem Alten Rathaus prägt die Kirche die architektonische Wirkung des Žižka-Platzes.

Das Denkmal für Jan Žižka

In der Mitte des Platzes steht das Denkmal für Jan Žižka von Trocnov. Die heutige Sandsteinfigur wurde im 19. Jahrhundert vom Bildhauer Josef Strachovský geschaffen.

Žižka ist in aufrechter Haltung mit charakteristischen Attributen eines Heerführers dargestellt. Auf dem Sockel erinnern Inschriften an Orte bedeutender hussitischer Siege.

Das heutige Denkmal ersetzte eine ältere Statue nach einem Entwurf von Josef Václav Myslbek. Diese musste bereits kurze Zeit nach ihrer Aufstellung wegen schwerer Material- und Konstruktionsprobleme wieder entfernt werden.

Das Žižka-Denkmal gehört heute zu den beliebtesten Fotomotiven auf dem Platz. Im Hintergrund lassen sich je nach Perspektive das Alte Rathaus, die Dekanatskirche oder die historischen Bürgerhäuser aufnehmen.

Der Renaissancebrunnen

Nur wenige Schritte vom Denkmal entfernt steht der historische Renaissancebrunnen. Er wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts geschaffen und gehörte ursprünglich zur Wasserversorgung des Stadtzentrums.

Auf dem Brunnen befindet sich eine steinerne Ritterfigur, die häufig als Roland gedeutet wird. Derartige Figuren galten in europäischen Städten als Symbole städtischer Rechte und Freiheiten.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Brunnen mehrfach repariert und verändert. Seine heutige Gestalt geht weitgehend auf Restaurierungsarbeiten im frühen 20. Jahrhundert zurück.

Gemeinsam mit dem Žižka-Denkmal bildet der Brunnen den gestalterischen Mittelpunkt des Platzes.

Renaissancehäuser und historische Fassaden

Die Bürgerhäuser rund um den Žižka-Platz gehören zu den schönsten Bauwerken der Taborer Altstadt. Viele Gebäude besitzen farbige Giebel, Sgraffiti, Fresken, Erker und verzierte Portale.

Besonders bekannt sind das Škoch-Haus, das Lichvic-Haus und das Ctibor-Haus. Ihre Fassaden zeigen, wie sich das Stadtbild nach den großen Bränden des 16. Jahrhunderts veränderte.

Hinter den Renaissancefassaden verbergen sich häufig ältere gotische Bauteile. Keller, Gewölbe und Grundmauern können deshalb deutlich älter sein als das von außen sichtbare Erscheinungsbild.

Bei einem Rundgang lohnt es sich, nicht nur die großen Bauwerke zu betrachten. Hauszeichen, Fensterrahmen, Giebelformen und kleine Fassadendetails erzählen ebenfalls von der langen Geschichte des Platzes.

Die unterirdischen Gänge

Unter den Häusern des Žižka-Platzes erstreckt sich ein weitläufiges System historischer Keller. Die ältesten Räume wurden bereits im Mittelalter in den felsigen Untergrund gegraben.

Die Keller dienten vor allem zur Lagerung von Lebensmitteln, Getränken und Handelswaren. Durch die gleichmäßig niedrigen Temperaturen eigneten sie sich besonders gut zur Aufbewahrung von Bier und verderblichen Vorräten.

Einige Räume wurden auf mehreren Ebenen angelegt und reichen tief unter die Altstadt. Bei Bränden, Angriffen und anderen Gefahren konnten sie außerdem als Zufluchtsorte genutzt werden.

Ursprünglich gehörten die Keller jeweils zu einzelnen Bürgerhäusern. Für die spätere Besichtigungsroute wurden ausgewählte Räume durch zusätzliche Durchgänge miteinander verbunden.

Der zugängliche Abschnitt beginnt im Alten Rathaus und führt unter mehreren Gebäuden des Žižka-Platzes hindurch. Die niedrigen Gänge, rohen Felswände und historischen Lagerräume vermitteln einen ungewöhnlichen Eindruck von der Stadt unterhalb der sichtbaren Altstadt.

Der Platz als Ausgangspunkt für einen Stadtrundgang

Der Žižka-Platz eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für die Erkundung Tabors. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen entweder direkt am Platz oder sind nach einem kurzen Spaziergang erreichbar.

Vom Platz gelangst du durch die Altstadt zum Kotnov-Turm und zum Bechiner Tor (Bechyňská brána). Weitere Wege führen zu den erhaltenen Stadtmauern, zum Jordán-Stausee und zu Aussichtspunkten über dem Tal der Lainsitz.

Auch der Wallfahrtsort Klokoty lässt sich vom historischen Zentrum aus zu Fuß erreichen. Der Weg führt am Rand der Altstadt vorbei und anschließend durch ruhigere Grünbereiche.

Eine Touristeninformation befindet sich direkt am Žižka-Platz. Dort erhältst du Stadtpläne und Informationen zu Museen, Rundgängen und Ausflugszielen.

Märkte und Veranstaltungen

Der Žižka-Platz ist nicht nur ein historisches Denkmal, sondern wird weiterhin als öffentlicher Stadtraum genutzt. Im Laufe des Jahres finden hier Märkte, Konzerte und kulturelle Programme statt.

Besonders eng ist der Platz mit den Taborer Begegnungen (Táborská setkání) verbunden. Während des historischen Stadtfestes verwandelt sich die Altstadt in eine Kulisse für Umzüge, Musik, Handwerksvorführungen und Veranstaltungen zur hussitischen Geschichte.

Die historischen Fassaden, das Rathaus und die Kirche bilden dabei eine besonders wirkungsvolle Umgebung. Während größerer Veranstaltungen kann der Platz allerdings deutlich voller sein als an gewöhnlichen Tagen.

Besuchs- und Fototipps

Für einen ruhigen Spaziergang eignet sich der frühe Morgen. Dann sind viele Geschäfte und Museen noch geschlossen, dafür lassen sich Fassaden, Brunnen und Denkmal meist ungestört betrachten.

Am Vormittag oder frühen Nachmittag kannst du den Platzbesuch gut mit dem Hussitenmuseum und den unterirdischen Gängen verbinden. Für diese beiden Sehenswürdigkeiten solltest du ausreichend Zeit einplanen.

Am späten Nachmittag sorgt seitlich einfallendes Licht häufig für deutliche Strukturen an Giebeln, Sgraffiti und historischen Fassaden. Als Vordergrund für Fotos eignen sich der Renaissancebrunnen und das Žižka-Denkmal.

Bei der Wahl der Perspektive lohnt es sich, die gegenüberliegende Platzseite zu nutzen. Dadurch lassen sich Kirche, Rathaus oder mehrere Bürgerhäuser gemeinsam abbilden.

Wie viel Zeit solltest du einplanen?

Für einen einfachen Rundgang über den Žižka-Platz reichen etwa 30 bis 60 Minuten. Dabei kannst du die wichtigsten Fassaden, das Denkmal, den Brunnen und die Außenansichten von Kirche und Rathaus betrachten.

Mit einem Besuch des Hussitenmuseums und der unterirdischen Gänge solltest du ungefähr zwei bis drei Stunden einplanen. Anschließend kannst du deinen Rundgang durch die Altstadt zum Kotnov-Turm und zum Bechiner Tor fortsetzen.

Wer sich intensiver für Architektur, Geschichte und Fotografie interessiert, kann problemlos einen halben Tag rund um den Platz und die angrenzenden Gassen verbringen.

Kurzinfos

  • Deutscher Name: Žižka-Platz
  • Tschechischer Name: Žižkovo náměstí
  • Ort: Tabor (Tábor)
  • Lage: Historische Altstadt
  • Benannt nach: Jan Žižka von Trocnov
  • Heutiger Name seit: 1925
  • Wichtigste Bauwerke: Altes Rathaus und Dekanatskirche Verklärung des Herrn
  • Wichtigstes Museum: Hussitenmuseum (Husitské muzeum)
  • Weitere Sehenswürdigkeiten: Jan-Žižka-Denkmal, Renaissancebrunnen und historische Bürgerhäuser
  • Besonderheit: Mittelalterliche Keller und unterirdische Gänge unter dem Platz
  • Architekturstile: Spätgotik, Renaissance, Barock und Historismus
  • Geeignet für: Geschichtsinteressierte, Architekturliebhaber, Städtereisende und Fotografen
  • Empfohlene Aufenthaltsdauer: 30 bis 60 Minuten, mit Museen etwa zwei bis drei Stunden
  • Nahe Sehenswürdigkeiten: Kotnov-Turm, Bechiner Tor, Stadtbefestigung und Jordán-Stausee